Volleyball-Finale

Wenn die Gier erst noch recycelt werden muss

Titelverteidiger BR Volleys braucht im zweiten Meisterschafts-Finalspiel am Donnerstag unbedingt einen Sieg gegen Friedrichshafen.

Der Berliner Angreifer Georg Klein muss sich gegen Friedrichshafens Block mit Philipp Collin (r.) heute öfter durchsetzen als im ersten Finalspiel

Der Berliner Angreifer Georg Klein muss sich gegen Friedrichshafens Block mit Philipp Collin (r.) heute öfter durchsetzen als im ersten Finalspiel

Foto: EIBNER/Guenter_Kram / imago

Als Kaweh Niroomand vor der Finalserie der BR Volleys gegen den VfB Friedrichshafen gefragt wurde, ob das Duell der beiden besten deutschen Volleyballklubs genau wie im Vorjahr über die maximale Distanz von fünf Spielen gehen würde, da wollte sich Berlins Manager noch nicht festlegen. Entscheidend werde sein, wie die ersten beiden Spiele verlaufen, so Niroomand. Auch wenn er es selbst nicht aussprach, war doch klar, was er damit meinte: Niroomand setzte darauf, dass die die BR Volleys zum Auftakt auswärts gewinnen könnten, um dann im zweiten Spiel gleich nachzulegen und den Hauptrundensieger damit bereits gehörig unter Druck zu setzen.

Berliner stehen gehörig unter Druck

Vor dem zweiten Finalspiel am Donnerstag (18.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gestaltet sich die Lage allerdings etwas anders. Oder um es mit den Worten von Mittelblocker Georg Klein zu sagen: „Wir haben es gekonnt vergeigt.“ Nach dem 0:3 am Bodensee sind es stattdessen die Berliner, die bereits gehörig unter Druck stehen. „Wenn wir mit einem 0:2 ins dritte Spiel nach Friedrichshafen müssen, wird es schwer, die Sache noch umzudrehen“, befürchtet Kaweh Niroomand, umso wichtiger sei daher das nächste Spiel: „Da müssen wir das Momentum wieder zu unseren Gunsten drehen“, so der Manager.

Dabei vertrauen die BR Volleys auf ihren Heimvorteil. Die Max-Schmeling-Halle war zuletzt wieder eine echte Festung – seit sieben Spielen haben die Berliner vor ihren Fans nicht mehr verloren. Für die Partie am Donnerstag erwarten die Gastgeber ein volles Haus. „Der Zuschauerzuspruch ist riesig und natürlich haben wir für unser Publikum wieder einmal etwas Besonderes vorbereitet, um die Atmosphäre schon beim Anpfiff richtig zum Knistern zu bringen. Dies und der Anspruch, sich für den enttäuschenden Auftritt in der ZF Arena zu rehabilitieren, sollte unsere Mannschaft bis in die Haar- und Fingerspitzen motivieren“, sagt Kaweh Niroomand.

Vital Heynen will VfB-Abschied mit dem Meistertitel krönen

In der ersten Partie am vergangenen Sonnabend hatten die Berliner fast alles vermissen lassen. „Wir haben wirklich miserabel gespielt“, meint Niroomand. In der Annahme leistete sich der amtierende Meister zu viele Fehler, so dass selbst ein Weltklassezuspieler wie Sergej Grankin sich schwer tat, den Ball vernünftig zu servieren.

Was Niroomand jedoch am meisten verstimmte, war die lasche Einstellung, die seine Mannschaft an den Tag legte. Ausgerechnet in der wichtigsten Phase der Saison, in der die Berliner eine bislang titellose Saison doch noch zu einem gelungenen Abschluss bringen können, habe das Team den unbedingten Siegeswillen vermissen lassen. „Aber wir dürfen in der Finalserie nicht Dienst nach Vorschrift leisten, sondern müssen mit Leidenschaft auftreten. Wir müssen gierig sein. Das ist es, was die BR Volleys in den vergangenen Jahren so stark gemacht hat“, sagt Niroomand.

Dem VfB Friedrichshafen war dagegen anzumerken, dass sie diesen Erfolg nach zuletzt drei verlorenen Finals in Folge unbedingt wollen. Der Bundesliga-Titel ist die einzige nationale Trophäe, den Coach Vital Heynen mit dem Verein noch nicht gewonnen hat. Diesen Makel will er unbedingt loswerden, bevor er sich im Sommer als Klubtrainer zurückzieht, um sich künftig ganz auf seine Tätigkeit beim polnischen Verband zu konzentrieren.

Ärgerlich war das uninspirierte Auftreten der Berliner auch deshalb, weil der VfB trotzdem keineswegs überragend spielte. Daraus ziehen die Berliner ihren Optimismus für das zweite Aufeinandertreffen am Donnerstag. „Das Positive ist, dass wir uns die Niederlage im ersten Spiel komplett selbst zuzuschreiben haben und es nicht etwa daran lag, dass Friedrichshafen zu stark war. Wir müssen unsere eigene Leistung verbessern. Und das ist ja das, was man selbst am besten beeinflussen kann“, meint Mittelblocker Georg Klein.

Anders als Niroomand sieht er die Lage trotz der Pleite zum Auftakt noch relativ entspannt. In einer Best-of-Five-Serie bedeutete die Niederlage zwar ein blaues Auge, aber noch lange keinen K.o.-Schlag. „Es ist noch nichts passiert, was sich nicht korrigieren lässt. Jetzt schlagen wir eben in eigener Halle zurück“, sagt Klein.

Berlin erlebt Drucksituation bereits zum dritten Mal in diesem Play-off

Tatsächlich haben die Berliner in dieser Saison bislang in jeder Runde das erste Auswärtsspiel abgegeben: im Viertelfinale gegen Düren, im Halbfinale gegen Haching und jetzt auch gegen Friedrichshafen. Aus den beiden ersten Serien ging man letztlich trotzdem als Sieger hervor. Mut macht auch ein Blick in die Vergangenheit: Vor zwei Jahren verloren die BR Volleys das erste Endspiel gegen Friedrichshafen ebenfalls mit 0:3; damals fielen die einzelnen Sätze sogar noch deutlicher aus als dieses Mal. Spiel zwei und drei wurden anschließend klar gewonnen – am Ende ging der Titel nach Berlin. Gegen eine Wiederholung hätte man dort sicher nichts einzuwenden.