Berliner Champions

Ole Braunschweig – Berlins Hulk lebt den Tokio-Traum

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Philip Häfner
Der Berliner Schwimmer Ole Braunschweig ist zuversichtlich, was die Olympia-Teilnahme 2020 angeht.

Der Berliner Schwimmer Ole Braunschweig ist zuversichtlich, was die Olympia-Teilnahme 2020 angeht.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services / FUNKE Foto Serivces

Der Berliner Schwimmer Ole Braunschweig hat die Olympischen Spiele 2020 fest im Blick. Glücksbringer dafür ist seine grüne Badekappe.

Berlin. Es ist beim Schwimmen nicht immer ganz einfach, die einzelnen Kontrahenten im Wasser auseinanderzuhalten. Ole Braunschweig ist für die Zuschauer dank seiner knallgrünen Badekappe jedoch klar zu erkennen. „So eine hat sonst niemand“, sagt der 21-Jährige. Bei einem Wettkampf in Irland hatte er einst mit einem irischen Schwimmer die Kappe getauscht und wurde mit neuer Kopfbedeckung prompt Zweiter.

Seitdem ist sie zu einer Art Glücksbringer geworden. „Sie gibt mir einfach ein gutes Gefühl“, sagt Braunschweig. Auch bei seinen bislang größten Erfolgen, den beiden deutschen Meistertiteln im August über 50 Meter und 100 Meter Rücken, trug er sie selbstredend wieder.

Als er danach im Becken ausgelassen die Muskeln spielen ließ, hatte er von seinem Trainer Lasse Frank bald darauf seinen Spitznamen weg: Hulk – so wie der grüne Kraftprotz aus dem Kino.

Die WM verpasste er wegen eines Infekts knapp

Braunschweigs Erfolg stellte bei den Titelkämpfen im Rahmen der „Finals 2019“ in Berlin eine absolute Ausnahme dar. Ansonsten hatten dort fast durchweg die WM-Starter triumphiert, die erst kurz zuvor von den Weltmeisterschaften in Gwangju (Südkorea) zurückgekehrt waren. Ole Braunschweig konnte Rückenspezialist Christian Diener dagegen sogar gleich doppelt bezwingen.

„Ich habe schon vor dem Start gemerkt, dass er an diesem Tag irgendwie nervös ist und mir geschworen, dass ich ihn dieses Mal knacke“, sagt er. Nachdem er die WM-Teilnahme aufgrund eines langwierigen Infekts nur knapp verpasst hatte, waren die beiden Goldmedaillen eine schöne Entschädigung.

Bei den Kurzbahnmeisterschaften, die in der nächsten Woche von Donnerstag bis Sonntag in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee ausgetragen werden, treffen die beiden erneut aufeinander. Ole Braunschweig startet dort über 50 Meter, 100 Meter und 200 Meter Rücken sowie mit der 4x50-Meter-Lagen-Mixedstaffel der SG Neukölln.

Biesdorfer ist Spezialist auf der langen Bahn

„Die Form stimmt“, sagt er. Bei den Berliner Meisterschaften wartete er unlängst mit guten Zeiten auf. Eigentlich ist der Biesdorfer eher ein Spezialist für die lange Bahn – die Wenden und die anschließenden Unterwasserphasen sind nicht unbedingt seine Stärke, auf der Kurzbahn aber mitentscheidend.

Trotzdem rechnet er sich sogar Chancen auf die Qualifikation zur Kurzbahn-EM Anfang Dezember in Glasgow aus. Es wäre seine erste Meisterschaft bei den Erwachsenen, nachdem er 2015 schon einmal bei einer Junioren-EM dabei war. Dafür müsste er die jeweilige Norm – 51,65 Sekunden für die 100 Meter, 1:54,00 Minuten für die doppelte Distanz – unterbieten und gleichzeitig unter den ersten Zwei landen.

Neben Christian Diener muss er dabei vor allem Jan-Philip Glania im Auge behalten: Der EM-Dritte von 2014 über 100 Meter Rücken hat nach dem erfolgreichen Abschluss seines Staatsexamens das Training unlängst wieder aufgenommen.

„Man gönnt ihm den Erfolg“

Braunschweigs Trainer Lasse Frank glaubt an seinen Schützling. „In diesem Sport muss man Leidenschaft und absoluten Willen mitbringen. Wenn jemand das verkörpert, dann er. Ole ist jemand, der sich alles hart erarbeiten musste, dem nicht alles einfach zugeflogen ist. Gerade deswegen gönnt man ihm den Erfolg von Herzen“, sagt er.

Tatsächlich stand Braunschweigs Schwimmkarriere schon mehrfach vor dem Aus. In der fünften Klasse fiel er wegen einer Hüft-OP ein Dreivierteljahr aus und wäre an der Sportschule beinahe aussortiert worden. Zwei Jahre später war er erneut Wackelkandidat. Niemand traute ihm zu, dass er es bis an den Stützpunkt schaffen würde, doch er strafte alle Kritiker Lügen.

„Er ist in allen Bereichen schon gut. Jetzt arbeiten wir daran, dass er in allen Bereichen sehr gut wird“, sagt Lasse Frank. Inzwischen sind sogar die Olympischen Spiele 2020 ein realistisches Ziel.

Bruder Malte hofft auf die Paralympics

„Ich kann das erreichen, wofür mich viele belächelt und gesagt haben, dass ich das nie schaffen werde. Dafür trainiere ich jeden Tag mit viel Ausdauer und Fleiß“, sagt Braunschweig. Auch sein jüngerer Bruder Malte (19) lebt den Tokio-Traum. Er ist im paralympischen Schwimmsport aktiv – sein rechter Arm ist fehlgebildet – und erzielte dort bei den vergangenen Weltmeisterschaften bei vier Starts ebenso viele deutsche Rekorde.

„Es ist unser großes Ziel, als Brüder gemeinsam nach Tokio zu fliegen. Das würde mir alles bedeuten“, sagt Ole Braunschweig. Auch wenn die grüne Badekappe bei einem Start für die Nationalmannschaft wohl ausnahmsweise zu Hause bleiben müsste.