BR Volleys

BR Volleys krönen eine verrückte Saison

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Dietmar Wenck
Da kommt große Freude auf: Die Spieler der BR Volleys feiern den Gewinn der elften deutschen Meisterschaft für den Verein.

Da kommt große Freude auf: Die Spieler der BR Volleys feiern den Gewinn der elften deutschen Meisterschaft für den Verein.

Foto: Felix Kästle / dpa

Die BR Volleys sind durch ein 3:0 im dritten Spiel der Finalserie gegen Friedrichshafen zum elften Mal deutscher Meister.

Friedrichshafen/Berlin. So sehr hat sich eine Mannschaft der BR Volleys vielleicht noch nie auf eine Busfahrt vom Bodensee in die Hauptstadt Berlin gefreut. 750 Kilometer durch die Nacht – na und? „Ich glaube, es wird sehr viel gefeiert werden“, sagte Cody Kessel und machte dabei seine Augen fast so weit auf wie nach einem gelungenen Schmetterschlag. „Wie ich die Jungs kenne, wird ganz schön Rambazamba gemacht“, ergänzte sein Mitspieler Anton Brehme mit glücklicher Stimme und hörbarer Vorfreude.

Sie hatten allen Grund zu feiern. Die BR Volleys sind nach einem überzeugenden 3:0 (25:21, 25:18, 25:21) beim VfB Friedrichshafen zum elften Mal deutscher Volleyball-Meister. In der Zeppelin CAT Halle A1 beendeten die Berliner die Finalserie nach dem Modus „Best of five“ nach nur drei Spielen. Die erste Partie hatten sie eine Woche zuvor mit 3:2 gewonnen, die zweite am Sonntag in Berlin ebenfalls schon mit 3:0. Anfang des Jahres hätte das noch niemand für möglich gehalten – zu souverän zog Friedrichshafen an der Bundesliga-Tabellenspitze seine Kreise, zu unstet agierte der Titelverteidiger, zurückgeworfen durch immer neue Verletzungen.

BR Volleys feiern schon in der Halle des Gegners

Doch nun feierten die Berliner schon in der Halle des Gegners, wie so oft in den vergangenen Jahren. Acht Mal wurden die BR Volleys nun in zehn Jahren nationaler Champion. Und 2020 wurde gar kein Meister ermittelt, die Saison wegen Corona abgebrochen. Also durchbrach der VfB Friedrichshafen nur ein einziges Mal, in der Saison 2014/15, die Erfolgsserie des Dauerrivalen. In der ewigen Liste liegen die Schwaben noch mit 13 Titeln vorn. „Wir kommen unserem Ziel in der Aufholjagd sehr nahe“, machte Geschäftsführer Kaweh Niroomand bereits klar, dass er und seine Crew sich damit nicht mehr lange abfinden wollen.

Die „Häfler“ wollten sich eigentlich etwas mehr wehren, den Berlinern die Meisterschaft nicht im Schnelldurchgang gestatten. Doch sie hatten im dritten Finale keine Chance, noch weniger als beim 0:3 vier Tage zuvor. Berlins Kapitän Sergej Grankin eröffnete die Partie mit einem Ass, Friedrichshafen hielt dagegen, vor allem durch seinen starken Diagonalangreifer Linus Weber (18 Punkte). Doch es gibt auf seiner Position einen, der noch besser ist als der junge Deutsche. Mit Benjamin Patch (16 Punkte) am Aufschlag wandelten die Gäste einen 14:17-Rückstand im ersten Satz in eine 23:17-Führung um. Die Asse und Schmetterschläge des Amerikaners waren für die Süddeutschen nicht zu verkraften.

Sergej Grankin dirigiert Berlins Spiel nach Belieben

Spätestens nach dem Verlust des ersten Abschnitts war ihre Hoffnung dahin – und das Selbstvertrauen ihres Gegners wuchs immer weiter. Grankin dirigierte das Geschehen mit seinem Zuspiel, mal kurz gestellt auf Brehme oder den Brasilianer Éder Carbonera, mal rückwärts in blindem Verständnis auf seinen kongenialen Spielpartner Patch. Mal sprang Éder am Ball vorbei, damit Samuel Tuia oder Kessel verwandeln konnten. Zur Not punktete der Russe selbst. Es sah alles so leicht aus. Und so schwer, was die demoralisierten Schwaben probierten.

Auch ihr letztes Aufbäumen prallte ab. In der entscheidenden Phase gelang Patch sein viertes Ass, auch die eingewechselten Reservisten Denys Kaliberda und Robin Baghdady punkteten in dieser Phase. Wenn es mal läuft, gelingt eben alles. „Wir dachten, wir würden besser spielen“, sagte Linus Weber, „das ist eine herbe Enttäuschung für uns.“ Daran, dass der Berliner Triumph verdient war, gab es aber nichts zu deuteln.

Im wichtigsten Moment der Saison waren die BR Volleys auf der Höhe ihrer Form. Woran es lag? „Wenn wir gut trainieren, werden wir jeden Tag besser“, sagte Brehme. „Die Mannschaft konnte sechs bis acht Wochen verletzungsfrei trainieren“, erklärte Niroomand den grandiosen Auftritt, „selbst die Spiele in der Champions League haben uns noch mal vorangebracht, obwohl wir sie verloren haben.“ Auch das sehr schwere Halbfinale gegen Düren, in dem die Berliner die erste Partie verloren hatten und dicht vor dem Ausscheiden standen. Aber sie rauften sich zusammen, bäumten sich auf und wurden jetzt final dafür belohnt.

Basis für den Titel war das 3:2 im ersten Spiel

Obwohl es selbst in der Endspielserie nicht nach Wunsch begann. Im ersten Spiel führte Friedrichshafen 2:0 nach Sätzen. „Das Spiel noch umzudrehen nach der desaströsen Leistung in den ersten beiden Sätzen, das war die Grundlage für alles, was danach gekommen ist“, sagte Niroomand. Indessen verteilte Kapitän Grankin die Goldmedaillen an seine seligen Kollegen. Von denen waren die meisten noch nie deutscher Meister, nicht der brasilianische Olympiasieger Carbonera, nicht der international so weit herumgekommene Kaliberda, nicht die jungen Deutschen wie Brehme oder Libero Julian Zenger.

Auch nicht der Amerikaner Cody Kessel, der bereits seine fünfte Saison in der Bundesliga hinter sich hat. Und jetzt endlich eine Goldmedaille. „Die Art und Weise, wie wir diesen Titel geholt haben“, sagte er und machte eine Pause, „mir fehlen die Worte.“ Ob er nächste Saison eine weitere Medaille mit den Berlinern gewinnen kann, ist offen, sein Vertrag endet im Sommer. Ein Kern des Teams um Grankin, Patch, Brehme und Tuia wird bleiben. Es wird auch Veränderungen geben. Aber auf der langen Rückfahrt von Friedrichshafen nach Berlin, da darf man sicher sein, hat das niemanden interessiert. Da wurde der Moment in vollen Zügen genossen.

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