Kubrat Pulew

Nächster Klitschko-Gegner könnte aus Berlin kommen

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Matthias Brzezinski

Nach seinem Sieg gegen Alexander Powetkin bleibt Wladimir Klitschko das Maß aller Dinge im Schwergewicht. Der Berliner Kubrat Pulew macht sich Hoffnungen, nächster Gegner des Ukrainers zu werden.

Das Bemerkenswerteste vollzog sich erst nach dem mit viel Vorschusslorbeer bedachten Schwergewichts-Duell zwischen Wladimir Klitschko und Alexander Powetkin. Es gab Vorwürfe gegenüber dem Sieger – bei denen definitiv die Realität außer Acht gelassen wurde. Klitschko hatte weder attraktiv noch risikofreudig geboxt. Er hatte sich einfach den Gegebenheiten angepasst, und die muss im Profiboxen maßgeblich der Herausforderer bestimmen.

Powetkin hatte, abgesehen vielleicht von der ersten Kampfminute, keine Idee erkennen lassen, dank der er den „Machtkampf von Moskau“ für sich zu entscheiden gedachte. Ran an den zehn Zentimeter größeren Klitschko, dann mit dem Kopf abtauchen in Bauchhöhe des Titelverteidigers, verbunden mit der Hoffnung auf Körpertreffer.

Klitschko ließ ihn gewähren – und drückte den Kontrahenten, nur einmal von Ringrichter Luis Pabon (Puerto Rico) mit einer Verwarnung geahndet, regelmäßig nach unten.

Klitschko bleibt trotz Kritik gelassen

Russische Journalisten machten aus dem gern benutzten Lob „Klitsch.k.o.“ ein bissiges „Clinchko“. Der jüngere der Klitschko-Brüder blieb gelassen. „Ich habe mich nur auf den sportlichen Erfolg konzentriert.“ Ungeachtet der mangelnden Attraktivität ist es eben nicht der Job des 37-jährigen Ukrainers, die Schwergewichtsszene aufzupeppen. Er ist zu clever, um seinen nunmehr 61 Siegen weitere zuzufügen, die mit selbst gewähltem Risiko verbunden sind. Klitschko gewinnt in der Höhe, die seine Gegner zulassen. Und die waren zuletzt nur so gut, dass der Schongang ausgereicht hat. Seit mehr als neun Jahren hat er nicht mehr verloren, besitzt die Titel der Weltverbände WBA, IBF und WBO.

Powetkins Promoter Kalle Sauerland ging dennoch mit Klitschko hart ins Gericht. „Das Halten war wie Raub. So hatte Alexander keine Chance“, schoss er ein bisschen über das Ziel hinaus. Der Frust des 36-Jährigen war verständlich. Wie viele Boxfans (bei RTL waren bis zu 12,3 Millionen via TV dabei) hatte auch er auf eine Sensation gehofft. Aber sein Schützling hatte verloren, weil er nie eigene Akzente setzten konnte. Einer, der Wladimir Klitschko den Titel abnehmen will, muss das schaffen. Muss ihm die Chance nehmen, sich überhaupt auflehnen zu können.

Berliner Pulew könnte gegen Wladimir oder Vitali Klitschko kämpfen

Einen Boxer, dem man zumindest den Willen dazu zubilligen muss, hat Kalle Sauerland in seinem Team: Kubrat Pulew, 33 Jahre alt, sowohl bei den Amateuren wie bei den Profis Europameister in der Königsklasse. Das Recht, bei der International Boxing Federation (IBF) als Herausforderer von Wladimir Klitschko gelistet zu sein, hat der Wahl-Berliner sich durch einen Punktsieg über den Amerikaner Tony Thompson im August in Schwerin erkämpft. Dass Pulew auf der Liste der zu erwartenden Klitschko-Gegner steht, bestätigt dessen Manager Bernd Bönte. „Kubrat ist stark, das hat er gegen Thompson, aber auch vorher bewiesen. Wir werden uns anschauen, welche Gegner die Verbände nominieren, bei denen Wladimir den Titel hält. Im Frühjahr 2014 steht der nächste Klitschko-Kampf an“, sagte Bönte.

Ob es dann vielleicht Vitali Klitschko sein könnte, der in den Ring steigt, beantwortete Bönte nicht. Der 42-jährige WBC-Champion präsentierte sich als Helfer in der Ecke seines Bruders jedenfalls in einem für einen Berufspolitiker ausgezeichneten optischen Zustand. Das lässt auf ein echtes Karrierefinale des „Großen Klitschko“ hoffen.