Laureus Awards

Bei der Gala drehte sich alles um Tennis-Ikone Li Na

Die Chinesin erhielt in Shanghai den „Sport-Oscar“ für ihre „besonderen Leistungen“. Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin war eine Ausnahmeerscheinung im Welttennis – und veränderte das Business entscheidend.

Foto: Wu Hong / dpa

Bei Li Na ist immer alles viel größer als bei allen anderen. Das war schon im Tennis so, als die ersten Grand-Slam-Siege einer Athletin aus dem Reich der Mitte von 200 bis 300 Millionen Menschen atemlos verfolgt wurden. Und das ist auch so bei den Zeremonien rund um die Wahl zu den Weltsportlern des Jahres 2014, bei den Laureus Awards in Shanghai.

Als die inzwischen in den Ruhestand getretene Sport-Ikone am Dienstag das internationale Medienzentrum betrat, verfolgten Dutzende Kamerateams und Hundertschaften von chinesischen und internationalen Reportern die zweimalige Grand-Slam-Siegerin (French Open, Australian Open) auf Schritt und Tritt.

„Ganz schön was los, mehr als früher bei einem Tennisturnier“, sagte Frau Na da, eine Frau, die für ihre lakonischen, ironisch eingefärbten Anmerkungen genau so bekannt gewesen ist wie für ihre Schlagkraft auf den Centre Courts.

Erwartet erstes Kind

Noch im Januar hatte sie in der Rod-Laver-Arena von Melbourne – sie ist offizielle Turnierbotschafterin der Australian Open – bekannt gegeben, dass sie ihr erstes Kind erwartet – und ihren Gatten Jiang Shan dafür mit den Worten gelobt: „Da hat er mal einen Volltreffer gelandet.“

Bei den Laureus Awards galt Na als Favoritin bei der Kür der Weltsportlerin 2014. Sie holte sich letztlich den Preis für „besondere Leistungen“, einen Sonderpreis, den zuvor nur Schwimmstar Michael Phelps erhalten hatte. Weltsportlerin wurde die äthiopische Läuferin Genzebe Dibaba.

Auch wenn sie Fans, Mitspielerinnen und Journalisten nicht mehr zum Schmunzeln bringt, weil sie nun nicht mehr das tut, was sie 20 Jahre lang getan hat, nämlich Tennis spielen, ist Li Na noch immer allgegenwärtig in der Welt ihres Sports – und natürlich daheim in China. „Sie ist eine historische Figur. Eine, die das Gesicht des Tennis verändert hat“, sagt die Präsidentin der Spielerinnenvereinigung WTA, Stacey Allaster.

Und tatsächlich: Dass China heute eine ganz und gar nicht mehr heimliche Macht im Milliardengeschäft des Tenniscircuit ist, das ist vor allem der Spielerin zu verdanken, die es auf ihrem langen Weg zum Ruhm mit allen möglichen Widrigkeiten und Widerständen, mit grimmigen Funktionären und ebenso grimmigen Gegnerinnen aufnahm.

Sie öffnete den Markt der Zukunft

„Niemand hat so viel Einfluss auf das moderne Tennis-Business gehabt wie Li Na“, sagt der ehemalige Australian Open-Turnierdirektor Paul McNamee, „den Markt der Zukunft, also China, hat sie mit ihren Erfolgen erst geöffnet.“

Längst ist das asiatische Riesenreich zu einem Faktor geworden, der das Denken und Handeln in der Tenniskarawane bestimmt – bei den Grand-Slam-Funktionären, den Fernsehmachern und den großen internationalen Sponsoren.

Na war immer eine Ausnahmeerscheinung im chinesischen Tennis und im Welttennis. Die erste Spielerin des Milliardenvolks, die ein WTA-Turnier gewann. Die erste Spielerin, die in die Top 30 der Weltrangliste stieß. Die erste Spielerin, die ein Grand-Slam-Finale erreichte und dann auch den ersten Pokal-Coup landete.

Tennis-Akademie geplant

Mit ihrem Gatten Shan, den sie schon aus Sandkasten-Zeiten kennt, durchmaß sie alle Höhen und Tiefen dieser außergewöhnlichen Karriere – einer Karriere, die vom Freiheitswunsch im Zwangsapparat geprägt war. „Ich habe mir meine Freiheit erkämpft. Durch Leistung“, sagt Na.

Viel ruhiger ist das Leben der werdenden Mutter nach dem Tennis noch nicht geworden, immer mal wieder reist sie für Termine ihrer Sponsoren umher. „Langsam wird es Zeit, kürzer zu treten“, sagt sie, bereitet aber schon jetzt, vor der Geburt des ersten Kindes, den Aufbau einer Li-Na-Tennisakademie vor.

Mit dem Ziel, dass der eigene Nachwuchs dort auch einmal an der Karriere basteln könnte? „Ich hätte nichts dagegen, aber ich werde meine Kinder zu nichts drängen“, sagt Frau Na, „das mochte ich schließlich auch nicht.“