Unweigerlich fiel einem die Situation von vor zwei Monaten ein. Da sprach Don Jackson von einer Berliner Mannschaft, die seinen Münchnern alles abverlangt hätte, und keiner wusste so genau, wie ernst er das meinte. Zwar hatte der EHC Eisbären nur 2:3 gegen Jacksons Mannschaft verloren kurz vor der ersten Länderspielpause der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), doch die Berliner waren indisponiert, ein bisschen hilflos. Es lag wohl an der alten Verbundenheit mit dem Klub, dessen Trainer Jackson sechs Jahre lang war.
Am Sonntag hörte sich Jackson anders an: „Das war beeindruckend, wie die Eisbären gespielt haben“, sagte der US-Amerikaner mit enttäuschtem Gesichtsausdruck. Mit 5:0 (1:0, 2:0, 2:0) gewann der EHC das erste Heimspiel des neuen Jahres. Souverän und mit viel Spielfreude trat das Team von Trainer Uwe Krupp auf. „Das war das erste Mal in dieser Saison, dass wir keine Chance hatten zu gewinnen“, so Jackson. Niemand musste sich diesmal fragen, wie viel Ernsthaftigkeit seinen Aussagen innewohnte.
Sechster Heimsieg in Serie
Für Krupp waren solche Gedanken abwegig, er trainiert die Berliner ja erst seit kurzer Zeit. Für ihn zählte nur, dass sein Team nach dem 1:4 in Krefeld am Freitag ein anderes Gesicht zeigte. „Wir haben uns dort etwas zu billig verkauft. Heute haben wir mit viel Entschlossenheit gespielt und sind viel gelaufen. Die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt“, sagte der 49-Jährige. Dieser Eindruck hatte sich beim sechsten Heimsieg in Serie auch bei den Spielern festgesetzt. „Von der ersten bis zur letzten Minute waren wir unglaublich solide“, sagte Verteidiger Frank Hördler.
Für Jacksons Mannschaft verliefen die vergangenen Wochen nicht einfach. So wie die Berliner häufig in den zurückliegenden Monaten mussten auch die Münchner auf viele Spieler wegen Verletzungen verzichten. Das führte dazu, dass sie den Zweikampf an der Tabellenspitze, den sie sich mit den Adler Mannheim lieferten, vorerst verloren geben mussten. Die Bayern wurden sogar von den Hamburg Freezers passiert in der Tabelle.
Der Abstand auf die Eisbären fühlte sich dennoch komfortabel an. Zehn Zähler waren es vor der Partie. Was für den EHC vor allem unterstrich, dass dieses Spiel eine größere Bedeutung besaß als andere. Schließlich bot es die Gelegenheit, die eigenen Interessen bezüglich eines besseren Abschneidens nach der Hauptrunde klarzustellen. Nahezu uneinholbar davongezogen sind derzeit nämlich nur die Adler.
Anders als das Team von Jackson können die Berliner im Moment mit fast allen Profis antreten, lediglich Matt Foy fehlt wegen einer Rippenprellung. Die unterschiedliche Stärke in der Besetzung zeigte sich auch bei der Präsentation auf dem Eis. „Wir haben umgesetzt, was wir wollten, einfach und in allen drei Zonen sehr strukturiert gespielt“, so Hördler. Weitgehend nach Belieben dominierten die Eisbären, sie benötigten lediglich ein paar Minuten, um das Potenzial der Münchner an diesem Tag genau einzuschätzen. Als das erledigt war, begaben sich die Berliner vor 14.200 Zuschauern in der ausverkauften O2 World zielstrebig vor das Tor von Florian Hardy und deckten diesen mit reichlich Arbeit ein. Die anfangs noch gut am Mann postierten Gäste verloren ob des Tempos der Eisbären ihre Gegenspieler immer wieder aus den Augen.
Zunächst dosierte Krupps Team sein Offensivvermögen noch, tastete sich ran, wobei die Chancen immer klarer wurden. Marcel Noebels (9.) und Mark Bell (11.) waren bereits kurz davor, die Führung zu erzielen. Jim Sharrow, der einen Schuss abgefälscht hatte, tat dies dann (14.). Immer wieder gelang es den Eisbären, die Pucks frühzeitig abzufangen, Angriffe des Gegners so gar nicht erst entstehen zu lassen und selbst gefährlich zu werden. „Für München war es sehr anstrengend, weil wir sie immer unter Druck gesetzt haben“, sagte Hördler, der das 2:0 in Unterzahl erzielte (32.). Auch Petr Pohl (37.), Casey Borer (46.) und Darin Olver (57.) trafen.
Abwehrspieler sind gefährlicher
Auffällig war, dass in Sharrow, Hördler und Borer gleich drei Abwehrspieler etwas zum Ergebnis beitrugen. Seit Krupp die Mannschaft übernommen hat, kommt die Defensivabteilung allgemein deutlich häufiger zu Torerfolgen als zuvor. Das hat mit der leichten Systemanpassung zu tun, die Krupp vorgenommen hat. Einer der drei Stürmer lässt sich jetzt beim Forechecking weiter in die Mittelzone zurückfallen. „Das schafft Raum, in den wir reingehen und auf das Tor schießen können“, sagte Hördler.
Trotz der wichtigen Punkte im Kampf um eine gute Ausgangsposition für das Play-off wollte Krupp dem Spiel, das mit dem dritten Shoutout für Torhüter Petri Vehanen endete, nicht zuviel Bedeutung beimessen: „Heute können wir das genießen, aber am Dienstag geht es in Düsseldorf schon wieder weiter.“ Auswärts zeigten sich die Berliner zuletzt weniger solide, verloren zweimal. „In den Heimpartien haben wir mit mehr Power in den entscheidenden Momenten gespielt“, sagte Krupp, der nun auch wieder auf fremden Eis Spiele wie gegen München sehen möchte.


