Das Interview muss kurz warten. Ruben Schott hat einen Platten an seinem Auto, der Pannendienst braucht zunächst ein paar Erklärungen. Dann hat der Kapitän der BR Volleys Zeit. Natürlich hofft er, dass seinem Team in der Finalserie um die deutsche Volleyball-Meisterschaft gegen die SVG Lüneburg, die am Sonntag (16 Uhr, Dyn) in der Max-Schmeling-Halle beginnt, nicht auch die Luft ausgeht. Ein Gespräch mit dem 30-Jährigen über den Gegner, die Saison der BR Volleys und schlechte Erinnerungen an die Olympischen Spiele.

Berliner Morgenpost: Herr Schott, Sie sind ja ein erfahrener Mann, was Meisterschaft-Endspiele angeht, stehen zum achten Mal im Finale, aber eines ist neu.

Ruben Schott: Richtig, diesmal Lüneburg, nicht Friedrichshafen. Das langersehnte, andere Finale. Das ist es jedenfalls, was man von vielen Außenstehenden hört.

Sechsmal standen Sie sich diese Saison mit den Niedersachsen gegenüber, die Bilanz lautet 4:2 pro Berlin. Aber Lüneburg hat seine Heimspiele gewonnen, dazu den Golden Set in Berlin zum Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Wie stehen die Chancen?

Schott: Es wird eine sehr schwere, herausfordernde Finalserie. Für beide Teams. Unsere Mannschaft freut sich richtig darauf. Wir haben noch eine Rechnung offen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir im Finale in einer besseren Verfassung sein werden als beim letzten Mal, als wir aufeinandergetroffen sind. Andererseits erwarte ich, dass Lüneburg durch die gewonnene Halbfinalserie gegen Friedrichshafen mit breiter Brust zu uns kommt. Das gilt allerdings genauso für uns nach unserer 3:0-Serie gegen Giesen. Es waren mit die besten Spiele, die wir dieses Jahr gemacht haben.

Mit Kraft und Präzision: Ruben Schott beim Aufschlag.
Mit Kraft und Präzision: Ruben Schott beim Aufschlag. © picture alliance / nordphoto GmbH | Engler

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Wie schätzen Sie die Lüneburger ein?

Schott: Ihr Trainer Stefan Hübner schafft es immer wieder, eine richtige Mannschaft zu formen. Sie haben jedes Jahr viele Ab- und Zugänge. Aber die Lüneburger machen einen guten Job, Spieler zu scouten. Nicht nur spielerisch, sondern die Persönlichkeiten passen auch zu ihnen. Dazu spielen sie guten Volleyball. Es kommt nicht von ungefähr, dass die im Finale stehen. Lüneburg macht vieles richtig. Nicht erst jetzt, um es so zu sagen: Ich habe nicht mehr und nicht weniger Respekt vor ihnen als vor einem Jahr. Wir hatten schon vorher schwere Spiele, die haben es uns immer schwer gemacht.

Hat das Duell Berlin gegen Lüneburg Potenzial, der neue Volleyball-Klassiker in Deutschland zu werden?

Schott: Es ist ein bisschen früh, das zu sagen. Ich würde mich freuen, wenn Lüneburg es schafft, dieses Level zu halten oder noch stärker zu werden. Wir brauchen das in Deutschland – mehr Volleyball-Standorte, mehr Mannschaften, die in der Spitze konkurrenzfähig werden. Damit die Liga besser wird.

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Wie beurteilen Sie den Verlauf der Saison aus Sicht der BR Volleys?

Schott: Ich denke, dass wir uns sehr schnell gefunden und gut gespielt haben. Es lief. Irgendwann haben sich dann ein paar Probleme in unser Spiel eingeschlichen – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo auch noch alle krank wurden. Dann kamen die wichtigen Spiele in der Champions League und in der Bundesliga, unter anderem gegen Lüneburg. Wo wir nicht unser Spiel machen konnten. Im Endeffekt sind wir deshalb in der Champions League ausgeschieden. Das hat bei allen Spielern am Selbstvertrauen genagt. Wir haben nicht mehr den Volleyball gespielt wie zu Beginn der Saison und in den letzten Jahren. Es soll nicht überheblich klingen, was ich sage, aber diese für uns typische Selbstverständlichkeit war weg, unsere Siegermentalität. Es war nicht einfach, dieses Gefühl wieder aufzubauen.

Und Sie selbst?

Schott: Dieses Jahr war es für mich schwer, aus dem Sommer herauszukommen. Ich habe mit mir selbst gehadert, war bei den Olympischen Spielen in Paris einfach nicht in meiner besten Form. Dazu sind wir sehr unglücklich im Viertelfinale gegen Frankreich ausgeschieden. Und die beiden Schlüsselmomente, die immer noch in meinem Kopf sind: Ich mache für meine Mannschaft den ersten Aufschlag des Turniers und den letzten. Beides sind Fehler. Obwohl es eine krasse Erfahrung war, bei den Spielen zu sein, richtig geil – aber mit diesem Gefühl bin ich aus dem Sommer herausgekommen. Das hat mich belastet. Wenigstens spüre ich in den letzten Wochen, dass ich langsam an das Niveau komme, das ich spielen möchte.

Und auf dem Sie Ihr Team braucht?

Schott: Es ist Finale. Wir alle müssen jetzt den Peak erreichen.

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