Volleyball

Moculescu bringt den Volleys die Ordnung zurück

Der neue Trainer weiß aber auch, woran noch zu arbeiten ist.

Das Geschehen stets im Blick: Volleys-Trainer Stelian Moculescu.

Das Geschehen stets im Blick: Volleys-Trainer Stelian Moculescu.

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

BERLIN.  Er kann es noch. Nach einer Pause von anderthalb Jahren hat Stelian Moculescu am Mittwochabend eindrucksvoll bewiesen, dass 40 Jahre Trainererfahrung nicht so leicht von der Hand zu weisen sind. „Einige meinen vielleicht, wir alten Trainer werden deppert, wenn wir über 60 Jahre alt sind, aber wir sind in der Birne noch ganz klar“, sagte der 67-Jährige nach seinem ersten Spiel als Trainer der BR Volleys. Bei seinem Debüt in Berlin zeigte der Rumäne gleich mehrere Gründe auf, wegen der Geschäftsführer Kaweh Niroomand ihn zum Hauptstadtklub geholt hat: Mit seinen 1,93 Metern ist Moculescu in dem eleganten schwarzen Anzug, den er bei offiziellen Spielen trägt, eine Autorität einflößende Erscheinung. Seine Kleidung ist dabei allerdings weniger relevant als seine Haltung, die den Spielern signalisiert: „Jetzt habe ich das Sagen.“ Von mangelnder Hierarchie und Ordnung, die Niroomand zuletzt unter Trainer Luke Reynolds kritisiert hatte, war beim Champions-League-Spiel gegen Kasan nichts zu spüren. Jüngere wie erfahrene Spieler suchten gleichermaßen seinen Blickkontakt und ließen sich von ihm durch die Partie leiten.

Gegen Frankfurt soll nun Platz zwei gesichert werden

Mit einer ausgewogenen Mischung aus Gelassenheit und Strenge navigierte Moculescu das Team sicherlich noch nicht perfekt, aber doch sehr vielversprechend durch den Abend. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt, ich denke, das haben die Jungs auch gemerkt“, sagte er. Für das Ligaspiel an diesem Sonnabend gegen die United Volleys (18.30 Uhr, Schmelinghalle) hat er aber noch Verbesserungspotenzial ausgemacht. „Das Erste, an dem wir arbeiten müssen, ist die Annahme. Dann kommt der Aufschlag. Ich möchte, dass die Jungs ein bisschen mehr Risiko nehmen und lernen, dass Fehler nicht bestraft werden.“

Damit verfolgt er ein ähnliches Konzept wie Bundestrainer Andrea Giani, der auch gern aggressiven Volleyball spielen lässt, während Vital Heynen, Moculescus Nachfolger beim VfB Friedrichshafen, mit einer Fehlervermeidungs-Strategie Erfolg sucht. Heynen steht mit seiner Philosophie derzeit an der Spitze der Bundesliga, die BR Volleys wollen sich nun mit einem Sieg gegen die Frankfurter Platz zwei als Ausgangspunkt für das Play-off sichern.

Der Trainerwechsel war auch für die Spieler ein Schock

Paul Carroll ist optimistisch: „Wenn wir den Killerinstinkt haben wie im dritten und vierten Satz gegen Kasan, werden wir definitiv gewinnen.“ In den Augen des Australiers blitzt wieder der Siegeswille, den er im bisherigen Saisonverlauf ab und an vermissen ließ. „Der Trainerwechsel war ein Schock für uns“, erklärt Carroll. Für seinen Landsmann Reynolds empfindet er tiefes Mitgefühl. „Er hat so hart für uns gearbeitet und alles gegeben“, sagt er. „Wir als Spieler haben die Leistung nicht gebracht. Wir mussten aufwachen, und dieser Schock, den der Trainerwechsel mit sich brachte, ist vielleicht genau das, was wir brauchten.“

Ein weiterer Aspekt, den Niroomand gern gesehen hat, war Moculescus Wechselstrategie. In der entscheidenden Phase des vierten Satzes brachte er den erst 18 Jahre alten Linus Weber, darüber hinaus kamen fast alle Ersatzspieler zum Einsatz. „Er hat das Potenzial auf der Bank gut ausgenutzt“, sagt Niroomand. Zuletzt war das Team unter Reynolds in eine erste und zweite Mannschaft zerfallen. „Wir wollen wieder mehr Zusammengehörigkeit und die kriegst du nur, wenn die Leute, die draußen stehen auch merken, dass sie gebraucht werden“, sagt Niroomand.