Kommentar

BR Volleys: Triumph über die Eitelkeit

Die Verpflichtung von Trainer Stelian Moculescu war Kaweh Niroomands Meisterleistung in dieser Saison, meint Ninja Priesterjahn.

Aber bitte mit Schale: Trainer Stelian Moculescu ist am Ziel.

Aber bitte mit Schale: Trainer Stelian Moculescu ist am Ziel.

Foto: Felix Kästle / dpa

Berlin. Jahrzehntelang haben Stelian Moculescu und Kaweh Niroomand sich kaum eines Blickes gewürdigt. 800 Kilometer voneinander entfernt werkelten die beiden Alphatiere des deutschen Volleyballs vor sich hin und entwickelten dabei mit dem VfB Friedrichshafen und den BR Volleys zwei Klubs, die seit 21 Jahren die Bundesliga dominieren. Nun haben sie eindrucksvoll bewiesen, was geschehen kann, wenn zwei Volleyball-Koryphäen ihre Kräfte bündeln. Zusammen haben sie mit dem neunten Meistertitel für die BR Volleys das Unmögliche möglich gemacht.

Noch Anfang Februar deutete nicht viel darauf hin, dass die Berliner am Ende der Saison die Meisterschale in die Höhe stemmen würden. Das Team war im Pokal überraschend daheim gegen Herrsching ausgeschieden, hatte in der Champions League die ersten Partien verloren und agierte fahrig und unsicher. Beim kleinsten Hindernis zerfiel die Mannschaft gleich in ihre sechs Einzelteile. Es sah so aus, als sollten die erfolgsverwöhnten Berliner nach dem stetigen Aufwärtstrend der vergangenen Jahre eine enttäuschende Saison ohne Titel erleben.

Dass es nicht so gekommen ist, das ist unter anderem Niroomand zu verdanken, der seine zu Saisonbeginn getroffenen Entscheidungen im Hinblick auf Trainer Luke Reynolds und Zuspieler Daan van Haarlem mutig hinterfragte, korrigierte und schließlich über seinen Schatten sprang, um ausgerechnet seinen größten Rivalen um Hilfe zu bitten. Für Niroomand, der sich selbst als sehr eitel beschreibt, war das ein großes Bekenntnis zu seinem Klub. Am liebsten hätte er sich selbst entlassen, gab er zu Protokoll. Stattdessen schuf er mit Moculescu einen Zehn-Wochen-Plan und eine neue Mannschaft, die wie Phönix aus der Asche stieg, und dem vor wenigen Wochen noch als unbesiegbar geltenden VfB Friedrichshafen die Meisterschaft abknöpfte. Chapeau!

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