Eisbären Berlin

Die Eisbären haben keine Zeit für große Partys

Eisbären-Verteidiger Müller ist mit nur 20 Jahren der meistbeschäftigte DEL-Profi. Am Freitag trifft er mit dem EHC auf Iserlohn.

Am Sonnabend feiert Eisbären-Verteidiger Jonas Müller (l.) seinen 21. Geburtstag

Am Sonnabend feiert Eisbären-Verteidiger Jonas Müller (l.) seinen 21. Geburtstag

Foto: Henning Kaiser / dpa

Berlin.  Besser könnte der Plan gar nicht sein. Sonnabend findet kein Training statt beim EHC Eisbären, Sonntag ist kein Spiel. Alles klar für die Party. „Nee, nicht wirklich“, sagt Jonas Müller. Kollege Jens Baxmann hat kürzlich geheiratet, er will nach der Partie am Freitagabend gegen die Iserlohn Roosters (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) noch einen ausgeben. Das muss reichen. „Ich muss mich ja auch ausruhen“, erzählt Verteidiger Müller, der am Sonnabend 21 Jahre alt wird.

Ein bisschen Erholung kann er tatsächlich gut gebrauchen. Kein anderer Profi aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) hat in dieser Saison so viele Partien absolviert wie Müller. Neben 19 in der Liga stehen acht in der Champions Hockey League und drei beim Deutschland Cup mit der Nationalmannschaft in der Statistik. 30 Pflichtspiele seit Mitte August sind das. „Aber kaputt fühle ich mich nicht“, so Müller. Die Kraft der Jugend spricht aus ihm.

Als einziger Berlin bei Sturm

Wie wurde das Verteidiger-Talent plötzlich zum Vielspieler? „Kann sein, dass ich das relativ gut mache“, sagt er. Genau das hat ihm vor zwei Wochen erst Bundestrainer Marco Sturm bescheinigt. Beim Deutschland Cup sollte er eigentlich nur zwei Partien bestreiten, doch Müller sagte nicht nein, als Sturm ihm auch die dritte anbot. „Das ist gut für ihn, und er hat den Job gut erledigt“, findet Eisbären-Trainer Krupp, der einzig den jungen Müller für das deutsche Team abstellen musste.

In der vierten Saison läuft der Verteidiger für den EHC auf, mittlerweile im Status eines Stammspielers. Seine Aufgaben löst er immer souveräner, mit ein paar Defiziten zwar, aber Müller befindet sich schließlich noch in der Ausbildungsphase. Gerade im Sommer kommt das zum Tragen, da war er in Los Angeles in einem Camp des NHL-Klubs LA Kings. Außerdem durften die jungen Berliner nach Finnland: „Dort konnten wir viel dazulernen was die Schnellkraft in den Beinen angeht. In Los Angeles ging es um Zweikämpfe und darum, wie man richtig mit dem Schläger umgeht und den Puck abschirmt.“ Dafür bleibt im Ligabetrieb kaum Zeit.

Müller half es, sich weiterzuentwickeln. Für sein Alter wirkt er recht reif auf dem Eis, bringt Kampfgeist und Ehrgeiz in das Team, gehört läuferisch zu denen, die am meisten investieren. „Ich bewege mich viel und versuche, damit die anderen ein bisschen mitzuziehen“, sagt er und zeigt damit eine Menge Verantwortung für jemanden, der hauptsächlich noch als Talent gilt.

Hoffnung für das System

Für ihre Arbeit mit jungen Spielern rühmen sich die Berliner seit vielen Jahren, in der Spitze kam in letzter Zeit allerdings kaum jemand an. Müller, gebürtiger Berliner und in allen Altersklassen bei den Eisbären aktiv gewesen, weckt die Hoffnung, dass der EHC doch noch Spieler produzieren kann, die mal eine überdurchschnittliche Karriere vor sich haben. „Ich will schon Vorbild für die Jüngeren sein, damit die sehen, dass man es schaffen kann“, sagt der Abwehrspieler, für den die Heim-WM im nächsten Jahr ein zusätzlicher Ansporn ist, hart an sich zu arbeiten.

Ansätze, die findet er in seinem Körperspiel, das ihm zu unbeständig ist. Seinen Schuss will er auch verbessern, um im Überzahlspiel eingesetzt zu werden. Wer solche Ziele hat, der kann sich nicht groß mit Partys beschäftigen, der muss sich ausruhen, wenn es geht. Und vielleicht ein bisschen reinfeiern in den 21.