Für die BR Volleys beginnt an diesem Sonnabend (18 Uhr, Schmeling-Halle) mit dem Play-off um die deutsche Volleyball-Meisterschaft noch einmal alles bei null. Das erste Viertelfinale nach dem Modus „best of three“ gegen die Netzhoppers KW soll nur der erste Schritt sein zum Gewinn des 16. Meistertitels. Eine erfolgreiche Titelverteidigung soll die bisher enttäuschende Saison des Rekord-Champions vergessen lassen.
Nicht wieder bei null anfangen, sondern viel lieber so weitermachen wie in den vergangenen Monaten, möchte ganz sicher Florian Krage-Brewitz. Der 29-Jährige, der 2024 von den Spacers Toulouse nach Berlin wechselte, hat sich in seinem zweiten Jahr zur großen Konstante im Team herauskristallisiert.
„Flos Entwicklung ist sehr positiv“, lobt ihn Assistenztrainer Markus Steuerwald, „er spielt wirklich, wirklich gut. Ob im Block, wo er sich schnell bewegt, oder im Angriff: Er springt sehr hoch, kann in jede Richtung schlagen, aus guter Situation, aus weniger guter Situation. Dazu ist sein Aufschlag viel gefährlicher, als er aussieht.“
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Krage-Brewitz ist wertvollster Spieler der Saison
Dass er mit seiner Meinung nicht allein steht, zeigte sich jüngst bei einer Wahl der Bundesliga-Cheftrainer, die den ruhigen Norddeutschen zum besten Mittelblocker der Liga kürten. Als wolle er die Richtigkeit beweisen, lieferte Krage-Brewitz im letzten Hauptrundenspiel beim 3:1 in Herrsching eine weitere starke Leistung ab: Mit seinen sieben erfolgreichen Blocks (einem mehr als das gesamte gegnerische Team) sicherte er sich zum vierten Mal in dieser Saison den Titel des MVP, des wertvollsten Spielers.
„Es war für mich ein erfolgreiches Jahr“, sagt der Nationalspieler, „jetzt hoffe ich, dass ich der Mannschaft helfen kann, im Play-off unsere Ziele zu erreichen.“ Er fühlt sich pudelwohl in der verantwortungsvollen Rolle, die er übernommen hat. In der vergangenen Saison hatte sich die Situation noch anders dargestellt, da hatten die Berliner vier fast gleichstarke Mittelblocker auf hohem Niveau, die sich die Spielzeit teilen mussten. Krage-Brewitz schaute öfter zu, als ihm lieb war.
Der Mittelblocker ist diplomierter Wirtschaftsingenieur
Dann verließ Tobias Krick den Verein, der neu verpflichtete Jelle Bosma verletzte sich schwer am Knie und auch der heimliche Anführer der Mannschaft, Nehemiah Mote, quälte sich monatelang mit Blessuren herum. Plötzlich waren von den „fabelhaften Vier“ nur noch Matthew Knigge und Krage-Brewitz da. Der spielte und spielte und spielte immer besser.
„Die Saison war körperlich und mental die anstrengendste, die ich bisher hatte“, sagt er. Die Umstände, die zu seiner Dauerbelastung führten, hätte er sich anders gewünscht. Aber dass er nun zum Anführer gereift ist, genießt der diplomierte Wirtschaftsingenieur sehr: „Es fühlt sich gut an, in einem Verein wie Berlin so viel Verantwortung tragen zu können. Und meinen Teil dazu beizutragen, dass wir in einem Jahr mit vielen Abs auch ein paar Aufs hatten.“
Bei allen Rückschlägen ist die Lage ja nicht aussichtslos. Immerhin haben die BR Volleys ihre vergangenen 23 Spiele in der Bundesliga allesamt gewonnen – auch gegen die größten Titel-Konkurrenten Lüneburg, Friedrichshafen und Düren. Krage-Brewitz findet: „Wenn man sich selbst beweisen möchte, dass man zu Recht hier in diesem Verein spielt, kann man sich jetzt noch mal einen Ruck geben und im Play-off zeigen, was man kann.“ Er selbst tut das schon eine ganze Weile.



