Nachwuchssportler

Wenn Lara Lessmann auf einmal loslässt

Die BMX-Fahrerin Lara Lessmann ist erst 17, beherrscht aber schon einen Sprung, den keine andere Frau kann. Sie träumt von Olympiagold 2020 in Tokio.

Bloß keinen Mädchenbonus: Lara Lessmann überzeugt mit Leistung

Bloß keinen Mädchenbonus: Lara Lessmann überzeugt mit Leistung

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin.  Es war der anstrengendste Wettkampf ihres Lebens. Nie zuvor hatte sich Lara Lessmann (17) so verausgabt wie im vergangenen November bei der Premiere der Urban-Cycling-WM in Chengdu. Das lag zum einen am Smog, der über der chinesischen Millionenstadt hing und den BMX-Freestyle-Fahrerinnen den Atem raubte, zum anderen aber auch daran, dass es das größte Ereignis in ihrer noch jungen Karriere war. Zum ersten Mal hatte der Radsport-Weltverband ein gemeinsames Event für die Trendsportarten MTB-Eliminator, Trial und BMX-Freestyle ausgerichtet – und Lara gewann auf Anhieb die Silbermedaille, nur zwei Punkte fehlten ihr zu Gold. „Das war ein bisschen ärgerlich“, sagt sie. Dafür landete sie jetzt bei der Wahl zu Berlins Nachwuchssportler des Monats Januar ganz vorn.

Die schwerste Übung heißt Crankflip Barspin

Beim BMX-Freestyle müssen die Fahrer einen Parcours mit Rampen, Sprüngen und anderen Hindernissen bewältigen, wobei sie auf ihren Rädern spektakuläre Tricks zeigen. Laras schwerste Übung ist ein sogenannter Crankflip Barspin – dabei lässt sie gleichzeitig Lenker und Pedale los und dreht beides jeweils um 360 Grad. Keine andere Frau auf der Welt beherrscht diesen Trick. Am wichtigsten sei jedoch, dass man im Wettkampf mit Freude bei der Sache ist, so die Friedrichshainerin.

Als sie neun Jahre alt war, nahm sie ihr älterer Bruder mit auf den Skatepark – das war damals noch in ihrer Heimatstadt Flensburg. Sie war das einzige Mädchen, weshalb es anfangs so manchen dummen Spruch gab. Inzwischen hat sie mit ihrer Leistung aber auch die letzten Zweifler überzeugt. „Ich will auch keinen Mädchenbonus“, sagt sie.

Begeistert von Möglichkeiten im Mellowpark

Seit September 2017 lebt Lara Lessmann in Berlin, weil sie dort die Möglichkeit hat, die Sportschule zu besuchen. Sie hat sich dem Verein Mellowpark e.V. angeschlossen und schwärmt von den hervorragenden Trainingsbedingungen auf dem Gelände an der Wuhlheide, der schon jetzt zu den größten Skateparks Europas zählt. Durch den Bau des neuen BMX-Superparks eröffnen sich bald aber noch ganz andere Möglichkeiten. „Künftig können wir dort noch besser trainieren“, sagt Lara Lessmann. Aus Berlin stammt auch Bundestrainer Tobias Wicke; zudem ist Jens Werner, der Projektleiter des Mellowparks, als BMX-Freestyle-Koordinator im Bund Deutscher Radfahrer tätig. Für beide ist Lara Lessmann momentan das größte Talent hierzulande.

Ihr nächstes Ziel sind die Olympischen Jugend-Sommerspiele im Oktober in Buenos Aires und die WM in China – bei beiden Veranstaltungen will die Berlinerin Gold gewinnen. Außerdem gilt es schon jetzt Punkte zu sammeln für die Qualifikation zu Olympia 2020 in Tokio, wo BMX-Freestyle erstmals zum Programm gehört. Nur neun Fahrerinnen können dabei sein, doch Lara traut sich zu, dass sie zu diesem Kreis gehört. „In Tokio will ich aufs Treppchen“, sagt sie. „Am liebsten ganz nach oben.“

Jeden zweiten Dienstag im Monat stellen wir Berlins Nachwuchssportler des Monats vor. Alles zur Wahl und Stimmabgabe unter www.morgenpost.de/nachwuchssportler