Eishockey

In der Defensive stehen die Eisbären vor einem Problem

Viele Abgänge und wenige sowie riskante Neu-Verpflichtungen – das ist die Bilanz der Eisbären zur Saisonvorbereitung.

Foto: City-Press

Es sollte das erste gemeinsame Mannschaftstraining nach gut drei Monaten Sommerpause sein. So wurde es zumindest angekündigt. Doch einer fehlte, selbst nach längerem Hinsehen ward er nicht entdeckt, dabei ist Don Jackson, Trainer des EHC Eisbären und ein kräftiger Mann, nun wirklich nicht zu übersehen. Schon komisch, so eine erste gemeinsame Einheit auf dem Eis ohne den Chef.

Verpasst hat er den Termin nicht, der US-Amerikaner saß in der Kabine des deutschen Eishockeymeisters. Er bereitete eine Teamsitzung zwischen den beiden Trainingsrunden vor. Einmal aber kam er heraus, um nach dem Rechten zu sehen. Empfangen wurde er von den Umstehenden, es hatten sich reichlich Fans eingefunden, mit der Frage nach dem Befinden. „Ich fühle mich frisch“, sagte der 55-Jährige mit einem breiten Grinsen. Die Mannschaft sei auch frisch, dann merkte er noch an, dass die Spieler nun dringend Fitness bräuchten. Deren Frische-Reservoir wird also schnell angegriffen werden.

Zur Form müssen die Berliner allerdings auch umgehend finden, schon in gut einer Woche bestreiten sie die ersten Pflichtspiele. In der European Trophy treffen sie auf Pilsen (17.8., 19.30 Uhr, O2World) und Brünn (19.8., 16.30 Uhr, O2-World). Diesmal würden die Berliner gern das Endturnier erreichen und nicht wie im Vorjahr in der Gruppenphase auf der Strecke bleiben.

Vage Personalpolitik

Die Partien gegen die tschechischen Klubs bieten den Fans gleich früh die Gelegenheit, sich ein Bild von den neuen Spielern zu machen. Drei davon haben die Eisbären, die im April den sechsten Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gewannen. Neben Ersatz-Torhüter Sebastian Elwing sind das Matt Foy und Mark Katic, zwei Kanadier, ein Stürmer und ein Verteidiger. Es scheint, als würden es nicht die letzten Zugänge des Titelverteidigers bleiben.

Wenige Veränderungen im Kader waren in den vergangenen Jahren immer das Markenzeichen der Berliner, es hob sie ab vom Rest der Liga, machte ihre Stärke aus. Insofern fügen sich die bislang geringen Aktivitäten von Manager Peter John Lee in den Rahmen. Dennoch erscheint die Personalpolitik derzeit sehr vage. Über Spieler wie Stefan Ustorf (38/Schädeltrauma) und Denis Pederson (36/Kreuzbandriss), die lange verletzt waren und wohl nicht zurückkehren werden, gibt es keine klaren Aussagen. Auch Sven Felskis (37) Verbleib ist fraglich. Zuletzt löste Verteidiger Nick Angell seinen Vertrag aus privaten Gründen auf. Insgesamt könnte sich die Liste auf sieben Abgänge summieren, darunter Top-Verteidiger Richie Regehr. Ein großer Aderlass.

In der Defensive stehen die Eisbären augenscheinlich vor einem Problem. „Wir haben jetzt keinen Rechtsschützen mehr ohne Nick und Richie“, sagt Trainer Jackson. Im Überzahlspiel fehlen damit wichtige Faktoren. Überhaupt ist es um die Offensivkraft von der Blauen Linie schlecht bestellt. Zwar soll Katic dort einspringen, „Mark ist ein guter Schlittschuhläufer, der vor allem offensive Stärken besitzt“, sagt Lee. Aber er ist erst 23 Jahre alt und war vergangene Saison fast komplett verletzt. Er wird Zeit brauchen. Dass Constantin Braun nach einer Knöchel-Operation bis Oktober ausfällt, macht die Sache nicht leichter für Jackson. „Wir bräuchten schon noch einen erfahrenen Rechtsschützen“, sagt er. Ansonsten steht Jackson mit einer verdammt jungen Abwehr da, in der die drei Ältesten 27 Jahre alt sind und der Rest meist weit unter 25 liegt.

DEL-Start gegen Straubing

Weniger kompliziert ist die Lage im Angriff, Ustorf und Pederson mussten schon in der Vorsaison ersetzt werden. Ob Foy, der 56 Einsätze in der NHL hat, aber die Erwartungen erfüllen kann, erscheint fraglich. Von den vergangenen drei Jahren war er zwei fast vollständig verletzt. „Aber er will auf das Level zurück, das ihm ermöglichte, in der NHL zu spielen“, sagt Lee. Zumindest hat ihm die vergangene Saison „viel Selbstvertrauen gegeben und mir gezeigt, dass ich es noch kann“, so Foy. Aber das war in der Dritten Liga.

Überzeugend wirkt das Transfergehabe des Meisters, der am 14. September gegen Straubing in die DEL startet, bisher also kaum. Die Devise von Don Jackson gilt dennoch ohne Einschränkungen. „Wir müssen wieder hungrig sein und Spaß haben“, sagte der Trainer – und kam später auch aufs Eis.