Eishockey

EHC Eisbären unterliegt Ice Tigers beim „Winter Game“

Die 3:4-Niederlage war fast schon Nebensache. Trotz Dauernieselregens sorgten die Zuschauer bei dem Open-Air-Spiel für Gänsehautatmosphäre.

Sie mussten ein bisschen warten, denn es war kein Puck da. Und ohne Puck kann man nun mal kein Eishockey spielen. Normalerweise liegt das offizielle Spielgerät in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Kampfrichtern.

Diesmal aber nicht, es war ja auch kein simples DEL-Spiel. Darum kam der Puck ausnahmsweise – ganz ausgefallen – per Bote; er überreichte ihn in einem Paket an Schiedsrichter Lars Brüggemann, und als dieser ihn ausgepackt hatte, konnte die Rekordpartie endlich starten. Vor 50.000 Zuschauern unter freiem Himmel.

Einige der Besucher in der ausverkauften Nürnberger Arena, Anhänger der Nürnberg Ice Tigers, des EHC Eisbären oder einfach nur Eishockey-Fans, standen da schon seit mehr als drei Stunden auf den Rängen.

So üppig hatten die Veranstalter das Vorprogramm bestückt; ein DJ trat auf, Bands spielten live, ein Spiel mit Stars von früher gab es auch. Als alles vorüber war, als die Franken die Berliner mit 4:3 (0:0, 1:1, 3:2) geschlagen hatten, hatten die meisten dann sechs Stunden an der frischen Luft abbekommen.

Bestbesuchtes Ligaspiel

Die Plusgrade in Nürnberg machten die Länge des Nachmittags erträglich. Ohnehin wusste jeder, worauf er sich einlässt, wenn er das erste „Winter Game“ der DEL besucht, ein Spiel in einem Fußballstadion. Es gab also niemanden, der quengelte.

Dafür waren viele freudige Gesichter zu sehen, die es einfach genossen, Teil dieses größten Events zu sein, welches die DEL je erlebt hat und das zugleich das bestbesuchte Ligaspiel in Europa war. „Das war eine tolle Sache, ein sehr schönes Erlebnis“, sagte Ex-Bundestrainer Hans Zach.

Für die Profis auf dem Eis spielte die Temperatur sowieso nur eine untergeordnete Rolle. Viele beherrschte vor dem Spiel vielmehr eine Frage: Wird es regnen oder nicht? Schon beim Aufstehen in Nürnberg sahen sie dann in einen trüben Himmel. Es regnete, nicht sehr heftig zwar, aber eben doch kontinuierlich.

Keine schönen Bedingungen. „Du musst hart passen, soft geht gar nix“, sagte Eisbären-Stürmer Florian Busch schon beim Warmlaufen zu seinem Kollegen Constantin Braun. Der Nieselregen machte das Eis rau, weil das Wasser tröpfchenweise anfror. Das machte wiederum den Puck langsam, er hüpfte auch viel, stellte sich auf, versprang an den Schlägern. Diese waren überdies glitschig.

Das Wetter forderte ein einfaches Spiel

Für Künstler kein Wohlfühlklima, Pässe ließen sich nur schwer sauber spielen. „Man muss sich komplett umstellen“, sagte EHC-Kapitän André Rankel. Einfach spielen, das war das, was das Wetter erforderte.

Schlicht war auch die Choreografie, die im Stadion vor Spielbeginn aufgeführt wurde. Weiße Blätter hielt das Publikum in die Luft, Nürnberg in Weiß, passend zum Winter also. Auch wenn der momentan nur zu erahnen ist. Don Jackson, der Trainer der Eisbären, trug an der Bande dennoch eine Mütze. Einige Spieler sahen ebenfalls nicht so aus wie sonst, sie hatten sich Schuhcreme unter die Augen geschmiert, um sich vor den Reflexionen der Lichtanlage zu schützen.

Mit der ungewohnten Umgebung hatten beide Mannschaften ihre Probleme, das Spiel war lange mehr ein Abtasten. Eine gute halbe Stunde passierte dann auch nur wenig. Gut für die Zuschauer, die weit weg auf den obersten Rängen der umfunktionierten Fußballarena saßen, denn sie verpassten nicht viel.

Die Großbildleinwände, die extra dafür installiert worden waren, um dieses Sichtproblem zu mildern, wurden aber noch wichtig. Als sich die Spieler nämlich mit den Bedingungen arrangiert hatten, wurde es rasanter – und auch entgegen der Erwartungen nach der ersten Spielhälfte recht torreich.

Dabei holten die Eisbären zweimal einen Rückstand auf, erst glich Florian Busch zum 1:1 aus (40.), dann traf André Rankel zum 2:2 (43.). Als die Nürnberger durch Patrick Reimer, der EHC-Torhüter Rob Zepp von hinten angeschossen hatte (47.), und Jason Jaspers (56.) eine Zwei-Tore-Führung herausspielten, war die Entscheidung gefallen. Erst Sekunden vor dem Ende gelang Travis James Mulock der Anschluss (60.).

Damit blieben die Berliner zum ersten Mal nach fünf Partien wieder ohne Punkte, die Lücke zum Spitzenquartett konnte nicht geschlossen werden. „Das war eine bittere Niederlage, wir haben ein wichtiges Spiel verloren“, sagte EHC-Verteidiger Braun. Teil dieses Events gewesen zu sein, daran konnte sich der Nationalspieler in diesem Augenblick nicht erfreuen: „Das kommt erst mit etwas Abstand.“

Müde vom großen Rummel

Das ganze Drumherum um dieses Mega-Ereignis hat bei dem Berliner einige Spuren hinterlassen, er war das Gesicht einer Werbekampagne. „Der ganze Rummel war ein bisschen viel. Noch mal brauche ich das nicht“, sagte Braun. Er muss sich kaum Sorgen machen. Sollte das „Winter Game“ eine Wiederholung erfahren, würden sicher andere Teams berücksichtig werden, nachdem die Berliner bei der Premiere dabei sein durften.

Dafür musste der Meister auch ein Handicap in Kauf nehmen. Nach der Partie am Sonnabend folgt heute sofort das nächste Spiel bei den Hannover Scorpions, die einen Tag Pause hatten. „Wichtig ist, dass wir gleich wieder in die Erfolgsspur zurückkommen“, sagte Verteidiger Frank Hördler: „Aber das wird schwer.“ Den Gastgebern bleibt immerhin die Reise erspart, sie ziehen aus dem Fußballstadion wieder in ihre nur wenige Meter entfernte Eishalle. Dort empfangen die Ice Tigers den Tabellenführer aus Mannheim. Der Puck liegt dann wieder ganz normal beim Kampfgericht.