Volkan Uluc sitzt im Zeugwartraum, vor ihm steht ein Glas Wasser. Ab und zu nippt er daran, zwischendurch erinnert er sich. An den Tag etwa, als er wieder den Trainingsanzug des BFC Dynamo anzieht und zur Arbeit geht. Dabei begegnet er dem Platzwart, der umarmt ihn spontan, weil er sich freut, ihn wiederzusehen nach über drei Jahren.

Vor gut elf Monaten trug sich das zu. Die Herzlichkeit, die dem Fußballtrainer entgegenschlug, zeigte ihm, dass er vor einiger Zeit viel richtig gemacht hat hier im Sportforum. Inzwischen weiß er, dass ihm das wieder geglückt ist. Am Mittwoch tritt der BFC im Berliner Pokalfinale gegen den SV Lichtenberg 47 an (19 Uhr, Jahn-Sportpark). Der Sieger ist am Sonnabend in der Lostrommel zur ersten Runde des DFB-Pokals.

Über die Favoritrolle will er gar nicht groß reden. „Egal ob man es möchte oder nicht, dieser Name BFC Dynamo wird immer in die Favoritenrolle geschoben“, sagt der 43-Jährige. Wegen der großen Geschichte, meint er. Der vielen Titel zu DDR-Zeiten. Obwohl das lange zurückliegt, der BFC ist fünftklassig. Nicht ganz so lange her ist die Verbindung des Namens mit sehr problematischen Fans, mit Gewalt. Ein Umfeld, in dem man jemanden wie Uluc, einen Deutsch-Türken, nicht unbedingt vermuten würde.

Zweite Amtszeit nach drei Jahren Pause

Als er vor der Saison zum BFC zurückkehrte, stellten sich dahingehend keine Fragen für ihn. „Vor meiner ersten Amtszeit habe ich mir natürlich Gedanken gemacht, das ist doch klar“, erzählt er. Von 2007 bis 2009 trainierte er den BFC schon einmal. Dass er sich getraut hat, hängt mit seiner Persönlichkeit zusammen, seinem Wesen. Uluc traut sich was, er will viel ausprobieren. „Es ist wichtig, gerade in einer Zeit, in der viel über Integration geredet wird, auch mutig zu sein“, sagt der Coach. Schlechte Erfahrungen hat er keine gemacht. Sonst hätte es keine zweite Liaison gegeben.

Uluc fühlt sich wohl beim BFC, seine Kinder sind öfter im Stadion, sein Sohn eigentlich ständig, auch der Bruder. Angst haben muss beim BFC niemand, das will Uluc vermitteln. Obwohl gerade solche Spiele, in denen mal eine größere Bühne geboten wird, zuletzt Problemfälle waren. Wie 2011, als es in der ersten DFB-Pokal-Runde schwere Ausschreitungen gab. „Meine Wahrnehmung nach diesen Vorkommnissen ist durchweg positiv, es hat keine nennenswerten Vorfälle gegeben“, sagt Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußballverbandes. Der Wandel zum Guten sei seitdem noch stärker vorangetrieben worden, heißt es im Klub .

Auch auf dem Platz sieht der Trainer Argumente dafür. Er schafft sie. „Vergangene Saison war der BFC Letzter in der Fair-Play-Tabelle, sie waren die Bad Boys. Das hat Auswirkungen auf die Fans. Jetzt sind wir mit Abstand die besten in diese Kategorie. Das ist ein wichtiges Signal“, sagt Uluc. Es geht um Außendarstellung, die Mannschaft betrachtet er als Spiegel für die Ansprüche des Vereins.

Weniger Feierabend-Fußball, mehr Professionalität

Unter ihm hat sich noch mehr verändert. Die Strukturen wurden auf einen Aufstieg in die Regionalliga in der nächsten Saison ausgerichtet. „Wir haben jetzt genug Spieler, die sich auf Fußball konzentrieren können“, sagt Uluc. Vorher bewegte sich der BFC zu sehr im Feierabend-Fußball, jetzt wurde die Intensität angehoben. Es zieht mehr Professionalität ein. Das wiederum zieht Profis an.

Björn Brunnemann zum Beispiel. Sechs Jahre spielte er in der Zweiten Liga, war in Cottbus, bei St. Pauli und beim 1.FC Union. In diese Folge passt der BFC auch nicht auf Anhieb. „Aber der Klub verfolgt einen Plan und will mich als großen Baustein darin einbinden“, sagt der 32-Jährige. Der Schritt zurück sei ihm deshalb nicht schwergefallen. Nun mimt er den zentralen Mann auf dem Platz, ist Kapitän und lenkt das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld heraus. Mit den Fans hat er nie etwas Schlechtes erlebt.

Seinen ersten Berliner Pokal würde Brunnemann nicht gewinnen, vergangene Saison siegte er mit dem Berliner AK. Dort war Uluc auch schon tätig, wie schon in vielen anderen Berliner Klubs. Meist holten sie ihn als Feuerwehrmann. Oder als jemand, der mit jungen Spielern etwas aufbaut. Titel sprangen dabei nie raus. Doch ohne ist es schwer, nach oben zu kommen. Aber richtiger Profisport, das hat ihn immer gereizt. „Doch als türkischer Trainer in Deutschland hat man es manchmal schwer“, sagt er. Deshalb ließ er sich auf ein Abenteuer ein und ging für ein Jahr in den Iran.

Chance auf den ersten Titel

Dort durfte er in der Ersten Liga Cheftrainer sein, Shahin Bushehr hieß sein Klub. Er konnte die Klasse halten und schaffte es mit dem jungen Team ins Pokal-Halbfinale. „Das war ein tolles Erlebnis, aber für Mitteleuropäer auch problematisch“, erzählt Uluc. Man muss den Pass abgeben und kann sich nicht frei bewegen. Deswegen ging er wieder.

Jetzt kann Volkan Uluc seinen ersten Titel gewinnen. „Wir gehen positiv an die Sache ran“, sagt er. In der Saison hatte die komplett neue Mannschaft öfter Pech, beide Stürmer verletzten sich schwer. Trotzdem wurde der BFC Dritter unter vielen eingespielten Teams. Uluc ist stolz darauf, aber ihm ist auch anzumerken, dass ihm das nicht reicht. Er denkt schon weiter, hat die Regionalliga im Hinterkopf. Uluc nimmt einen Schluck Wasser. Öfter hieße es, so der Trainer, dass der BFC den schönsten Fußball in seiner Liga spiele. Er lächelt, ist geschmeichelt. In diesem Moment gibt der BFC ein sehr herzliches Bild ab.