DEL

Berlin und Mannheim kämpfen um Vorherrschaft im Eishockey

Showdown: Für die Eisbären geht es in der Endspielserie gegen Mannheim um den Titel als DEL-Rekordmeister.

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Florian Buschs Tweetrate stieg auf ein beachtliches Niveau. Eigentlich lässt es der Stürmer der Eisbären Berlin bei Twitter eher ruhig angehen, aber die etlichen Fragen zu seiner Gesundheit verlangten nach Antworten; selbst Berlins Tennisstar Sabine Lisicki hatte die Sorge erfasst. „Schädel brummt, Lippe wurde genäht“, schrieb Busch der mitfühlenden Gefolgschaft in mehreren Variationen. Ein paar lockere Zähne verschwieg er dabei.

Der Schmerz danach war Buschs ganz persönliches Andenken an das Halbfinale in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Straubing Tigers. Deren entnervter Torhüter Barry Brust hatte ihm beim Torjubel brutal seinen Schläger ins Gesicht gerammt. Ein grausiger Abschluss der Saison für den Außenseiter, der viele so angenehm überrascht hatte. Vielleicht sogar einer mit Konsequenzen für Busch, ob er ab Sonntag im Finale gegen die Adler Mannheim (14.30 Uhr, O2 World und Sky live), die sich wie die Berliner mit 3:1 in ihrer Serie gegen den ERC Ingolstadt durchsetzten, dabei sein kann, werden erst die nächsten Tage zeigen. Es muss geklärt werden, ob Busch nicht noch eine Gehirnerschütterung erlitten hat.

Klubs mit dem meisten Geld

Diese Endrunde zu verpassen wäre bitter für den Angreifer, ist es doch das Duell, das viele sich gewünscht hatten, der Showdown der beiden Rekordmeister der DEL (je fünf Titel), das Duell der Giganten, der Klubs mit dem meisten Geld in der Liga. „Das ist die optimale Konstellation“, findet EHC-Manager Peter John Lee. Mannheims Kapitän Marcus Kink sagt: „Das wird ein Schmankerl für das deutsche Eishockey. Super-Arenen, Super-Fans, Super-Sport!“ Schlicht ein Traumfinale, an dessen Ende einer allein die Bestmarke hält.

Für Mannheim bedeutet diese Serie jedoch mehr als nur den Rekord. Die Adler konnten sich lange mit diesem Zusatz schmücken, ebenso lange mussten sie zuschauen, wie ihnen die Berliner den Rang abliefen. Mit den Jahren erwuchs eine besondere Rivalität. Während dieser Saison erklärten die Adler die Eisbären sogar per Videotrailer zum Feindbild. Beim letzten Aufeinandertreffen im Play-off gab es viele böse Worte – wegen des harten Mannheimer Spiels. Kein anderes Team löst beim EHC-Publikum solche Emotionen aus wie die Adler, gegen die die Berliner so oft gespielt haben wie gegen niemand sonst (91 Spiele, 43 Siege, 2 Unentschieden, 46 Niederlagen). Jetzt wollen die Mannheimer den Berlinern endlich wieder auf Augenhöhe gegenübertreten.

Mannheim und Berlin haben die Liga geprägt, die einen früher, die anderen später. Sie taten es auf sehr unterschiedliche Weisen, die Adler setzten viel Geld ein, die Berliner bauten auf Nachhaltigkeit. Mit jungen Spielern, die sie selbst in die DEL geführt haben, entwickelten sie langsam ein Team, in dem sich personell nur wenig veränderte. Die Zeit zeigte, dass dieser Ansatz derjenige mit dem größeren Potenzial war. Mannheim kam trotz Rekordausgaben und ständig wechselnden Teams nicht mehr hinterher. Während die Berliner Titel sammelten, erlebten die Adler nach der Meisterschaft 2007 ihre schwächste Periode in der DEL mit nur einer Halbfinalteilnahme in vier Jahren.

Änderung der Arbeitsweise

So ging es nicht weiter, nicht bei diesem Klub, nicht mit diesem Selbstverständnis. „Es war nötig, einiges zu ändern“, sagt Teal Fowler, der Manager. Die Führungsebene hinterfragte, ob alles noch zeitgemäß war, ob nicht die Orientierung an den Berlinern sinnvoller wäre. Über junge Spieler verfügt schließlich kein anderer DEL-Klub in so hohem Maß wie Mannheim. Der intensiven Ausbildungsarbeit der Adler bringen auch die Berliner größten Respekt entgegen. Sie spielten ja auch zeitweise mit mehr Profis aus dem Mannheimer Jugendprogramm im eigenen DEL-Team als die Kurpfälzer selbst.

Von ihren alten Maximen verabschiedeten sich die Adler in den vergangenen beiden Jahren, sie schmeißen ihr Geld nun nicht mehr wahllos umher, nur um die teuersten Profis zu ködern. Sie geben sogar weniger Geld aus. „Wir haben versucht, die besten Spieler für bestimmte Rollen zu finden“, erklärt Fowler. Statt zahlloser Diven tragen nun auch wieder ehrliche Arbeiter das Trikot der Kurpfälzer, der Klub ist authentischer geworden. Auch, weil Trainer Harold Kreis seit Jahren der erste Übungsleiter ist, der das Potenzial des eigenen Nachwuchsprogramms erkannt hat und Spieler von dort integriert. „Das war wichtig für die Fans. Mannheim ist eine Arbeiterstadt. Jetzt können sich die Fans wieder mit der Mannschaft identifizieren“, so Fowler. Bei ihren Anhängern hatten die Adler über die Jahre viel kaputt gemacht, nun sehen die Fans wieder Charakter. Davon besitzt das Team, das ziemlich schnell zu einem harmonischen Gebilde gereift ist, sehr viel. Kreis achtet ungemein auf diese Qualität, mehr als auf die spielerischen Fähigkeiten.

Das hat sich bis nach Berlin herumgesprochen. „Sie haben sich Gedanken gemacht und gehen jetzt intelligenter vor“, sagt EHC-Manager Lee. Trainer Don Jackson sieht die beste Mannheimer Mannschaft seit vielen Jahren auf dem Eis. „Für die Liga ist das ein tolles Finale, zwei der renommiertesten Klubs, die dazu ein hohes Zuschaueraufkommen haben, treffen aufeinander“, sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke.

Vorteile für einen der beiden Kontrahenten lassen sich kaum ausmachen. Dennoch sind die Adler, die sonst nie weniger als den Titel als Ziel ausgegeben haben, demütig geworden. „Die Eisbären sind die Mannschaft, an der sich jeder messen lassen muss. Wir genießen es, dass wir sie herausfordern dürfen“, sagt Fowler. Die Dominanz der Berliner, welche sich mit den Mannheimern auch die Rekordanzahl der Finalteilnahmen teilen (je acht), in den vergangenen Jahren hat tiefen Eindruck hinterlassen. Erst der sechste Titel für die Adler würde sie wieder etwas näher an das alte Selbstbewusstsein heranführen.