Berliner Champions

Die Inlineskater von Unitas Berlin wollen in die ersten Liga

Unter dem Namen Unitas Berlin haben sich drei Vereine zusammengetan. Ihr Ziel ist der Aufstieg in die Inlineskaterhockey-Bundesliga.

Die Inlineskaterhockey-Mannschaft der Red Devils Berlin.

Die Inlineskaterhockey-Mannschaft der Red Devils Berlin.

Foto: David Heerde

Berlin. Matthias Pipke erinnert sich noch gut an die Zeiten, in denen der härteste Gegner seiner Mannschaft die Witterung war. Bis vor ein paar Jahren wurde Inlineskaterhockey noch hauptsächlich draußen betrieben, auf aufgetauten Eisbahnen, was bedeutete, dass bei Dauerregen schnell ein ganzer Spieltag ins Wasser fiel.

Ein Hemmnis für die Entwicklung des Sports, denn so überlegten es sich gerade jüngere Spieler lieber zweimal, ob sich das wirklich antun wollten. Dass Inlineskaterhockey inzwischen wetterunabhängig in Turnhallen ausgetragen wird, habe der Sportart daher einen deutlichen Schub verpasst, sagt Pipke, Vorstand bei den Red Devils aus Steglitz.

Red Devils waren Gründungsmitglied

Im übertragenen Sinn gilt das auch für seinen eigenen Verein. Der war 1996 Gründungsmitglied der Bundesliga, spielte zuletzt aber schon länger nicht mehr ganz oben mit. Unter einem neuen Dach hoffen die Red Devils nun wieder auf bessere Zeiten. Der Klub hat sich mit den Buffalos aus Schöneberg und den Spreewölfen aus Moabit zum Projekt Unitas Berlin zusammengetan. Gemeinsam soll der Sprung in die erste Liga gelingen.

In der Jugend waren die Red Devils auch bisher schon sehr erfolgreich – was dem Verein bislang noch fehlte, war ein Spitzenteam bei den Erwachsenen. Das hatten dafür die Buffalos, die seit zehn Jahren durchgehend in der ersten oder zweiten Liga präsent sind, die aber wiederum im Nachwuchsbereich nicht so breit aufgestellt waren.

Seit 2017 kooperieren die beiden Vereine deshalb, seit dieser Saison sind auch die Spreewölfe mit dabei. „Wenn wir mit den starken Vereinen aus Nordrhein-Westfalen mithalten wollen, müssen wir unsere Kräfte bündeln“, sagt Jörg Ogilvie, Vorstand der Spreewölfe und Vorsitzender des Berliner Verbandes.

Vereine aus dem Westen sind dominant

Die Vereine aus dem Westen dominieren das Inlineskaterhockey. In der vergangenen Saison kamen von zwölf Bundesligisten elf aus Nordrhein-Westfalen. „Aufgrund dieser Dichte haben die dortigen Klubs ganz andere finanzielle Voraussetzungen“, meint Ogilvie, vor allem deutlich niedrigere Reisekosten. „Sie fahren einfach mit der S-Bahn zum Spiel und schlafen zu Hause“, sagt er, während seine Spieler an einem Auswärtswochenende locker 1000 Kilometer unterwegs seien und die Nacht im Hotel verbringen würden.

Mit vereinten Kräften wollen sich die Berliner Klubs dieser Übermacht entgegenstellen. Bereits im vergangenen Jahr fehlten nur zwei Tore zum Aufstieg in die erste Liga. Die neue Saison startet am kommenden Wochenende. Anders als viele andere Klubs verzichten die Berliner in dieser Spielzeit auf den Einsatz von Eishockeyspielern, die die Sommerpause mit Inlineskaterhockey überbrücken wollen.

Eishockeyprofi Müller spielte für die Buffalos

Zwar kam auch bei den Buffalos bis vor Kurzem noch Marcel Müller zum Einsatz, Profi in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Kölner Haien. Doch weil die Saison auf Rollen mittlerweile bis in den Dezember verlängert wurde, machen solche Einsätze aus Sicht von Spielertrainer Fabian Rudloff heute kaum noch Sinn. Er meint: „Wir brauchen Spieler, die uns das ganze Jahr weiterhelfen und nicht in der entscheidenden Phase ausfallen, weil sie dann zurück aufs Eis gehen.“

Inlineskaterhockey und Eishockey sind sich grundsätzlich ähnlich, doch einige Unterschiede existieren. In der Inline-Variante ist das Spielfeld mit 20 x 40 Metern (statt 30 x 60) etwas kleiner, entsprechend gibt es neben dem Torwart auch nur vier statt wie beim Eishockey fünf Feldspieler.

Abseits und unerlaubten Weitschuss kennt das Regelwerk nicht, dafür einen Freistoß sowie gelbe und rote Karten, die sich ähnlich auswirken wie eine Disziplinar- beziehungsweise Matchstrafe auf dem Eis. Nur in den unteren Ligen wird zudem mit laufender Zeit gespielt. Die Ausrüstung ist ebenfalls ähnlich; lediglich der Brustpanzer ist beim Inlineskaterhockey keine Pflicht, weshalb die Spieler meist nicht ganz so massig ausschauen.

Anders als beim Inlinehockey ist ein Ball im Spiel

Gespielt wird anstelle eines Pucks mit einem Ball, was das Inlineskaterhockey auch vom Inlinehockey unterscheidet, einer weiteren artverwandten Sportart, in der es jedoch weit weniger körperbetont zugeht. „Bei uns geht es dagegen ziemlich zur Sache“, sagt Fabian Rudloff. Durch das kleinere Feld ist das Spiel sogar noch rasanter als die Kufenvariante, es gibt deutlich mehr Torszenen – 20 Treffer in einem Spiel sind keine Seltenheit.

Viele Eishockeyspieler nehmen das Inlineskaterhockey zwar immer noch nicht ernst, doch ihre Klubs haben das Potenzial längst erkannt. Zum Teil sei es inzwischen sogar so, dass das Inlineskaterhockey die Ausbildung der jungen Eishockeyspieler mit übernimmt, sagt Matthias Pipke, weil die Turnhallen anders als die Eisflächen ganzjährig zur Verfügung stehen. Bis vor ein paar Jahren war daran noch gar nicht zu denken.