Doping-Verdacht

Claudia Pechstein legt Beschwerde gegen Urteil ein

Claudia Pechstein – einfach nicht zu fassen. Die Berliner Eisschnell-Olympiasiegerin, die wegen auffälliger Blutwerte gesperrt wurde, lässt sich nicht unterkriegen. Dieses Mal hat sie Beschwerde gegen das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes eingelegt. Außerdem arbeitet sie an einem Revisionsantrag.

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Claudia Pechstein kämpft weiter vehement gegen ihre Doping-Sperre. Die wegen auffälliger Blutwerte noch bis zum 8. Februar 2011 suspendierte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin aus Berlin hat am Montag ihre Beschwerde beim Schweizer Bundesgericht gegen das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS termingerecht auf den Weg gebracht. Unabhängig davon arbeiten ihre Anwälte auch an einem Antrag zur Wiederaufnahme des CAS-Verfahrens. Für das Revisions-Schreiben haben sie aber bis zum 16. März Zeit.

Noch vor Beginn der Olympischen Winterspiele dürfte sich das Zivilgericht jedoch mit einem weiteren Eilantrag Pechsteins auf Aussetzung des CAS-Urteils beschäftigen. Bis zum 18. Januar haben Vertreter des Weltverbandes ISU noch Gelegenheit, sich zu dem Antrag zu äußern. Danach müssen die Schweizer Richter darüber entscheiden, ob die Sperre bis zum Entscheid in der Hauptsache auszusetzen und Pechstein ein sofortiges Startrecht einzuräumen ist. Dies könnte unter Umständen auch noch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)bei seiner Olympia-Nominierung am 22. Januar in Konflikte bringen.

„Claudias Anwälte haben bis zuletzt mit Akribie an den Inhalten der Beschwerde gefeilt“, erklärte Pechsteins Manager Ralf Grengel am Montag. In dem rund 150 Seiten umfassenden Schriftstück sollen angebliche Verfahrensfehler des Sportgerichts aus Sicht der Pechstein-Anwälte aufgelistet und zum Teil mit Hilfe von Tonbandprotokollen aus der CAS-Verhandlung in Lausanne belegt werden.

„Diese Aufnahmen können beweisen, dass der CAS in seiner Urteils- Begründung entweder Dinge verfälscht oder nicht berücksichtigt hat“, erläuterte Grengel. „So wurde der vorläufige Bericht von Professor Hubert Schrezenmeier aus Ulm nicht nur falsch interpretiert, sondern unzulässigerweise auch als abschließendes Gutachten betrachtet. Mittlerweile hat Schrezenmeier schriftlich erklärt, dass die CAS- Richter in diesem Punkt nicht korrekt agiert haben“, fügte er hinzu.

Zudem dürfte in der Beschwerde-Schrift auch die Tatsache eine Rolle spielen, dass mit Pierre-Edouard Sottas ein maßgeblicher Experte der Anklage in der CAS-Verhandlung nicht zugegen war, obwohl die ISU ihn benannt hatte. Sottas, der Mitarbeiter des Anti-Doping- Labors Lausanne, der maßgeblich die seit 1. Dezember 2009 geltenden WADA-Kriterien für den indirekten Doping-Beweis erarbeitete, hatte mit seinem Gutachten zuvor maßgeblich dazu beigetragen, dass Pechstein am 3. Juli von der ISU gesperrt worden war.

Die 37-Jährige hofft, dass das Schweizer Bundesgericht ihrer Beschwerde folgt und sie nachträglich rehabilitiert. „Ich habe stets betont, dass ich erst Ruhe geben werde, wenn die Gerechtigkeit gesiegt hat und auch gerichtlich klar gestellt wurde, dass ich nicht gedopt habe“, hatte Pechstein auf ihrer Homepage erklärt. Für den Fall einer Niederlage vor dem Schweizer Bundesgericht, hat sie angekündigt, auch vor den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen zu wollen.

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