Berlin-Marathon

Wie Max Milde Berlin zur schnellsten Strecke der Welt macht

Fünf Weltrekorde in zehn Jahren: Berlin gilt als heißes Pflaster für Marathon-Bestzeiten. Wie Renndirektor Mark Milde dem Berlin-Marathon international auf die Beine half und Renomée erkämpfte.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Eines stellt Mark Milde gleich zu Anfang klar: „Die Organisation eines Marathons ist für mich anstrengender, als einen Marathon zu laufen.“ Der 41-Jährige ist der Race Director, der „sportliche Leiter“ von SCC Events GmbH. Seit er 2004 den Posten von seinem Vater Horst Milde, 75, übernommen hat, koordiniert er den Berlin-Marathon. Mit seinem Team plant er die Veranstaltung bis ins Detail, auch das Einladen der Topathleten ist seine Aufgabe. Er hat dem Berlin-Marathon dadurch seit 2003 fünf Weltrekorde beschert.

Als sein Vater 1974 den ersten Marathon in Berlin ins Leben rief, den „1. Berliner Volksmarathon“, war Mark Milde ein Jahr alt. Schon als Kind half er mit, übernahm kleine Jobs. Er klebte Briefmarken, gab die Startnummern aus, begleitete Topläufer auf dem Fahrrad, war Streckenposten. In den Anfängen war die Veranstaltung fast ein Familienunternehmen. „Da wurden schon mal Pressemitteilungen zu Hause am Küchentisch verfasst.“

Heute ist das anders. „Wir sind jetzt über 40 Mitarbeiter bei SCC Events“, sagt Milde. SCC Events GmbH ist nun ein internationaler Veranstalter von Sportevents. Jährlich organisiert das Team nicht nur den Berlin-Marathon, sondern unter anderem auch die Messe Berlin Vital, den Berliner Silvesterlauf oder den Avon Running Berliner Frauenlauf. Insgesamt sind es 18 Veranstaltungen jährlich.

Kandidat für einen neuen Weltrekord im Blick

Ruhe vor dem Sport hat Milde also nie, das macht ihm aber nichts aus: „Ein Leben ohne Marathon kann ich mir schwer vorstellen.“ Außerdem gebe es langweiligere Jobs als eine Marathon-Veranstaltung zu organisieren, meint Milde und lacht. „Da ist es auch nicht schlimm, jedes Jahr das Gleiche zu machen. Routine und Erfahrung machen die Organisation sogar leichter.“

Die Topathleten, die Milde verpflichtet, müssen kein Startgeld bezahlen, im Gegenteil. „Neben Unterkunft und Verpflegung bezahlen wir diesen Athleten auch eine Prämie dafür, dass sie in Berlin laufen“, erzählt Milde. Das könne bis in den sechsstelligen Bereich gehen – sei aber im Vergleich zu anderen Sportarten wie Fußball, wo mehrere Millionen für Spieler gezahlt werden, absolut überschaubar. Im letzten Jahr stellte der Kenianer Wilson Kipsang Kiprotich einen neuen Weltrekord auf. Er bewältigte die Strecke von 42,195 Kilometern in zwei Stunden, drei Minuten und 23 Sekunden.

Ob es in diesem Jahr auch wieder einen Weltrekord gibt? „Das wäre natürlich schön – aber wichtiger ist es, dass alle Läufer heil ins Ziel kommen“, sagt der Renndirektor. Dann kommt Milde auf den 32-jährigen Dennis Kipruto Kimetto, ebenfalls aus Kenia, zu sprechen. Er sei ein vielversprechender Kandidat für einen neuen Weltrekord. Erst vor zwei Jahren war Kimetto seinen ersten Marathon gelaufen – würde er am Sonntag eine Rekordzeit erlaufen, hätte Milde wieder einmal bewiesen, dass er ein Händchen für Topathleten hat.

Großer Erfolg trotz kleiner Pannen

„Im August und September wird es immer stressig mit den Vorbereitungen“, gibt Milde zu. Da sei es wichtig, auch Momente für sich zu haben, in denen man entspannen könne. Aber nichts kann das Gefühl toppen, wenn Milde sieht, wie sich die einzelnen Puzzleteilchen perfekt zusammenfügen, wie die monatelang geplanten Abläufe reibungslos funktionieren und die Gesamtveranstaltung ein voller Erfolg wird.

Große Pannen sind noch nicht passiert. Letztes Jahr waren plötzlich zu wenige Medaillen vor Ort. „Wir hatten genug bestellt, aber die sind wohl vom Laster gefallen, wie man so schön sagt.“ Die „Finisher“, für die im Ziel keine Medaillen mehr übrig waren, bekamen natürlich eine nachgeschickt – mit ihrer persönlichen Zeit eingraviert.

Natürlich ist er vor dem Marathon-Tag ein wenig aufgeregt. „Eine gewisse Grundspannung spürt man immer, egal wie viele Marathons man schon organisiert hat“, stellt Milde fest. Aber am Marathon-Sonntag hat er für Aufregung eigentlich kaum Zeit. Dann kümmert er sich darum, dass die Läufer sich voll und ganz auf ihren Sport konzentrieren können. Alles muss reibungslos gehen – vom Sachen ablegen vor dem Marathon bis zur Medaillenübergabe und der Siegerehrung danach. Während des Laufs begleitet Milde die Topathleten; mit dem Motorrad ist er immer an der Spitze mit dabei. Auch der nächste Sonntag, der Marathon-Sonntag, wird für ihn um 5 Uhr morgens beginnen. Und er wird erst enden, wenn die letzten Gäste der Abschlussparty gehen.

Milde, der Betriebswirtschaftslehre studiert hat, ist selbst Marathon-Läufer, seine Bestzeit sind zwei Stunden und 50 Minuten für die 42,195 Kilometer. Zum ersten Mal lief er 1987 beim Berlin-Marathon mit. Er sprang kurzfristig ein, weil sich kein Freiwilliger gefunden hatte, der den ältesten Läufer begleiten konnte. Die beiden waren nach sieben Kilometern die Letzten. Auf Höhe der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche gab der älteste Läufer auf, dankbar, dass er es so weit geschafft hatte. Milde, der mit 14 Jahren damals jüngste Läufer, hielt noch bis Kilometer 21 durch, dann musste auch er aufgeben – er hatte sich im Tempo überschätzt.