Tennis

Wimbledon-Siegerin Kveta Peschke ist verliebt in Berlin

Die bekannteste Berliner Tennisspielerin ist Sabine Lisicki. Doch es gibt noch eine Weitere, die für den TC Blau-Weiss in der Bundesliga spielt und sogar in Wimbledon gewann: Kveta Peschke.

Foto: Amin Akhtar

Es ist so ein Tag, da müsste sie nicht unbedingt runter auf den Tennisplatz gehen. Kveta Peschke sitzt mit ihrem Mann Torsten auf der Terrasse des TC Blau-Weiss in Grunewald und genießt. Das sommerliche Wetter, den Blick über die Anlage und die bei aller Betriebsamkeit spürbare, herrliche Ruhe. „Es ist wie eine andere Welt“, sagt die Tschechin. Später wird sie im Tennisdoppel antreten im Bundesligaspiel ihres Klubs gegen Ratingen.

Seit 2007 verzichtet sie aufs Einzel

Einzel bestreitet die 37-Jährige schon seit 2007 nicht mehr, und trotzdem hat sie hier ihren festen Platz, seit 16 Jahren. Ungewöhnlich in diesem Business, in der Bundesliga wechseln die Spielerinnen häufig hin und her. Nicht Kveta Peschke, „ich bin stolz, schon so lange hier zu sein“. Und der Klub ist stolz auf sie. Im vergangenen Jahr wurde sie zum Ehrenmitglied ernannt – als einzige Frau im Verein.

Denn Kveta Peschke ist zwar in der Einzel-Weltrangliste nicht über Rang 26 hinausgekommen, aber ihre beste Zeit als Tennisspielerin erlebte sie eigentlich erst danach. Noch immer bestreitet sie über 20 Turniere in jedem Jahr, und das mit beachtlichen Erfolgen. 2011 gewann sie in Wimbledon an der Seite der Slowenin Katarina Srebotnik – übrigens gegen Samantha Stosur und Sabine Lisicki, die aktuell bekannteste Berliner Spielerin, glatt in zwei Sätzen. Ein ganz besonderer Erfolg war das für sie in London, „Wimbledon hat so viel Tradition“, sagt sie, „so wie der TC Blau-Weiss“.

Endspiel-Niederlage gegen ihr Idol Navratilova

In jenem Jahr stieg sie auch auf zur Nummer eins der Welt. In jedem der vier bedeutendsten Turniere, den Grand Slams, stand sie mindestens im Halbfinale. Im Mixed gelang ihr dreimal der Sprung ins Endspiel der US Open; einmal, 2006, stand sie dort Martina Navratilova gegenüber, die sie verehrt. Nie zuvor hatte sie gegen ihr Idol ein Doppel verloren, ausgerechnet diesmal passierte es, und es konnte sie etwas trösten, dass es das letzte Spiel ihrer Landsfrau war.

Tennis, sagt Peschke, „hat mir alle Türen geöffnet und sehr viel gegeben“, dafür ist sie dankbar. Sie konnte so viele Länder in der Welt und deren Menschen kennen lernen, das war der Anfang. Sie gewann nur ein Einzelturnier, aber 24 im Doppel, sammelte über vier Millionen Dollar Preisgeld ein. Durch Tennis kam sie nach Berlin, spielte zunächst für den SCC, wo sie einen jungen Mann traf, mit dem sie sich inzwischen ein schönes, gemeinsames Leben aufgebaut hat. Torsten Peschke und sie haben ihren Hauptwohnsitz in Sarasota/Florida, wo sie eine kleine private Tennisakademie eröffneten.

An das Karriereende denkt sie noch nicht

Irgendwann wollen sie diese vielleicht ausbauen, aber vorerst denkt Kveta Peschke nicht ans Ende ihrer Karriere. Ihr Mann trainiert sie, gemeinsam ziehen sie um die Welt. „Ich hoffe, dass es noch ein paar Jahre so bleiben wird“, wünscht sich Peschke. Seit den vergangenen US Open tritt sie international gemeinsam mit der Deutschen Anna-Lena Groenefeld an, eine viel versprechende Kombination, wie sie und ihr Mann glauben. In Brisbane haben sie im Endspiel gestanden, dann knickte Groenefeld um, und es dauerte eine Weile, bis dieser Rückschlag verkraftet war.

Ein Doppel braucht Zeit, bis es harmoniert. Es geht um blindes Verständnis, mehr um kluges Tennisspiel als um das oft gesehene Geprügele wie im Einzel. Auch Peschke hat sich weiterentwickelt, ihr Repertoire erweitert. Ihre Volleys sind deutlich besser geworden. „Ich spiele sie sehr gern inzwischen“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Gefürchtet bin ich für meinen Vorhand-Stopp.“

Es gibt nicht nur die Sonnenseite im Tennis

Doch was sich so schön und leicht anhört, hat auch seine Schattenseiten, sagt Kveta Peschke. „Es ist toll, sein Hobby zum Beruf zu machen, aber es ist auch ein schwerer Beruf.“ Nur wenige schaffen es ja, sich damit ein Leben aufzubauen. „Viele scheitern, obwohl sie bestimmt auch nicht schlecht spielen.“ Gemeinsam mit der Familie Geburtstage feiern? Das geht nicht, es stehen ja immer irgendwelche Turniere oder die Vorbereitung darauf an. Und es brauche sehr viel Disziplin, wenn man wirklich Erfolg haben will.

Andererseits: „Wenn jemand fleißig ist und nicht ganz so viel Talent hat, kann man immer noch viel erreichen.“ Sie spricht es nicht so aus, aber es klingt vorsichtig durch, dass sie sich selbst dieser Kategorie zuordnet. Einen Teil dieses Erfolges verdankt sie ihrem Vater, der sie nicht zum Tennis zwang, sondern sie ermunterte, auch andere Sportarten auszuprobieren. Damit wurde die Basis gelegt für eine Grund-Fitness, die heute zu ihren Stärken gehört und ermöglicht, dass sie ihre Tennis-Laufbahn durchaus noch eine Weile fortsetzen kann.

Der Klub ließ sie in schwierigen Zeiten nicht im Stich

International, aber auch beim TC Blau-Weiss. Dabei hat sie nicht vergessen, dass sie vor gut zehn Jahren einmal wegen einer hartnäckigen Verletzung dicht vor dem Karriereende gestanden hatte. Als sie es wirklich brauchte, habe der Verein sie nicht fallen gelassen, sondern auch finanziell unterstützt. Das hat ihr gutgetan. „Ich fühle mich dem Verein sehr verbunden. Es ist wie in einer Familie“, schwärmt sie. Da der Klub es ablehnt, wie die meisten anderen Bundesligavertreter Profisport zu betreiben, bekommen die Spielerinnen kein Geld für ihre Einsätze. Sie können nur Auslagen geltend machen, wenn sie auf Turnierreisen sind. Und das ist Peschke ja häufig. Geschäftsführer Wolfgang Roeb schüttelt den Kopf: „Von Kveta bekommen wir kaum mal eine Rechnung.“

Zunächst wird sie jetzt die Bundesligasaison mit den Blau-Weißen zu Ende bringen. An diesem Sonntag steigt die letzte Partie in Ludwigshafen. Trotz der 3:6-Niederlage vom Freitag gegen Ratingen sieht es noch ganz gut aus, dass der Klassenerhalt gelingt. Kveta Peschke wird sicher besonders motiviert sein, denn gegen Ratingen kassierte sie an der Seite von Nina Bratschikowa eine ihrer sehr seltenen Niederlagen in der Liga.

Vorfreude auf Wimbledon

Und anschließend geht es wieder auf den Rasen, Wimbledon steht vor der Tür. Aufgeregt? „Nö“, sagt sie schnell, dafür habe sie jetzt wirklich schon zu viel erlebt. Es ist mehr die Vorfreude, an den Ort ihres größten Erfolges zurückzukehren.

„Aufgeregt würde ich erst vor dem Finale sein“, sagt sie. Ob sich so etwas wie 2011 vielleicht wiederholen lässt? Schwierig sei das, sagt sie ruhig, aber: „Unsere Augen sind groß.“ 37 ist kein Alter im Tennisdoppel. Martina Navratilova gewann ihr letztes Turnier mit 49.