Ab Donnerstag drehen sich im Velodrom wieder die Räder, das 108. Berliner Sechstagerennen beginnt. Seit der Übernahme durch die Londoner Madison Sports Group 2016 hat sich viel verändert, zum dritten Mal schon ist Berlin Teil der von den Briten ins Leben gerufenen Sixdays-Serie. Diese wurde gerade um den Standort Hongkong erweitert, wo im März gefahren wird. Geschäftsführer James Durbin, ein 42 Jahre alter Australier, spricht über Expansionsziele, mehr Unabhängigkeit für den Sechstagesport und einen Namenssponsor für das Berliner Rennen.

Erst vor der Saison sind zu London, Berlin und Kopenhagen drei neue Standorte hinzugekommen mit Melbourne, Manchester und Brisbane. Nun wächst die Sixdays-Serie erneut mit Hongkong. Wohin soll das führen, Herr Durbin?

James Durbin: Es ist gerade eine unglaublich aufregende Zeit für uns und den Bahnradsport. Die Sixdays-Serie macht sich auf den Weg um die Welt. Unsere Ambitionen sind dabei fast schon ein bisschen dreist, aber wir wollen möglichst auf jedem Kontinent fahren, eine weltweite Plattform schaffen, ein globales Publikum erreichen und irgendwann mehr als 20 Veranstaltungen im Jahr organisieren.

Das klingt nicht bescheiden. Dabei hatten Sie im Vorjahr sogar eine Reduzierung der Serie vornehmen müssen. Was begünstigt den neuen, gegenläufigen Trend?

Alle neuen Rennen gehören der Madison Group, das macht es einfacher. Dadurch wird das Risiko für uns natürlich größer, aber die potenzielle Belohnung dafür höher. Wir haben viel gelernt in den vergangenen Jahren, unser Wissen, wer zu den Rennen geht und was die Leute dort erwarten, steigt jedes Jahr. Dadurch können wir gezielter auf potenzielle Partner zugehen. Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es jetzt einen deutlichen Zuwachs an Partnern, was zeigt, dass der Bahnradsport ein sehr interessanter Sport ist, an dem andere teilhaben möchten. Auch der Weg, wie wir ihn präsentieren, sagt den kommerziellen Partnern zu.

Vorrangig verkaufen Sie ihn als eine Reihe von einzelnen Wettbewerben, die zusammengehören. Warum ist das so wichtig?

Eine Serie zu etablieren, ist die Basis für das, was wir vorhaben. Eine Serie kreiert eine Geschichte für die Fans, alle Rennen haben eine Verbindung zueinander. Wenn wir damit alle Fans der einzelnen Rennen für die ganze Serie interessieren können, ist das eine tolle Plattform für eine globale Marke.

Noch liegt auf dieser Serie der Makel, dass viele Fahrer nicht an allen Rennen teilnehmen. Das erschwert die Identifikation mit dem Produkt.

Wir arbeiten daran, mehr Konstanz in das Fahrerfeld zu bringen. In diesem Jahr wurden die Fahrer bereits auf Basis der Serie unter Vertrag genommen, um ihnen einen Anreiz zu bieten, mehr Rennen mit uns zu bestreiten. Wir haben jetzt 80 Prozent des Feldes, das wenigstens drei Rennen absolviert. Wir bewegen uns also in die Richtung, mehr Konstanz zu erreichen. Das ist wichtig, um der Serie zu folgen.

Die Struktur des Radsports erlaubt eigentlich nicht viel mehr als den Status quo. Wie wollen Sie die Sportler noch stärker an die Serie binden?

Solange wir weitere Wettbewerbe hinzufügen können, wird sich die Zahl derjenigen, die immer mehr Rennen bestreiten, weiter erhöhen. Letztlich wollen wir eine alternative Karriere für Bahnfahrer eröffnen, die ihnen eine finanzielle Möglichkeit bietet, sich das ganze Jahr auf diese Bahnrennen zu konzentrieren. Damit sie eben nicht mehr gezwungen sind, auf der Straße das Geld zu verdienen und bei ein paar Sechstagerennen noch etwas obendrauf zu bekommen. Dafür müssen wir den Fahrern natürlich genug bezahlen, damit sie die Serie als echte Alternative betrachten. Das ist ein sehr großes Investment von unserer Seite.

Welchen Zeitrahmen haben Sie im Kopf?

Wir wollen drei weitere Rennen pro Jahr hinzufügen, bis wir auf zwölf bis 15 kommen. An diesem Punkt wird die Serie zu einer verlässlichen Karriere für Bahnfahrer. Wir schätzen, dass in der Serie ein Potenzial liegt, um 70 bis 100 Fahrern eine Vollzeit-Laufbahn zu bieten. Wenn sich alles so entwickelt, wie wir uns das vorstellen, könnten wir uns mit unseren Terminen irgendwann auch mehr in den Herbst und in den Frühling bewegen.

Sollen die künftigen Rennen mehr traditionelle wie in Berlin oder London über sechs Tage werden oder wie an den neuen Standorten erst einmal eher über drei Tagen laufen?

Schwer zu sagen. In einen neuen Markt, in dem das Format nicht so vertraut ist, gleich mit sechs Tagen zu starten, ist sehr riskant. Wir werden eher mit drei Tagen beginnen und hoffen, das irgendwann auf sechs Tage ausdehnen zu können. Ich sehe uns generell in eine Richtung gehen, die an das Tennis erinnert. Dort gibt es große und kleine Turniere, die unterschiedlich lang dauern. Wir sind in einer Situation, in der wir neue Märkte testen und sehen, was dort funktioniert.

In London sind Sie sogar schon so weit, dass es einen Namenssponsor für das Rennen gibt. Ist das auch ein Modell für andere Standorte?

Wir suchen nach Namenssponsoren. In Berlin etwa gibt es eine große Tradition, die Marke des Sechstagerennens hat hier einen großen Wert. Deshalb wollen wir sichergehen, dass wir den richtigen Partner finden und lassen uns damit Zeit. Aber in den nächsten Tagen wird es während des Rennens bereits konkrete Gespräche mit möglichen Partnern diesbezüglich geben.

Spielt in Ihren Expansionsplänen auch Deutschland eine Rolle?

Sicher, einige Städte haben bereits Interesse signalisiert. Hier gibt es so viel Geschichte bezüglich der Sechstagerennen, und wir würden auch gern ein weiteres Rennen hier etablieren. In den nächsten Jahren werden wir aber vor allem sehr genau auf den asiatischen Markt schauen. Dort sehen wir gute Chancen für uns. Europa ist jedoch die Heimat des Sechstagerennens, hier sollen einige Veranstaltungen hinzukommen. Nach Nord- und Südamerika würden wir auch gern gehen, doch es dürfte schwieriger werden, in die Märkte zu gelangen. Um dort zu starten, brauchen wir eine starke Position auf den anderen Kontinenten. Letztlich wollen wir nach New York in den Madison Square Garden und den Kern des Sechstagerennens, das Madison, dorthin zurückbringen, wo es seinen Ursprung hat. Das ist unser Traum.