Wer angesichts des mitunter blamablen Wahlkampfgeschachers in den Wochen vor der Verleihung skeptisch auf den Ballon d’Or geschaut hatte, durfte sich beim quälend langen Gala-Abend bestätigt sehen.

Donnerstag
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Die Veranstaltung in London verströmte jedenfalls den Esprit der Jahresversammlung eines Versicherungskonzerns, der bessere Jahre gesehen hat. Die angereisten Stars lümmelten sich mit der gelangweilten Aura von Außendienstmitarbeitern, denen gerade sämtliche Prämien gestrichen wurden, in ihren Sitzen. Ein größerer Haufen missgestimmter Millionäre als bei dieser „Gala“ ist wohl kaum jemals zusammengekommen. Allem schicken Schmuck, allen auffallenden Kleidern zum Trotz blieb der Abend bleiern grau.
Kurz gesagt: Diese Veranstaltung braucht so kein Mensch.
Immerhin: Harry Kane ist der Richtige
Der wütende Wunsch, den Anwesenden und Organisatoren kräftig die Meinung zu sagen, wird von einem einzigen tröstlichen Gedanken an den Rand gedrängt. Bei der zentralen Ehrung, bei der Vergabe des Ballon d’Or, hat es diesmal den Richtigen getroffen. Bayern-Profi Harry Kane ist glamouröser Rekordtorschütze und ehrlicher Arbeiter auf dem Fußballplatz zugleich.
Dass nach 30 Jahren mal wieder ein Bundesliga-Profi ausgezeichnet wurde, macht die Freude natürlich etwas leichter, aber vor allem rettete der Engländer mit seinen Emotionen, seiner ausgiebigen und keineswegs perfekten, aber deshalb umso menschlicheren Dankesrede den Abend – und den Ruf vieler verwöhnter, junger Fußballmillionäre. Das erkannten dann sogar die Anwesenden, die den hochverdienten Gewinner mit „Harry, Harry“-Sprechchören feierten. Da war sie dann doch für wenige Minuten, die echte Begeisterung, ohne die der Fußball oft nur sehr klein ist.




