Das Lob kam von höchster Stelle. „Du wirst vielleicht mal besser sein als ich“, sagte Martin Kaymer zu Alexandra Försterling, als sich die beiden 2014 am Rande des Ryder Cups in Gleneagles trafen. Kaymer ist der beste deutsche Golfspieler, die Berlinerin ein aufstrebendes Talent. Sie war damals zum Junior Ryder Cup in Schottland, einem Kontinentalvergleich zwischen den besten Nachwuchsgolfern aus Europa und den USA, der jedes Jahr im Rahmen des großen Ryder Cups ausgetragen wird. Die meisten anderen Teilnehmer waren 16, Försterling war mit ihren 14 Jahren die Jüngste im Feld. Und Martin Kaymer konnte kaum glauben, dass jemand in diesem Alter schon so gut spielte.

Ihr Klub in Wannsee kümmert sich um den Golf-Nachwuchs

Schon als kleines Kind stand Alexandra Försterling das erste Mal auf einem Golfplatz. Anfangs hatten ihre Eltern im Cart noch Spielzeug dabei, damit sie sich beschäftigen konnte, während sie selbst eine Runde Golf spielten. Doch bald wollte sie ihren eigenen Schläger haben. „Ich habe den Ball schon damals ganz gut getroffen“, erinnert sie sich. Ihre Eltern meldeten sie deshalb zur Talentsichtung beim Golf- und Land-Club Wannsee (GLCW) an.

Der Verein setzt mehr als andere auch auf den Nachwuchs, leistet sich mit Miriam Hiller sogar eine hauptamtliche Koordinatorin für den Jugend- und Leistungssport. „Als ältester Golfklub in Deutschland sehen wir uns auch in einer gewissen Verantwortung für die Sportart“, sagt sie. Seit 15 Jahren gibt es das Jugendförderprogramm, das auch Kindern von Eltern offensteht, die nicht selbst Mitglied im Verein sind.

Försterling ist eines der Aushängeschilder des Programms. Erst kürzlich nahm sie an der Team-Europameisterschaft teil. Bereits 2014 gewann sie das European Young Masters; 2016 die Berlin Open; 2013 war sie in ihrer Altersklasse Deutsche Meisterin. In diesem Jahr will sich die 17-Jährige für den Nachwuchswettbewerb des Solheim Cups qualifizieren – das weibliche Pendant zum Ryder Cup. Dafür reist sie zurzeit quer durch Europa, um auf Turnieren die nötigen Ranglistenpunkte zu erspielen: nach Spanien, Portugal und Italien, nach Frankreich und Schottland. „Wenn es noch Stempel im Pass gäbe, wäre meiner wohl bald voll“, sagt die Tempelhoferin.

Als Schülerin belächelt

In der Schule wurde sie oft belächelt, wenn sie davon erzählte, dass sie Golf spielt. Ihre Mitschüler hielten Golf für langweilig, ein Sport für ältere Herren – oder sie stellten gleich ganz in Frage, dass es sich überhaupt um einen ernsthaften Sport handelt. „Die hatten keine Ahnung. Das hat mich richtig wütend gemacht“, sagt Alexandra Försterling. Dreimal pro Woche steht sie auf dem Platz, zudem hält sie sich mit Fitness in Form. „Wer schon einmal Golf gespielt hat, der weiß, wie anstrengend das sein kann“, sagt sie.

Dabei lässt sie selbst schwierige Schläge leicht aussehen. Ihre Stärke sind die langen Bälle. „Wenn man hoch und weit springen kann, dann kann man auch weit schlagen. Und ich bin wie ein Känguru“, so Försterling. Doch Golf ist vor allem auch Kopfsache. „Die vermeintlich leichten Schläge sind oft die schwersten“, sagt sie. Deshalb arbeitet sie mit einem Mentaltrainer zusammen. Golf-Trainerin Miriam Hiller meint: „Auf diesem Level macht der Kopf den Unterschied aus.“

Nächstes Jahr macht Försterling Abitur. Danach zieht es sie voraussichtlich in die USA an ein Sportcollege, wo sie neben dem Studium weiter Golf spielen kann. Ihr Ziel ist die Profi-Tour. Bis es soweit ist, spielt sie aber noch in der Bundesliga für den Golf- und Land-Club Wannsee. Die neue Saison hat gerade begonnen. 2015 war das Team Deutscher Meister, im vergangenen Jahr wurden die Berlinerinnen Dritter, und auch dieses Mal soll es wieder ins Final Four gehen.

Sie hätte den Ryder Cup gern in Bad Saarow gesehen

„Die Bundesliga ist der wichtigste Teamwettbewerb in Deutschland“, sagt Alexandra Fösterling. Auch die Männer des Klubs spielen dort. Die Teilnehmer sind bis auf wenige Ausnahmen Amateure – Profis wie Martin Kaymer treten in der Golf-Bundesliga nicht an.

Alexandra Försterling hatte deshalb gehofft, dass Bad Saarow den Zuschlag für den Ryder Cup 2022 bekommt, damit sie den deutschen Star der Szene wieder einmal treffen kann. Doch die Veranstaltung wurde stattdessen nach Italien vergeben. Die Teenagerin bedauert das sehr. Sie hat selbst schon auf dem Platz gespielt, auf dem auch der Ryder Cup ausgetragen werden sollte. „Es wäre interessant gewesen zu sehen, wie sich die besten Spieler der Welt dort anstellen“, sagt Alexandra Försterling.

Die Morgenpost berichtet in ihrer Serie jeden Mittwoch über erfolgreiche Berliner Sportler, die ins Rampenlicht drängen.