Eisbären

Constantin Braun mag Bösewichte lieber als Superhelden

Tattoos sind die große Leidenschaft des Berliner Eisbären. Im Interview spricht er über die Körperkunst und das anstehende DEL-Finale.

Foto: City-Press

Geboren wurde Constantin Braun vor 24 Jahren in Lampertheim. Das liegt nur 20 Kilometer von Mannheim entfernt. Dort, beim Klub mit dem Adler als Symbol, lernte er das Eishockeyspielen. Perfektioniert hat er es aber in Berlin, wo er für die Eisbären verteidigt. Im Halbfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) steuerte er zwei Treffer und eine Vorlage zum Einzug des Titelverteidigers in die Endrunde bei. Jetzt kommt es zum Duell von Brauns Vergangenheit und seiner Gegenwart. Morgenpost Online sprach mit dem Abwehrspieler über dieses Finale, aber auch über seine zweite Leidenschaft – Tattoos.

Morgenpost Online: Herr Braun, sind bei Ihnen oder Ihrem Bruder Laurin, der auch bei den Eisbären spielt, schon Kartenbestellungen für die Partie in Mannheim eingegangen?

Constantin Braun: Bis jetzt noch nicht, aber das kann noch kommen. Manchmal besorgt sich die Familie aber auch selbst die Karten, wenn wir dort spielen.

Morgenpost Online: Im Eishockey treffen sich Kontrahenten ziemlich oft wieder, gegen Mannheim spielen die Eisbären sogar am häufigsten. Kann dieses Duell da noch einen besonderen Reiz ausüben?

Constantin Braun: Ich habe in meinem Leben nur für diese beiden Klubs gespielt, in Mannheim allerdings nur im Nachwuchs. Natürlich ist es mein Heimatklub, doch ich lebe seit acht Jahren in Berlin, bin kaum noch dort unten. Inzwischen ist es mehr so, dass ich wie jeder andere bei uns heiß bin, gegen Mannheim zu spielen, weil es einfach einer der besten Klubs ist, einer der härtesten Gegner.

Morgenpost Online: Einer, gegen den es Spaß macht zu spielen, der einem aber auch Schmerzen zufügen kann. Spaß und Schmerz, diese Kombination spielt bei Ihnen sowieso eine große Rolle.

Constantin Braun: Wenn Sie die Tattoos meinen, dann ja.

Morgenpost Online: Was fasziniert Sie so daran?

Constantin Braun: Ich fand das immer eine coole Sache. Früher schon mochte ich die Bösewichte mit Tattoos im Fernsehen mehr als die Superhelden. Mit gefällt diese Kunstform.

Morgenpost Online: Man sieht es, so wahnsinnig viel Platz ist ja nicht mehr auf der Haut.

Constantin Braun: Irgendwann wird es immer mehr, das ist wie eine Sucht bei mir. Obwohl es an manchen Stellen höllisch wehtut.

Morgenpost Online: Wo denn?

Constantin Braun: Also von den Zehen kann ich nur abraten, das was war bislang das Schlimmste. Auch die Rippen sollen verdammt wehtun, deshalb ziere ich mich noch davor.

Morgenpost Online: Müssen Sie sich oft mit dem Thema Tattoos auseinandersetzen, wenn Sie draußen herumlaufen?

Constantin Braun: Tattoos sind mittlerweile in der Gesellschaft relativ gut akzeptiert, halbe Bundesliga-Teams zutätowiert. Als ich angefangen habe, war es gerade so im Kommen, aber eben auch immer noch ein bisschen asozial. Mir gefällt der Trend, dass es sich weiter verbreitet. Aber ich würde auch so zu dem stehen, was ich auf dem Körper trage. Nur reden möchte ich nicht mehr viel darüber, das habe ich schon oft genug.

Morgenpost Online: Dann danke für die Ausnahme. Sind Tattoos für Sie mehr als nur eine Mode?

Constantin Braun: Ich würde das als eine Subkultur bezeichnen, weil Leute mit Tattoos sich viel mit tätowierten Leuten umgeben. Ich sehe mich selbst aber weniger darin verhaftet. Früher war ich auch mal auf einer Convention, in kleinerem Kreis noch, eher in der Rockabilly-Szene. Auch ist meine Frau stark tätowiert, trotzdem haben wir uns unabhängig davon kennengelernt. Genauso habe ich Freunde ohne Tattoos. Ich will mich einfach keiner Schiene oder Szene anschließen, weil es in jeder Kultur so viel Schönes und Interessantes gibt; ich will nichts verpassen, nur weil ich mich einenge in meinem Denken.

Morgenpost Online: Woher nehmen Sie Ihre Ideen für Motive?

Constantin Braun: Mit meiner Frau rede ich schon öfter darüber, was man machen könnte und wohin. Manches ergibt sich auch einfach. Zum Beispiel habe ich mit einem Clown auf meinem linken Arm angefangen, jetzt ist er voll mit verschiedenen Clowns, einem bösen, einem lustigen.

Morgenpost Online: Steckt hinter jedem Tattoo eine Geschichte?

Constantin Braun: Nicht immer, aber ich kann zu jedem eine Geschichte erzählen. Alles hat irgendwie eine Bedeutung, manchmal kommt die aber auch erst mit der Zeit.

Morgenpost Online: Was sind denn Dinge, die von Anfang an eine Geschichte hatten?

Constantin Braun: Auf dem Oberschenkel trage ich ein Pin-up-Bild, denn das ist die erste Erinnerung an meine Frau, weil ich sie so verkleidet auf einer Party kennengelernt habe. Auf dem Fuß habe ich eine Rose für meine Tochter Rosa.

Morgenpost Online: Wie findet Sie denn die ganze Körperkunst?

Constantin Braun: Sie reibt von Zeit zu Zeit daran und will es abwaschen, weil sie denkt, der Papa ist dreckig.

Morgenpost Online: Ihr Bruder Laurin fängt ja auch langsam mit den Tattoos an, die Sucht überträgt sich. Wie weit wollen Sie das denn noch treiben?

Constantin Braun: Selbst wenn es irgendwann nicht mehr im Trend sein sollte, mein Plan sieht vor, dass mein Körper irgendwann zu ist. Bis auf Gesicht, Hals und Hände, denn ich muss ja auch nach dem Sport noch was machen. Ich möchte im Anzug dastehen können, ohne dass es gleich jeder sieht.