Der FC Bayern hat am Mittwochabend noch Glück gehabt. Torwart Manuel Neuer hätte sich nicht beschweren können, wenn der Schiedsrichter ihm die Rote Karte gezeigt hätte. Zudem hatte der FC Porto Chancen, das Hinspiel des Viertelfinals der Champions League noch höher als 3:1 zu gewinnen. Es war die schwächste Leistung der Münchner in der Königsklasse seit dem inzwischen legendären 0:4 gegen Real Madrid im Halbfinale der Vorsaison.

Ein Ausscheiden gegen Porto würde die Blamage von damals noch überbieten. Weil es eine Runde früher wäre. Weil Porto zwar spielstark, aber längst nicht so namhaft ist wie Real. Weil die Bayern im Hinspiel so überraschend deutlich unterlegen waren.

Und vor allem, weil sie in dieser Saison so große Ziele haben. Und so weit hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieben, würden sie in der Runde der letzten acht rausfliegen.

Insbesondere für Trainer Pep Guardiola müsste es wie ein Scheitern empfinden. Er muss sich nach dem Gewinn des Doubles in der Vorsaison an internationalen Erfolgen messen lassen.

Die Niederlage von Porto wirft Fragen auf. Warum sind routinierte Spieler wie Xabi Alonso und Dante in einem so wichtigen Spiel so unkonzentriert? Warum bekommt die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola auch nach dem Tor zum 1:2 keine Stabilität in ihr Spiel?

Es wirkte, als wäre Unsicherheit ansteckend

Vor der Partie war viel über die lange Verletztenliste der Bayern gesprochen worden. Entscheidend für die Niederlage war dann aber nicht das Fehlen der Stars. Sondern schlicht amateurhafte Fehler. Es wirkte, als würden sich die Spieler mit ihrer Unsicherheit gegenseitig anstecken. Und es wurde deutlich, dass mancher Spieler derzeit zu sehr mit sich selbst zu kämpfen hat.

Alonso ist sein Leistungsabfall seit der Hinrunde offensichtlich selbst ein Rätsel. In Porto schlug er mit der Hand frustriert auf den Rasen. Es wirkte, als könne er das alles nicht begreifen, was er da spielt. Die Partie in Portugal war für ihn über weite Strecken viel zu schnell.

Die vielen Verletzten, die zahlreichen Spiele im Drei-Tage-Rhythmus, die fehlende Spritzigkeit, dadurch auch fehlende Konzentration – alles Erklärungsansätze. Für die Spieler aber keine Entschuldigungen.

Und wenn der „Worst Case“ eintritt? Was dann?

Weltmeister Thomas Müller hat recht, wenn er sagt, dass es kein Fußball-Wunder wäre, sollte der FC Bayern trotz der überraschenden Pleite noch das Halbfinale erreichen. Doch in der Verfassung vom Mittwoch wird es nicht reichen.

Möglicherweise können Bastian Schweinsteiger und Franck Ribery in der zweiten Begegnung am Dienstag spielen. Verbessern muss sich vor allem die Defensive. Gut möglich, dass Guardiola den in Porto ganz schwachen Dante rausnimmt und im Rückspiel auf Holger Badstuber setzt.

In den kommenden Wochen geht es für die Bayern um enorm viel. Plötzlich wird öffentlich über den „Worst Case“ gesprochen: Ausscheiden gegen Porto, Ausscheiden im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund Ende April – und dann?

Seit Mittwochabend ist das Selbstvertrauen der Bayern beschädigt. Ein Sieg bei der TSG Hoffenheim am Samstag würde in dieser Hinsicht am meisten helfen. Unabhängig davon braucht es am Dienstag im Rückspiel eine komplett andere Einstellung und Leistung als in Porto.