Volleyball

BR Volleys verteidigen ihren Meistertitel

Mit einem Sieg im dritten Playoff-Finalspiel gegen Friedrichshafen haben die Berliner den Titel klar gemacht.

Die Spieler mit Aleksandar Okolic (l) der BR Volleys jubeln über den Sieg

Die Spieler mit Aleksandar Okolic (l) der BR Volleys jubeln über den Sieg

Foto: Felix Kästle / dpa

FriedrichshafenAlles gelang den BR Volleys selbst an diesem ganz besonderen Tag nicht. Als die Spieler des nun achtmaligen deutschen Volleyball-Meisters Felix Fischer zum Abschluss seiner sportlichen Karriere in die Luft werfen wollten, schafften sie es nicht. Jedenfalls nicht so richtig. Vielleicht sind 91 Kilo Lebendgewicht doch ein bisschen zu viel? Oder war es die Erschöpfung nach dem 3:1 (25:22, 25:27, 25:20, 25:22) im dritten und entscheidenden Play-off-Finale beim alten Rivalen VfB Friedrichshafen? Egal, die Mannschaft von Trainer Roberto Serni-otti krönte auch so eine Saison, in der sie zunächst fünf Mal gegen die Schwa-ben verloren, aber die wichtigsten bei-den Spiele gewonnen hatte.

"Das war ein Kraftakt und eine Frage der Motivation", lobte Manager Kaweh Niroomand. An beidem gab es nichts auszusetzen. "Wir haben alles reingeworfen, was geht", sagte der 22-jährige Ruben Schott, der den Matchball verwandelte und prompt zum wertvollsten Spieler des Finales gewählt wurde. "Ruben hat heute den Unterschied ausgemacht", lobte der Australier Paul Carroll den Kollegen. Dennoch muss noch eine weitere Stärke der Berliner erwähnt werden: ihre Erfahrung. Obwohl sie schwierige Phasen zu überstehen hatte, blieb sie ruhig und zeigte gerade dann ihren besten Volleyball, wenn der VfB herangekommen war.

Friedrichshafens Trainer Vital Heynen vertritt die Philosophie des fehlerfreien Spiels: das Risiko in Grenzen halten, den Gegner zu Fehlern zwingen. Seit vergangenem Oktober hat der pfiffige Belgier so sein Team erfolgreich durch die Spielzeit gebracht, den deutschen Pokal gewonnen, Berlin Rang eins in der Bundesliga-Punkterunde abgelaufen. Doch ausgerechnet am Sonntag der Entscheidung vergaßen seine Spieler, was ihr Coach ihnen vorgegeben hatte. 16 Aufschlagfehler produzierten sie – ohne dabei Druck auszuüben. Ihr bester Mann Michal Finger (18 Punkte) vergab ungewöhnlich viele Schmetterschläge. Und trotzdem war es lange ein dramatisches, ausgeglichenes Duell.

Die BR Volleys schienen im zweiten Durchgang einem klaren Sieg entgegenzusteuern. Den ersten hatten sie gewonnen, nun führten sie mit bis zu fünf Punkten, hatten zwei Satzbälle. Aber auch die Gastgeber kämpften vor 3750 Zuschauern in der ausverkauften ZF-Arena. Und wurden belohnt. Weil auch Ruben Schott mal geblockt werden kann. Und weil der Bosnier Armin Mustedanovic den Abschnitt mit einem krachenden Ass durch die Mitte beendete. Es war für die Häfler der erste Aufschlagpunkt im gesamten Spiel. Gut gesetzt, kann man sagen.

Kromm punktet viel und spricht hoch wie lange nicht

Wer nun gedacht hatte, die Gäste würden einbrechen, weil ihnen die Kräfte ausgehen oder sie einen mentalen Knacks bekämen, der irrte. "Wir haben es wirklich verdient, Meister zu werden", sagte Serniotti, "wir haben sehr gut gespielt. Und gerade wie das Team nach dem zweiten Satz wieder zurückgekommen ist, war sehr stark." Für den Italiener endet voraussichtlich nach zwei Jahren seine Zeit in Berlin. Was seine Titelsammlung angeht, muss er sich nichts vorwerfen lassen. Zweimal wurde er Meister, je einmal Pokalsieger, CEV-Cup-Sieger und erreichte das Final Four der Champions League.

Am Sonntag war sein Sakko klitschnass vom vielen Sekt. Den hatten sich alle verdient, nachdem die Mannschaft den dritten und vierten Satz erstaunlich dominant gestaltet hatte. Jeweils in der Mitte der Sätze übernahm sie das Kommando und ließ sich ihre Führungen nicht mehr abjagen. "Wir haben immer weiter, weiter, weiter gespielt", sagte der herausragende Kapitän Robert Kromm. Der 33-Jährige, mit 20 Punkten vor Graham Vigrass (15) und Carroll (13) bester Spieler seines Teams, sprang alle Müdigkeit weg und manchmal so hoch wie lange nicht. Er verstand es, Friedrichshafener Block zu überwinden, mal mit Urgewalt, mal mit cleverem Anschlägen, mal mit Lupfern. "Wir wollten unbedingt den Titel", sagte er , "ich wollte unbedingt den Titel. Wir haben uns diese Saison einiges anhören müssen, von wegen immer zweiter Sieger. Heute haben wir allen gezeigt, dass wir ein Finale gewinnen können."

Bei der Siegerehrung kannte der Jubel keine Grenzen. Rund 100 treue Fans hatten die BR Volleys zur finalen Schlacht an den Bodensee begleitet und wurden nun von den Gewinnern mit Rosen belohnt. Dass Felix Fischer, der mehr als 500 Spiele für die Berliner bestritt und jetzt seine Karriere beendet, in der Finalserie noch einmal zu großer Form auflief und nach dem Matchball weinend zu Boden sank, hatte seine Sprache bald wiedergefunden. "Unbeschreiblich, unglaublich", schilderte er seine Gefühle. Dann ging es zur Feier in ein Friedrichshafener Restaurant. Und noch am Abend per Bus heim nach Berlin. Weitere Feiern werden folgen.

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