Triathlon

Ein Berliner startet beim Ironman auf Hawaii

Der Berliner Nils Frommhold startet beim legendären Ironman auf Hawaii und will lernen, wie man dort gewinnt. Bislang verlief seine Saison sehr gut, er hat den Sprung in die Spitze geschafft.

Foto: Daniel Karmann / pA/dpa

Soll der Mythos erst mal Mythos bleiben. Nils Frommhold sucht Abstand. Gut zehn Kilometer genügen, um Ruhe zu finden. Am Alii Drive mitten in Kona flippen sie in diesen Tagen fast aus. In der westlichen Ecke von Big Island, der größten Insel Hawaiis, bereitet sich alles auf den Ironman vor, das Triathlon-Ereignis des Jahres. Es ist hektisch, laut, nicht der richtige Ort, um sich zu konzentrieren.

Also bevorzugt Frommhold den Rückzug, bevor der Angriff kommt. Obwohl er nie sagen würde, dass er in dieser Nacht auf Sonntag groß was ausrichten kann (23.55 Uhr, Hessen 3). „Das ist eher so ein langsames Rantasten. Dort braucht man die Erfahrung, deshalb fällt es mir schwer zu sagen, was ich erreichen will“, erzählt der 28-jährige Berliner. Hawaii ist ja nicht irgendein Triathlon. Stichwort Mythos. Hier wurde dieser Sport erschaffen. 3,86 Kilometer gegen die Wellen im rauen Pazifischen Ozean anschwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Rad gegen die berüchtigten Mumuku-Winde anstrampeln und 42,195 Kilometer durch Lavafelder gegen Hitze, Luftfeuchtigkeit, Einsamkeit und sich selbst laufen. Eine sich ständig steigernde Quälerei.

Zum ersten Mal ist Frommhold dabei. „Ich gehe hin um zu sehen, was mich erwartet“, sagt er. Neulinge haben aufgrund der extremen Bedingungen kaum eine Chance zu gewinnen. Er will sich dem Mythos nähern, mit dem Rennen wachsen und erleben, was es braucht, um dort irgendwann mal ganz vorn mit dabei zu sein. Viel hat er sich schon erzählen lassen. Unter anderem von Andreas Raelert, der stand vier Mal in Hawaii auf dem Podium. Mit dem Rostocker verbrachte er sein jüngstes Trainingslager in Florida. Das waren gute Wochen. Mit ähnlichen Bedingungen wie in Kona. Außerdem war es „ein bisschen langweilig, man konnte da nicht viel anderes machen als trainieren, das ist ein bisschen wie Kienbaum auf amerikanisch“, sagt er mit Verweis auf das Leistungszentrum bei Berlin.

Mit dem Berliner Bären unterwegs

Dort war er schon lange nicht mehr. Seit 2012 lebt Frommhold in Freiburg, vorher trainierte er in Saarbrücken. Mit dem Triathlon begann er in Potsdam. „Da hatte ich bessere Möglichkeiten als in Berlin“, erzählt er. Als der Zehlendorfer nach Jahren im Schwimmbecken mit dem neuen Sport anfing, war Potsdam für ihn näher. Emotional ist die Nähe zu Berlin, wo Eltern und Freunde leben, immer geblieben, er will auch irgendwann wieder zurückkehren. So lange bildet der Berliner Bär auf seinem Trikot die sichtbare Verbindung.

Neben Raelert, 38, gibt es eine Reihe bekannter deutscher Triathleten. Sebastian Kienle (Mühlacker), 30, und Jan Frodeno (Saarbrücken), 33, gehören auf Hawaii zu den Favoriten. Frommhold stand bislang in deren Schatten, aber er ist auch jünger. Und er hatte Pech. Auf der Kurzdistanz fing er an, die Teilnahme an Olympia im Blick. Verletzungen raubten ihm die Chance. „Ich stand da, wusste nicht, wie es weitergeht, da war die Langdistanz nur ein Plan B, mal etwas Neues zu machen“, erzählt er. Doch dann passierte etwas. Bei seinem ersten Ironman Ende 2012 in Arizona gewann er sofort. „Wenn man so ein Rennen macht und sieht, dass es die schnellste Rookie-Zeit bei einem Ironman weltweit war, dann findet man natürlich Geschmack daran“, so Nils Frommhold. Ab da war für ihn klar, dass er ein Diesel ist, kein Benziner.

Das hat sich seither öfter bewahrheitet. Obwohl wieder eine Verletzung dazwischen kam und er keinen perfekt strukturierten Saisonaufbau hinbekam, lief es in diesem Jahr bestens. Sieger in Südafrika, Zweiter bei der Challenge in Roth, Fünfter bei der Mitteldistanz-WM aus dem vollen Training heraus. Er ist durchgestartet. „Auf Hawaii bin ich einer der Jüngsten und habe schon ein paar Sachen zu stehen, die andere nicht haben“, sagt der Berliner. Wenn das Training erst einmal einen optimalen Rhythmus bekommt, also nicht durch Verletzungen unterbrochen wird, glaubt er, wird noch ein ordentlicher Leistungssprung möglich sein.

Ausgeglichen in den Disziplinen

Auf dem Rad ist ihm der zuletzt schon allein durch die vielen Wettkampfkilometer gelungen. Im Schwimmen war er ohnehin immer gut dabei, obwohl er das nicht als seine große Stärke sieht. „Das Gute an mir ist, dass ich relativ ausgeglichen bin. Das Schlechte ist, dass ich keine richtige Waffe habe. Ich muss mir nirgends einen richtigen Vorsprung holen, um mich dann ins Ziel zu retten“, sagt Frommhold. Von den guten Radfahrern ist er einer der besseren Läufer.

Was nun wie am besten einzusetzen ist auf Hawaii, wird das Rennen zeigen. Das dauert gut acht Stunden, möglichst ökonomisch zu sein im Umgang mit den Kräften ist da das Wichtigste. Wer das vergisst, wird vom Mythos Hawaii dafür bestraft. Fit zu sein, ist dort keine Garantie, um auch ins Ziel zu kommen. Das weiß Nils Frommhold schon, alles weitere möchte er vor der traumhaften Kulisse von Big Island nun in einem zermürbendem Wettkampf lernen. Es wird die härteste Schule seine Lebens.