Volleyball

Der Volleyball-Clasico elektrisiert

Warum das Duell zwischen Friedrichshafen und Berlin der „Volleyball-Clasico“ ist und nicht langweilig wird.

Harter Kampf, Runde für Runde: Der Berliner Paul Carroll (l.) schmettert sich durch den Friedrichshafener Block

Harter Kampf, Runde für Runde: Der Berliner Paul Carroll (l.) schmettert sich durch den Friedrichshafener Block

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Volleyball und Fußball zu vergleichen, ist normalerweise keine gute Idee. Jede Ballsportart vermeidet generell den prüfenden Blick zu König Fußball, zu groß wäre der Kontrast im Hinblick auf Zuschauerzahlen, Etats und TV-Zeiten. In diesem Fall bietet sich ein kleiner Seitenblick aber an, denn kurz nachdem die vierte Partie im Meisterschaftsduell zwischen den BR Volleys und dem VfB Friedrichshafen am Sonntagabend beendet war, trafen im Camp Nou Real Madrid und der FC Barcelona aufeinander. Die Partie endete 2:2, so steht es aktuell auch in der Finalrunde um die deutsche Meisterschaft zwischen Berlin und Friedrichshafen.

Als „Clasico“ wird das Aufeinandertreffen der erfolgreichsten Klubs aus der spanischen Liga seit jeher bezeichnet. Kaum eine Partie lockt mehr Zuschauer an als dieses Duell, das als eines der bedeutendsten im Klubfußball gilt. Nur acht Mal überließen die beiden Kontrahenten in den vergangenen 40 Jahren einem anderen Klub die spanische Meisterschaft, eine Debatte um Monotonie oder Langeweile wird im Fußball deshalb allerdings nicht geführt.

Die Zuschauer wollen immer wieder dieses Spiel sehen

Im Volleyball hingegen ist es ein Dauerthema, dass Berlin und Friedrichshafen die Liga dominieren. Seit 21 Jahren kommt der Meister aus der Hauptstadt oder aus der Kreisstadt am Bodensee. Inzwischen haben andere Klubs wie die United Volleys Rhein Main oder Düren den Abstand verkürzt, mit den Alpenvolleys Haching ist ein neuer Konkurrent hinzugekommen. „Wenn es um den Titel geht, will ich aber Berlin gegen Friedrichshafen sehen“, sagt Klaus-Peter Jung, Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga. „Dieses Duell schaue ich mir gern seit über 20 Jahren an.“

Auch in der Max-Schmeling-Halle waren die Partien gegen den Rivalen aus Süddeutschland in dieser Saison der Publikumsmagnet: 6933 Zuschauer kamen im Schnitt wettbewerbsübergreifend zu den Partien gegen Friedrichshafen, im Play-off-Finale waren es sogar 7583 durchschnittlich. Am Sonntag feierten die BR Volleys mit 7614 Zuschauern die Rekordkulisse der Saison. Nur auf den Titel müssen sie noch warten. Das entscheidende letzte Spiel der Finalrunde findet an diesem Mittwoch am Bodensee statt (20.30 Uhr, Livestream auf Sportdeutschland.tv). „Ich habe mir schon drei Meisterschaften in Friedrichshafen geholt, ich hoffe, das wird jetzt die vierte sein“, sagt Berlins Diagonalangreifer Paul Carroll.

Siebeneinhalb Stunden dauert der Zweikampf schon

Prognosen bezüglich dieser Begegnungen abzugeben, scheuen gar Experten. Der Ausgang der Partien ist schlicht nicht vorhersehbar. „Ich kann nicht sagen, wer Meister wird, da könnte ich auch die Münze werfen“, sagte VfB-Trainer Vital Heynen. Dabei wollte zunächst kaum jemand daran zweifeln, dass der VfB sich nach zuvor fünf Siegen gegen die BR Volleys in Hauptrunde, Supercup und Champions League auch in der Finalrunde mit drei Siegen den Titel holen würde. Doch plötzlich lag der Pokalsieger in der Serie „Best of five“ 0:2 zurück. Heynen mobilisierte alle Kräfte für eine furiose Aufholjagd, am Sonntag glich seine Mannschaft tatsächlich aus.

Zwei Stunden und 15 Minuten bekämpften sich beide Teams da und machten bei der einen oder anderen Rettungsaktion weder vor der Zuschauertribüne noch vor den Laptops der Reporter Halt. Rein von der Spielzeit betrachtet, dauert das Duell um die Meisterschaft jetzt bereits siebeneinhalb Stunden. Es ist davon auszugehen, dass nun in Friedrichshafen zwei spektakuläre Stunden hinzukommen.

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