Eishockey

Eisbären haben gelernt, für Siege wieder zu malochen

Die Fans der Berliner waren verwöhnt vom spielerischen Glanz ihres Teams. Doch die Konkurrenz hat aufgeholt.

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Analysen von Spielen wiederholen sich irgendwann. Der eine ist dann stolz auf die Mannschaft. Der andere hat im Torhüter oder im Über- und Unterzahlspiel den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausmachen können. Der nächste findet, dass sein Team den Preis nicht bezahlt hätte. Das alles war auch bei den Berliner Eisbären schon zu hören, besonders häufig, viel öfter als in früheren Jahren wird in dieser Saison beim Titelverteidiger allerdings von Arbeit gesprochen.

Das kann sich dann so anhören wie am Sonntag, nachdem die Eisbären die Hamburg Freezers mit 2:0 geschlagen hatten. „Wir haben über 60 Minuten hart gearbeitet“, erzählte Verteidiger Constantin Braun. Oder es hört sich so an: „Wir haben noch viel zu arbeiten.“ Das sagte Manager Peter John Lee, er hat den Spruch schon reichlich verwendet, betet ihn wie ein Mantra runter. Hinführen soll die Arbeit die Berliner zu ihrem Niveau, zu dem, das sie früher einmal hatten.

Zeiten des uneingeschränkten Herrschens sind vorbei

Die Einstufung der Eisbären hat sich gewandelt in dieser Saison. Sie waren mal die uneingeschränkten Herrscher der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), eine Truppe, die in Höchstgeschwindigkeit ihre Kombinationen aufs Eis zauberte, die mit spielerischer Leichtigkeit ihre Gegner schlecht aussehen ließ. Die Berliner waren die Künstler in ihrer Liga. Jetzt definieren sie sich nur noch über Arbeit. Was grundsätzlich nicht schlimm ist, aber es lässt sie aus der Masse der Liga nicht mehr hervortreten. Ein Klub wie jeder andere, das sind die Eisbären im Januar 2013.

Selbst den Spielern, deren Wahrnehmung ihrer Leistung nicht immer ganz der Beobachtung von außen entspricht, bleibt das nicht verborgen. „Die Zeiten, dass wir dominiert haben, sind vorbei“, sagt Stürmer Florian Busch, „wir müssen anerkennen, dass die anderen aufgeholt haben.“ Sicher sind die anderen näher gekommen, haben ihren Stil angepasst, spielen schneller, offensiver. Selbst aber haben die Berliner ein paar Schritte nach hinten gemacht. Der Verlust von wichtigen Spielern und mäßige Transfers sind die Ursache. „Es ist uns in dieser Saison noch nicht so oft gelungen, die früheren Spieler zu ersetzen“, sagt Verteidiger Jens Baxmann.

Vor dem Tor fehlt es oft an Effektivität

Probleme haben auch andere, in der nordamerikanischen NHL kommen Claude Giroux und Daniel Briere, die den Lockout bei den Eisbären verbrachten und so das Element der großen Eishockeykunst in dieser Saison nicht ganz ausfallen ließen, mit den Philadelphia Flyers nur schwer in die Gänge und verloren bereits das vierte von sechs Spielen. Doch selbst ohne die beiden gibt es noch einige Profis im EHC-Team, die über Qualitäten verfügen, die den Tabellenvierten spielerisch von den meisten anderen Teams abheben können. Busch etwa gehört dazu. Bei ihm hat jedoch hat genau wie bei seinen Reihenkollegen Darin Olver und Barry Tallackson die Effektivität nachgelassen. „Direkt vor dem Tor machen wir zu wenig. Wir sind zu verspielt“, sagt er. Und: „Da müssen wir an uns arbeiten.“ Gegen Hamburg funktionierte es schon besser, Buschs harter Pass vor das Tor führte zum 2:0 durch Mark Katic. Das sah sogar gut aus.

Da Talent noch immer vorhanden ist in der Mannschaft, kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch bald wieder zu sehen ist. Spiele wie das gegen Hamburg, das mit ehrlicher Arbeit und hartem Kampf gewonnen wurde, können Sicherheit geben. „Das war ein guter Schritt“, sagt Florian Busch. Mit ein paar weiteren solcher Schritte ist vielleicht auch wieder weniger Eishockey-Arbeiten notwendig und dafür die Annäherung an das schöne Spiel möglich, das die Berliner über Jahre hervorgehoben hat in der DEL.