Es sind keine einfachen Tage für die vom Erfolg so verwöhnten BR Volleys. Am vergangenen Sonnabend wurde vor 12.500 Zuschauern in der Mannheimer SAP Arena die SVG Lüneburg deutscher Pokalsieger – dort, wo zuletzt dreimal in Folge die Hauptstädter triumphiert hatten. Diesmal blieb ihnen nur die Zuschauerrolle. Genau wie im Play-off der Champions League, wo sie neun Jahre in Folge Stammgast waren. Doch sie scheiterten in ihrer Vorrundengruppe an Las Palmas und Perugia. Weiter geht es international am Mittwoch (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) und eine Woche darauf in Italien im Viertelfinale des zweitklassigen CEV-Cups gegen Gas Sales Bluenergy Piacenza, ein weiteres Schwergewicht aus dem Land des Weltmeisters.

Gegen den Champions-League-Titelverteidiger Perugia waren die BR Volleys schlicht chancenlos. Dass sie das auch gegen den Tabellenfünften der italienischen SuperLega sind, glaubt Kaweh Niroomand nicht. „Wir haben den härtesten Gegner gekriegt“, findet der Geschäftsführer beim Blick auf die acht Viertelfinalisten zwar, „aber natürlich haben wir eine Chance. Gerade zu Hause. Perugia hat gegen uns den Druck permanent aufrechterhalten, das ist nun mal ihre Klasse. Ob Piacenza das auch so gut kann, wage ich zu bezweifeln.“

Auch interessant

Die BR Volleys müssen auf Mittelblocker Mote verzichten

Für den Manager „ist es kein Beinbruch, im CEV-Pokal zu spielen, das ist ja auch ein lukrativer Wettbewerb“. Außerdem gehöre es zu einer sportlichen Entwicklung dazu, dass es auch mal kleine Stopps gebe. Viel mehr stört ihn, dass seine Mannschaft noch immer nicht konstant genug ihre Leistungsfähigkeit aufs Spielfeld bringt und besonders in Stresssituationen häufig den Kopf verliert. Erschwerend kommt hinzu, dass mit dem verletzten Mittelblocker Nehemiah Mote ein Mann fehlt, dessen Routine und menschliche Art gerade in solchen Momenten gebraucht würden.

Gegen Piacenza sowieso. Das Team aus der Region Emilia-Romagna hat zwar nicht so viele gestandene Stars im Kader wie etwa Klubweltmeister Perugia. Dafür aber aufstrebende Talente aus Brasilien, der Türkei, Kuba, Frankreich – und natürlich Italien. Wie den Weltmeister Domenico Pace auf der Liberoposition oder Paolo Porro, 2024/2025 bester Zuspieler der SuperLega. Aus der Stadt in Norditalien stammt auch der aktuelle deutsche Bundestrainer Massimo Botti, der etliche Jahre dort spielte und später coachte. Oder Filippo Inzaghi, der 2006 in Berlin Fußball-Weltmeister wurde. Oder der Modestar Giorgio Armani.

Auch interessant

Der wichtigste Titel für die Volleys ist die Meisterschaft

Volleyball ist in Piacenza schon länger in Mode, allerdings musste Vorgängerverein Copra Piacenza 2018 Konkurs anmelden. Mithilfe eines regionalen Energieunternehmens wurde flugs ein neuer Klub gegründet, der 2019 in die SuperLega aufstieg, dort seither Furore macht und als nächstes in Europa hohe Ziele anpeilt. Ein gefährlicher Kontrahent also für die Berliner. Kaweh Niroomand scheint ein eventuelles Ausscheiden aus dem CEV-Cup indes nicht die größten Sorgen zu bereiten: „Wir müssen sehen, dass wir in Stresssituationen besser klarkommen. Damit uns der wichtigste Titel, nämlich die deutsche Meisterschaft, nicht auch noch durch die Hände rutscht.“