American Football

Plötzlich fliegen die Berlin Rebels den Adlern davon

Das Football-Team steht erstmals an der Spitze der Bundesliga. Sogar der Meister wurde geschlagen. Am Sonnabend startet die Rückrunde.

Passt: Schon öfter musste ein Berlin Rebel einem geschlagenen Gast aufhelfen

Passt: Schon öfter musste ein Berlin Rebel einem geschlagenen Gast aufhelfen

Foto: Berlin Rebels / BM

Berlin.  Der Blick auf die aktuelle Tabelle der German Football League (GFL) ist für Dogan Özdincer noch etwas ungewohnt. Seit 2010 ist der 38-Jährige für die Berlin Rebels tätig, erst als Coach und seit 2015 als sportlicher Leiter. Jahr für Jahr hat er mit ansehen müssen, wie die durchaus talentierten Berliner Footballspieler an der Qualifikation für das Play-off um die Meisterschaft scheiterten.

Die vier besten Mannschaften aus Liga Nord und Liga Süd qualifizieren sich für die Teilnahme an dem so genannten German Bowl, der im Oktober in Berlin stattfindet. Jahr für Jahr landeten die Rebels auf Platz fünf, es schien schon fast ein Fluch zu sein.

In dieser Saison aber ist alles anders, vor dem Start der Rückrunde am Sonnabend um 17 Uhr bei den Düsseldorf Panthers stehen die Rebels mit 13:1 Punkten an der Spitze der GFL. Vor vier Wochen besiegten sie sogar Meister Braunschweig Lions 30:24. Neben den Schwäbisch Hall Unicorns sind sie das einzige Team ohne Niederlage. „So gut standen wir noch nie da“, sagt Özdincer.

Noch sieben Spiele bis zum Play-off

Vom Papier her ist die Begegnung am Sonnabend klar: Ungeschlagener Spitzenreiter trifft auf siegloses Schlusslicht. Doch so richtig dominant fühlen sich die Berliner nicht. „Für die Jungs ist das noch Neuland, ganz oben zu stehen, wir müssen mal sehen, wie wir das psychologisch angehen“, sagt Özdincer. Sieben Spiele haben die Rebels hinter sich, genau so viele warten aber noch bis zum Play-off. „Wenn wir die alle verlieren, haben wir gar nichts davon“, sagt Özdincer.

Momentan sieht es aber nicht aus, also sollte dieses Szenario eintreten: Im Angriff bauen die Berliner auf das beste Laufspiel der Liga, mit Larry McCoy haben sie einen Runningback in ihren Reihen, der schon 16 Touchdowns erzielt und für 1050 Yards Raumgewinn gesorgt hat. An McCoy allein liegt es aber nicht. Schließlich trug der massige US-Amerikaner 2015 bereits den Titel „Top Rusher of the League“ mit 1590 erlaufenen Yards. Und da waren die Rebels am Ende mal wieder Fünfter.

„Wir haben viel mentales Training mit den Jungs gemacht“, verrät Özdincer. „Jetzt gehen sie endlich mit der richtigen Ernsthaftigkeit an die Sache heran und haben keine Angst mehr vor den großen Teams.“ Dazu gehörten lange Zeit die Berlin Adler, sechsmaliger Meister, zweimal Eurobowl-Gewinner.

Der Trainer kommt von den Adlern

2013 gelang den Rebels zum ersten Mal ein Sieg gegen den Konkurrenten, aus dem sie sich einst abgespaltet haben. Nun scheinen sie an den Adlern vorbeizuziehen, die sich nach finanziellen Problemen erst wieder etablieren müssen.

Auch ihren Trainer haben die Rebels von den Adlern zurückgeholt. Kim Kuci war 2002 bis 2013 bei den Rebels erst als Spieler, als Jugendtrainer und als Head-Coach der ersten Mannschaft aktiv, 2014 führte er die Adler zum Eurobowl-Sieg, nach einem Abstecher in die Arena Football League kehrte der 42-Jährige im Winter zu den Rebels zurück.

„Ich glaube, dass er ein bisschen überrascht war, wie viel Lust diese Truppe hatte zu arbeiten“, sagt Özdincer. „Ich bin ganz zufrieden“, sagt Kuci. Doch auch, wenn er lieber kein Saisonziel anpeilen möchte, Gedanken um die Meisterschaft macht er sich bereits: „Ins Play-off zu kommen ist schön, aber da sang- und klanglos unterzugehen, wäre genauso doof, wie es gar nicht erst zu schaffen.“ Die Berlin Rebels haben also in dieser Saison noch einiges vor.