Der Marathon ist eine einzigartige Sightseeingtour zu Fuß. Auf der 42,195-km-Runde durch Berlin gibt es einiges zu sehen. Die Faszination, eine Stadt laufend zu erkunden, kennt Michael Horstmann, genannt Mike. Er veranstaltet „Sightrunning“ seit acht Jahren. Das ist eine Wortschöpfung aus „sightseeing“ und „running“. Touristen aus der ganzen Welt und aller Altersklassen buchen seine Touren, auch in den Tagen vor dem Berlin-Marathon. Gerade bei viel beschäftigten Managern ist Mikes Service beliebt, denn er hat sich auf private Touren spezialisiert und richtet sich nach den individuellen Wünschen seiner Gäste. Ob morgens um 6 oder abends bis 24 Uhr: Der 59-Jährige holt seine Kunden direkt vom Hotel ab und zeigt ihnen, was sie in der deutschen Hauptstadt sehen wollen. Etwa bei einer Tour durch das alte Berlin, bei einem Lauf entlang der ehemaligen Berliner Mauer oder bei einem Rundkurs zum Schloss Charlottenburg. Sein Konzept: historische Informationen, lustige Anekdoten und praktische Tipps. Im Laufen gibt Mike Anregungen, welche Plätze und Museen einen Besuch lohnen, wo das Essen besonders lecker ist oder wo man originelle Souvenirs kaufen kann. Gerne auch auf Englisch.

Als IT-Berater rund um den Globus unterwegs

Auf die Idee mit dem Sightrunning kam Mike, als er selbst noch als IT-Berater rund um den Globus unterwegs war. „In den Hotels erkundigte ich mich nach schönen Laufstrecken und hätte mir gewünscht, einen Ortskundigen zu haben, der mit mir mein Hobby teilt.“ Klassische Stadtführungen findet er langweilig: „Zu viele Zahlen – und das Tempo ist viel zu langsam!“ Mittlerweile gibt es Running Tours auch in anderen Städten weltweit, in Deutschland unter anderem noch in Hamburg, München, Düsseldorf und Dresden. Doch ein Lauf durch Berlin, findet Mike, ist einfach unschlagbar – und erst recht der Berlin-Marathon.

Berlin ist sein Favorit beim Marathon

Mike muss es wissen: Hamburg, Paris, London, Stockholm, Wien, New York, Las Vegas, Lissabon – in all diesen Städten ist er schon Marathon gelaufen. Berlin bleibt sein Favorit. Zwölf Mal ist er hier schon über die Ziellinie gerannt. „Es ist vor allem das Publikum, das mich begeistert“, sagt er: „Überall, wirklich überall stehen Menschen an der Strecke und feuern die Läufer an.“

Mike stellt zwei Touren vor, die Läufern einen guten Eindruck von Berlin vermitteln. Die eine ist sechs Kilometer, die andere zehn beziehungsweise zwölf Kilometer lang. Wollen Sie das Marathon-Lauffieber spüren, dann erkunden Sie den Start- und Zielbereich des Berlin-Marathons, verbunden mit einer Runde entlang der Top-Sehenswürdigkeiten Berlins „zum Beine ausschütteln“, wie Mike sagt. Das ist Tour 1. Oder wollen Sie sich fühlen wie ein Weltmeister? Dann laufen Sie auf den Spuren der Profis: Tour 2, der „Champions Run“, ist die Original-Marathon-Strecke der Leichtathletik-WM 2009.

Tour 1: Der Marathon-Schnupperkurs

Beginn ist am Hauptbahnhof. Es geht geradewegs Richtung Regierungsviertel zum Start- und Zielbereich des Berlin-Marathons. Hier finden die Sportler am Tag des Laufs sämtliche Service-Angebote vom Kleiderwagen bis zum Toilettenhäuschen. Vorbei am Tipi am Kanzleramt verläuft die Marathon-Kennenlern-Strecke durch den Tiergarten zur Straße des 17. Juni, wo die Läufer in mehreren Wellen starten. Mit Blick Richtung Brandenburger Tor geht es nun zum Reichstag. Ab jetzt kommt das Sightseeing. Nach Überquerung der Spree geht es über den Schiffbauerdamm hoch zur Museumsinsel. Entlang der Museumsgebäude, dem Berliner Dom, dem Stadtschloss, der Humboldt Universität und der Staatsoper verläuft die Strecke zum Bebelplatz und dann zum Gendarmenmarkt. Hier kommt wieder Marathon-Gefühl auf: Der letzte Kilometer bis zum Brandenburger Tor muss gemeistert werden. Mit etwas Fantasie hört man das Publikum, das die Läufer mit Rufen und Applaus ins Ziel trägt. Höhepunkt ist der Lauf durchs Brandenburger Tor bis zur Ziellinie des Marathons 300 Meter dahinter. Dort heißt es: Tourziel erreicht!

Tour 2: Der Champions Run auf der Original-Strecke

Start ist das Brandenburger Tor. Entlang der ehemaligen Mauer, am Holocaust-Mahnmal vorbei, verläuft die Strecke zum Potsdamer Platz. Richtung Westen geht es am Landwehrkanal entlang über die Hofjägerallee zur Siegessäule. Nächste Etappe ist das Schloss Bellevue. Über die John-Foster-Dulles-Allee geht es nun zum Regierungsviertel, vorbei an Kanzleramt und Reichstag, Richtung Spree. Nach dem Passieren der Kronprinzenbrücke führt der Weg über Reinhardt-, Friedrich- und Oranienburger Straße zum Monbijoupark. Auf dem Weg zum Schlossplatz werden die Museumsbauten auf der Museumsinsel passiert. Dann optional eine zwei Kilometer lange Runde um den Alexanderplatz und das Rote Rathaus. Die Route führt nun am Marx-Engels-Forum entlang auf die Zielgerade Unter den Linden. Hier gibt es mit dem Deutschen Historischen Museum, der Neuen Wache, der Humboldt Universität und der Staatsoper noch einmal Sightseeing. Am Brandenburger Tor heißt es wieder: Tourziel erreicht!