Mukoviszidose

Zum Halbmarathon gegen die unheilbare Krankheit

Ein an Mukoviszidose erkrankter Sportler will seiner Schwester einen Traum erfüllen - und am Berliner Marathon teilnehmen. Der Halbmarathon am Sonntag ist dafür ein wichtiger Schritt.

„Ich möchte Menschen mit chronischen Krankheiten Mut machen und ihnen vermitteln, wie wichtig Sport für sie ist,“ sagt Sebastian Koch. Er selbst hat seit seiner Geburt die unheilbare Erbkrankheit Mukoviszidose. Eine Stoffwechselstörung, die zur Verdickung bestimmter Körperflüssigkeiten führt und das Lungenvolumen der Betroffenen immer mehr einschränkt.

Vor fünf Jahren starb Sebastians ebenfalls erkrankte 22-jährige Schwester nach einer Lungentransplantation. „Ihr Traum war es, einmal einen Marathon mitzulaufen. Den Traum möchte ich für sie erfüllen“, erzählt Sebastian Koch, der aus Recklinghausen kommt. Der Halbmarathon sei ein wichtiger Schritt, um seinem großen Ziel, dem Berliner Marathon, näher zu kommen. „Am Anfang war es eine Quälerei“, erzählt der 30-Jährige. „Als ich vor fünf Jahren mit dem Training begann, konnte ich nur 500 Meter gehen. Aber 2014 bin ich dann bei dem Kölner Marathon 27 Kilometer gelaufen, und heute habe ich mein Lungenvolumen von 40 auf 80 Prozent verbessert“, sagt der Garten- und Landschaftsbaugeselle.

Seit 2013 wird Sebastian Koch von dem Triathleten Marco Henrichs betreut. „Wir haben uns gegenseitig im Internet entdeckt. Mittlerweile ist aus der Zusammenarbeit eine Freundschaft geworden“, erzählt der Feuerwehrbeamte aus Engelskirchen nahe Köln. Der 39-Jährige ist Mitglied des Mukoviszidose-Freundeskreises Baden-Württemberg und setzt sich seit 2010 als Schutzengel für Betroffene ein. „Mir ist es wichtig, mich für andere Menschen einzusetzen. Im Sport stehen oft nur Platzierungen und Zeiten im Vordergrund. So sollte es nicht sein, das will ich mit meiner Arbeit zeigen.“

Die beiden wollen am 29. März Seite an Seite den Berliner Halbmarathon laufen. Dabei wird sich Koch Henrichs Brustgurt umschnallen. „So kann ich auf meiner Pulsuhr Sebastians Zustand genau überprüfen. Ich motiviere ihn, wenn ich aber merke, dass es zu anstrengend für ihn wird, brechen wir die Strecke sofort ab“, sagt der Triathlet. Vorbereitet haben sich die beiden Sportler bei einem Trainingslager auf Lanzarote. Das dortige Klima ist für Sebastian Koch deutlich besser als der deutsche Winter. Beide Läufer sind berufstätig und leben über 100 Kilometer voneinander entfernt. „Wir telefonieren viel. Ich erzähle Marco, wie es mir geht und wie die letzten Trainingseinheiten waren“, sagt der 30-Jährige. „Sebastian kennt seinen Körper genau, ich achte sehr auf seine Berichte“, erklärt Henrich.

Dr. Matthias Krüll ist einer der medizinischer Direktoren des Sport-Clubs Charlottenburg e.V. (SCC), Veranstalter des Berliner Halbmarathons. Für ihn ist Sebastian Kochs Teilnahme „wenn nicht einzigartig, dann eine absolute Ausnahme“. Sport sei bei vielen Erkrankungen eine relativ junge Therapieform, sagt Krüll. Gerade bei der Behandlung von Mukoviszidose „sind diese Aktivitäten bisher zu kurz gekommen“. Trotzdem gibt es keine Garantie, dass diese Art körperlicher Betätigung Betroffenen tatsächlich hilft. „Dass nicht nur das Lungenvolumen in einem solchen Maße gesteigert wird, sondern auch die Infektanfälligkeit abnimmt, wird von Faktoren bedingt, die völlig unklar sind“, stellt Krüll fest.

Sebastian Koch freut sich derweilen schon auf den Halbmarathon und auf die Hauptstadt. „Ich werde zusammen mit meiner Freundin anreisen und bin schon gespannt, die Stadt zu entdecken. Ich war noch nie in Berlin“, erzählt der Sportler.