Eishockey

Mutter der Eisbären gewinnt Stanley Cup

Die Los Angeles Kings sind, genau wie der EHC, in Besitz von US-Milliardär Anschutz. Erstmals triumphiert die Mannschaft im Stanley Cup.

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Die Zweigstelle in Berlin hat ihm schon oft Freude gemacht. Seit US-Milliardär Philip Anschutz sich des Ostberliner Kellerkinds angenommen hat, sind die Eisbären nicht nur erfolgreich in die prachtvolle O* World gezogen, sondern auch zu einem Hochglanzteam geworden, das in acht Jahren sechs Meisterschaften gewann. Der Abend des 11. Juni 2012 dürfte Anschutz' Stolz über den EHC noch toppen, denn da wurde auch die Mutter seines Eishockey-Imperiums Meister. Seine Los Angeles Kings sind erstmals Champions der National Hockey League (NHL), gewannen nach 45 Jahren des Wartens endlich den Stanley Cup.

"Go-Kings-Go-Emails" nach Los Angeles

„Wir haben öfter darüber gesprochen und ich weiß, wie viel ihm das bedeutet“, sagt Eisbären-Manager Peter-John Lee. „Wir haben jeden Tag ‚Go-Kings-Go-Emails' nach Los Angeles geschickt. Ist doch klar, dass wir hier in Berlin alle mitgefiebert haben.“

Man kann ermessen, wie viel dieser Triumph seinem 72-jährigen Boss bedeutet, wenn man sich erinnert, dass sein Engagement im Eishockey einst in Los Angeles begann, erzählt Lee.

Anschutz kaufte die Kings, die 1967 gegründet worden waren, zusammen mit Edward P. Roski im Oktober 1995 aus einem Insolvenzverfahren. In kleinen Schritten begann der Neuanfang, der immer wieder von Rückschlägen begleitet wurde und bis dato nie zum großen Coup, dem Gewinn des Stanley Cups führte.

Nur 14 Spiele in den Best-of-Seven-Serien

Am Montagabend aber war das Warten endlich vorbei. Und so wunderte es auch niemanden der 18.858 Zuschauer im Staples Center, dass Kapitän Dustin Brown schon fast im Vorbeifahren dem NHL-Commissioner Gary Bettman den traditionsreichen Pokal nahezu entriss, zum Mittelkreis eilte und den 17 Kilo schweren und fast einen Meter hohen Koloss in die Luft streckte. Er ist erst der zweite US-Amerikaner in der NHL-Geschichte, der ein Team zum Stanley-Cup führte. Brown hat zudem vollbracht, was selbst dem legendären Wayne Gretzky in seinen acht Jahren in Los Angeles nicht gelungen war.

Ein großer Moment, zumal es die Hälfte der Saison über so aussah, als würde auch für Brown der Stanley Cup ein Lebenstraum bleiben. Die Kings hatten sich erst im allerletzten Moment, am 81. Spieltag, auf den achten Platz der Western Conference, der überhaupt erst zur Play-off-Teilnahme berechtigt, schieben können. Zuvor war der zu defensiv orientierte Coach Terry Murray kurz vor Weihnachten durch Darryl Sutter ersetzt worden. Ende Februar wussten die Kings dann auch plötzlich, wo das gegnerische Tor steht. Was dann nach Erreichen des Achtelfinales folgte, erscheint nahezu unglaublich. Sie benötigten in den Best-of-Seven-Serien nur 14 Spiele, um die drei besten Teams des Westens zu schlagen. In der ersten Runde ein 4:1 gegen die Vancouver Canucks, in der zweiten 4:0 gegen die St. Louis Blues und im Conference-Finale ein 4:1 gegen die Phoenix Coyotes. Dann folgte die Krönung gegen das beste Team aus dem Osten.

1,41 Gegentore: ein NHL-Rekord

Los Angeles führte in der Serie gegen die New Jersey Devils bereits mit 3:0, ließ dann aber zu, dass das Team von der Ostküste beinahe Geschichte schrieb. Seit 1945 war es keinem Team, das 0:3 zurück lag, gelungen, ein sechstes Spiel zu erzwingen. Die Devils schafften genau das. Ihre Träume von einer noch größeren Sensation endeten dann aber am Montag im Staples Center, wo nach dem 4:0 durch Jeff Carter (22.) schon zu Beginn des zweiten Drittels die Meisterschaftsparty verhalten begann.

„Wenn du mit vier Toren führst, kannst du kaum etwas dagegen tun, dass deine Gedanken anfangen zu wandern“, gestand der sonst so ruhige und fokussierte Torhüter der Kings, Jonathan Quick, der zum „wertvollsten Spieler des Play-off“ (MVP) gekürt wurde. „In diesem Moment atmest du dann einmal tief durch und sagst dir, ja, es wird passieren.“ Quick hatte am Ende gerade mal 29 Tore in den 20 Play-off-Spielen kassiert und ließ den Puck nur noch einmal passieren. Die Kings gewannen am Ende 6:1 und die Serie mit 4:2. Quick wehrte im gesamten Play-off 94,6 Prozent aller Schüsse ab und ließ 1,41 Gegentore pro Spiel zu, ein NHL-Rekord.

Legende Brodeur gratuliert

Es wird Quick besonders gefreut haben, dass sein Gegenüber, der große Martin Brodeur, ihm noch auf dem Eis als Erster gratulierte. Brodeur hütet seit 21 Jahren das Tor der New Jersey Devils, gewann dreimal den Stanley Cup, Olympisches Gold und zwei Hände reichen nicht aus, seine Ehrungen aufzuzählen. „Ich habe ihm gratuliert, weil er es verdient hat, den Stanley Cup zu gewinnen“, sagte Brodeur, inzwischen 40 Jahre alt. „Ich habe versucht, ihm zu sagen, wie wichtig es ist, diesen Moment zu genießen. Du weißt nie, ob du ihn noch mal erlebst. Eines ist sicher, vor ihm liegt ein großartiger Sommer.“

Meistertrainer Sutter steht in Sachen Zurückhaltung dem Ausnahme-Torhüter kaum nach. „Es ist toll, die Jungs so glücklich zu sehen, sie haben alle hart dafür gearbeitet“, sagte er. „Und du stehst mitten im Trubel und denkst gleich, sie sind alle jung genug, es noch einmal schaffen zu können.“

Ein arbeitsreicher Sommer

Was Anschutz natürlich recht wäre. Der Eisbären- und Kings-Eigner hatte übrigens schon zur Mitte des Play-offs seiner Kings ein gutes Gefühl. „Schick jetzt mal bald die Größen für eure Meisterschaftsringe“, hatte er zu Lee am Telefon gesagt. „Es könnte ein arbeitsreicher Sommer werden.“ Anschutz lag richtig. Der Auftrag an den Juwelier seines Vertrauens hat sich nun verdoppelt.