Volleyball

Vital Heynen: "Wir brauchen eine Ausländerquote"

Trainer Vital Heynen fordert mit dem VfB Friedrichshafen die BR Volleys heraus und wünscht sich mehr Vertrauen in deutsche Spieler.

Bekannt für klare Worte: Vital Heynen, ehemaliger Volleyball-Bundestrainer und jetziger Coach vom VfB Friedrichshafen sowie seines Heimatlandes Belgien

Bekannt für klare Worte: Vital Heynen, ehemaliger Volleyball-Bundestrainer und jetziger Coach vom VfB Friedrichshafen sowie seines Heimatlandes Belgien

Foto: dpa Picture-Alliance / Gregor Fischer / picture alliance / dpa

Vor zwei Wochen hat Vital Heynen (47) mit der Volleyball-Nationalmannschaft der Männer das Ticket für die EM 2017 in Polen gelöst. Nun steht der Belgier, der beim VfB Friedrichshafen das Erbe von Trainerlegende Stelian Moculescu angetreten hat, zum ersten Mal für einen deutschen Klub an der Seitenlinie. Im Supercup trifft der Rekordmeister an diesem Sonntag auf die BR Volleys (15.30 Uhr Mercedes-Benz Arena).

Im Interview verrät Heynen, warum er seinem Team den Titel zutraut, wie man mehr deutsche Spieler in die Liga integrieren könnte und was er von der bislang erfolglosen Suche des Deutschen Volleyball-Verbandes nach einem neuen Bundestrainer hält.

Herr Heynen, sind Sie unersetzlich?

Vital Heynen: Was ist das? Das Wort kenne ich nicht.

Das heißt, dass man jemanden nicht ersetzen kann.

Doch natürlich, ich bin einfach. Mein Ziel ist immer, dass die Mannschaft mich am Ende nicht mehr braucht. Warum sollte ich unersetzlich sein?

Weil der Deutsche Volleyball-Verband keinen Nachfolger für Sie findet!

Hahaha, ja, ich verfolge das, ich finde es unglaublich spannend. Es ist kein Problem, einen Trainer zu finden. Die Herausforderung ist, einen Trainer zu finden, mit dem Mannschaft und Trainer zu einer Einheit werden können. Ich finde es gut, dass der Verband mal nachdenkt und nicht so schnell entscheidet. Der Weg, der jetzt kommt, ist nicht so einfach für die Nationalmannschaft.

"Eigentlich sollte es Ende Januar schon vorbei sein"

Nach fast fünf Jahren als Bundestrainer haben Sie die EM-Qualifikation als Geschenk hinterlassen, war es ein schöner Abschluss für Sie?

Absolut. Es war unglaublich schön, wie die letzten Monate verlaufen sind. Im vergangenen Jahr hatte ich immer mal wieder das Gefühl, die Mannschaft braucht einen neuen Trainer, wir sind zu lange zusammen. Das hatte ich jetzt nicht einen Tag. Wir haben mit viel Spaß zusammen gearbeitet und guten Volleyball gespielt.

Eigentlich war schon Anfang Juli Ihr letztes Spiel, warum haben Sie weitergemacht?

Eigentlich sollte es Ende Januar schon vorbei sein. Dann hat der Verband zunächst wegen der Weltliga gefragt. Danach hatten sie noch immer keine Lösung, da habe ich gesagt: Gut, dann bin ich eben die zweitbeste Lösung. Die beste Lösung wäre gewesen, einen Trainer zu holen, der in die Mannschaft reinpasst, aber wenn man niemanden findet, dann stehe ich auch zur Verfügung.

Immer noch?

Ich werde immer zur Verfügung stehen für Deutschland. Ich habe so gern hier gearbeitet. Aber ich habe jetzt schon für die Nationalmannschaft in Belgien unterschrieben. Also denke ich nicht, dass es nächstes Jahr geht.

Bei der Teampräsentation in Friedrichshafen gab es belgische Pommes mit belgischer Soße. Kann man daraus schließen, dass Sie sich schon ein bisschen heimisch fühlen?

Ich habe das vorgeschlagen. Ich finde, wenn nach 20 Jahren ein neuer Trainer kommt, muss es auch ein neues Bild geben. Ein Belgier kann genau zwei Sachen: Pommes oder Schokolade bringen. Ich hab aber festgestellt, dass selbst das nicht so einfach ist. In Belgien essen wir Pommes immer mit einer süßen Mayonnaise, die gibt es in Deutschland nicht. Also bin ich am Sonntag nach Hause gefahren und habe dort ein ganzes Supermarkt-Regal voller Mayonnaise leergekauft. Sinnbildlich steht das einfach für das neue Bild, das wir als VfB Friedrichshafen abgeben wollen.

Das mannschaftliche Bild ist allerdings ein bisschen deutscher.

Oh ja, ein bisschen mehr sogar. Wir haben acht deutsche Spieler im Kader. Als Bundestrainer habe ich immer gesagt: Wenn ich in einem deutschen Verein trainiere, werde ich auch deutsche Spieler holen, weil ich finde, dass die deutschen Spieler das genauso gut – wenn nicht sogar besser – machen können als viele Ausländer. Ich wollte erst einen Stamm an Deutschen holen und habe dann Ausländer hinzugezogen, wo wir noch Schwachpunkte hatten.

"Wir können vielleicht am Ende der Saison Berlin Probleme bereiten"

Das war ein großer Umbruch. Vor einigen Wochen hatten Sie sich in Bezug auf Saisonziele zögerlich geäußert, jetzt war von Titelambitionen die Rede. Hat die Mannschaft Sie in der Vorbereitung so überzeugt?

Ja, absolut. Wir sind jetzt zwei, drei Wochen zusammen, und ich sehe ein riesiges Potenzial. Ich habe immer gesagt, wir können vielleicht am Ende der Saison Berlin Probleme bereiten. Nun denke ich, dass wir schon jetzt gegen die BR Volleys spielen können.

Auch gewinnen?

Ja. Erst habe ich gesagt, der Supercup kommt zu früh, heute sage ich, der kommt genau richtig. Ja, wir sind eine neue Mannschaft, ich kann 100 Erklärungen finden, warum Berlin gewinnt. Mein Gefühl sagt aber etwas anderes. Ich muss noch die Mannschaft überzeugen, bislang ist das nur mein Gefühl.

Was sind die Stärken Ihres neuen Teams?

Wir haben eine sehr gute Verteidigung. Ich liebe das. Ich will, dass meine Spieler geduldig spielen, sich auf lange Ballwechsel einlassen, Fehler vermeiden und im Angriff auf die richtige Gelegenheit warten.

Kann man sich dieses Abwarten gegen eine Mannschaft wie die BR Volleys erlauben?

Ich denke, Berlin hat noch nicht oft gegen solche Mannschaften gespielt, mal sehen, wie sie damit klarkommen. Es war immer mein Konzept, mehr auf Kontrolle zu setzen, als Punkte durch Fehler wegzugeben. Damit waren meine Teams in den vergangenen zwölf Jahren nicht unerfolgreich.

Wie schätzen Sie die Volleyball-Bundesliga in dieser Saison ein?

Sehr gut. Es gibt vier, fünf Mannschaften, die Berlin und Friedrichshafen schlagen können. Ich denke, wir sind wieder die ersten Zwei, aber danach kommen Lüneburg, Düren, Frankfurt und Bühl, die genügend Qualität haben, um es uns schwer zu machen.

"Ich schätze Ruben Schott sehr hoch ein"

Mit Ruben Schott hatten Sie bis vor Kurzem einen BR-Volleys-Spieler unter Ihren Fittichen, wie sind seine Perspektiven?

Ich schätze ihn sehr hoch ein. Er war noch besser, als ich erwartet hatte in der Nationalmannschaft. Ich war etwas enttäuscht, als die Berliner noch einen vierten Außenangreifer geholt haben mit Nikola Kovacevic, das ist ein sehr großer Name. Ich hoffe aber, dass Ruben trotzdem diese Saison viel spielt, denn er kann in meinen Augen ein richtig Guter werden. Das habe ich seinem Trainer Roberto Serniotti auch so gesagt.

Wie sehen Sie insgesamt die Entwicklung der deutschen Klubs, auf nationalen Nachwuchs zu setzen?

Darf ich meinen Joker nutzen?

Nein.

Hach, allgemein denke ich, dass sich die Liga gut entwickelt. Ich verstehe aber nicht, warum nicht endlich eine Ausländerquote eingeführt wird. Einfacher geht es nicht, Klubs dazu zu verpflichten, über die Ausbildung von Nachwuchs nachzudenken. Wir sind die einzige Liga der Welt, die das nicht macht.

Woran liegt das?

Das weiß ich nicht. Ich habe dort nichts zu entscheiden. Ich denke, es wurde oft besprochen, es passiert aber nichts. Das hat vielleicht auch mit der Kultur des Landes zu tun. Ihr seid nicht unbedingt das Land, das immer am ersten Ende steht mit solchen Fortschritten. Jetzt mal im Ernst: Um die eigenen Spieler zu schützen, um den Nachwuchs zu schützen, braucht man eine Ausländerbeschränkung.

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