Hindernisfreie Strecke

Er sorgt dafür, dass beim Marathon niemand strauchelt

Gregor Reinhardt sorgt dafür, dass die Teilnehmer am Berlin-Marathon eine hindernisfreie Laufstrecke vorfinden.

Gregor Reinhadt hängt am Großen Stern Plakate für die Autofahrer auf

Gregor Reinhadt hängt am Großen Stern Plakate für die Autofahrer auf

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Bereits seit Monaten wird die 44. Auflage des Berlin-Marathons geplant. Am heutigen Montag gehen die Vorbereitungen nun in die heiße Phase. Auch für Gregor Reinhardt. Auf seiner Visitenkarte steht "Associate Manager Veranstaltungstechnik". In dieser Funktion ist er verantwortlich für einen einwandfreien Zustand der Marathon-Laufstrecke durch die Stadt.

Seit gut fünf Wochen ist er in dieser Mission mit dem Auto unterwegs. Etwas mehr als 1000 Kilometer sind so bereits zusammengekommen. Baustellen, Schlaglöcher, und Fahrbahnverengungen – alles, was bei Autofahrern für Ärger sorgt, ist für ihn eine Herausforderung. Er kennt alle Hindernisse und Gefahrenstellen auf der 42,195 Kilometer langen Strecke. Seine Ziele: Kein Spitzenathlet soll wegen irgendeines Hindernisses die blaue Linie, also die Ideallinie, verlassen müssen. Kein Schlagloch soll am Ende einen möglichen Weltrekord in Gefahr bringen. Und kein Skater darf wegen einer nicht gesicherten Gefahrenstelle stürzen.

"Es gab in Berlin noch nie einen Marathonlauf ohne Baustellen auf der Strecke, aber in diesem Jahr sind es besonders viele", sagt er und berichtet auch von seinem Vorgänger Michael Feistkorn. Viele Jahre habe er für Feistkorn gearbeitet, der für die Streckensicherung und Streckenlogistik verantwortlich war. Vor einem Jahr hat er diesen Posten übernommen.

Absprachen mit Baufirmen, der Polizei und den Ämtern

"In diesem Jahr beschäftigen mich die Baustellen auf der Gotzkowskybrücke in Moabit und die Potsdamer Brücke in Schöneberg am meisten", sagt Reinhardt. "Ich hoffe, dass sich die Bauleiter an unsere Absprachen halten." Neben der Arbeit auf der Straße führt er im Vorfeld des Rennens unzählige Gespräche mit Baufirmen, der Polizei, der Verkehrslenkung und den verschiedenen Bezirksämtern.

An diesem Morgen beginnt er seine Tour am Start auf der Straße des 17. Juni. Während Reinhardt sich auf den Verkehr konzentriert, schaut er auch regelmäßig auf die Schilder an den Laternenmasten, die auf das bevorstehende Ereignis hinweisen. "Wir haben deutlich weniger Platz, da überall bereits Wahlplakate hängen", sagt er. Üblich seien 600 Schilder, in diesem Jahr seien es zwischen 420 und 450. Auf der Marchstraße in Charlottenburg zeigt er auf einen Farbkreis auf der Fahrbahn. "Das Schlagloch habe ich schon vor Tagen mit Neonspray markiert", erklärt er. "Entweder macht das Bezirksamt das zu, ansonsten müssen wir das kurz vor dem Rennen mit Kaltasphalt füllen." Er biegt von der Franklinstraße nach rechts auf die Gotzkowskybrücke ab. Die Läufer werden am kommenden Sonntag dort knapp vier Kilometer hinter sich gebracht haben. "Perfekt. Die Brücke ist freigeräumt", sagt Reinhardt. Die nördliche Fahrbahn ist fertig und die Baustelleneinrichtung weggeräumt.

"Die Firma hat schon zugesagt, ihren Schuttcontainer zu entfernen", sagt Reinhardt und zeigt auf einen großen Rollcontainer, der die Torstraße auf eine Fahrspur einengt. "Ich rufe die Aufstellerfirmen regelmäßig an, die meisten halten sich auch an die Abmachungen." Es gebe aber auch einen Plan B. "Sind die Container am Sonnabend nicht weg, lassen wir sie kostenpflichtig abschleppen." Man habe einen Container-Notdienst. Gerade für die sehr schnellen Skater brauche man schließlich die volle Breite der Straße. "Ein plötzliches Hindernis kann lebensgefährlich sein." Reinhardt passiert die Kreuzung Rosa-Luxemburg-Platz und Alte Schönhauser Allee. "Hier werden wir die Straßenbahnschienen mit Schienengummis füllen", sagt er. Die Tramschienen seien Gefahrenquellen für die Rollstuhlfahrer, Handbiker und Skater. Zusätzlich werden für die Skater entlang der gesamten Strecke enge Kurven, Engpässe und sonstige Gefahrenstellen markiert, Pylonen aufgestellt und ausgeschildert.

Am Montagabend wird die blaue Ideallinie markiert

An der Gneisenaustraße spricht er kurz mit dem Polier. Der verspricht, bis spätestens Freitagnachmittag die Strecke zu räumen. Nach der Halbmarathondistanz verlässt Reinhardt die Strecke und fährt in Richtung Büro. "Wir fahren die gesperrte Strecke früh vor den Rennen noch einmal ab und bauen noch Schilder und Gitter auf", sagt er.

Nach dem Lauf am Sonntag fährt Reinhardt im Tross von Besenwagen und Reinigungsfahrzeugen hinter den letzten Läufern. "Dann wird alles wieder so umgebaut, dass der Verkehr fließen kann. Hinter uns ist ein Polizeiwagen, der die Strecke wieder freigibt." Für den Montagabend drückt er seinen Kollegen die Daumen, dass es nicht regnet. Dann soll die blaue Linie für die Läufer aufgetragen werden.

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