Max Eberl hatte bereits ausgiebig über andere gesprochen an diesem Abend, doch irgendwann lenkte er den Blick für einen Moment auch auf das eigene Leben. Ende Januar 2022 war der gebürtige Niederbayer wegen eines Burnouts in Mönchengladbach als Sport-Geschäftsführer zurückgetreten. Knapp fünf Jahre später stand Eberl nun im Untergeschoss des Freiburger Stadions, die Gedanken bei all den Angestellten des FC Bayern, die in den Tagen zuvor schwere persönliche oder gesundheitliche Tiefschläge verkraften mussten. Und der 53-Jährige rekapitulierte vorsichtig: „Ich will jetzt nicht in der Vergangenheit graben, aber ich habe auch meine Geschichte mit der Thematik.“ Münchens Sportboss weiß also, wie unwichtig der Fußball plötzlich wird – wenn Erkrankungen, langwierige Verletzungen oder auch menschliche Verluste alles andere überlagern.

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Am vergangenen Dienstag hatte Bayern-Kapitän Joshua Kimmich völlig unerwartet seinen Vater verloren, Berthold Kimmich wurde nur 57 Jahre alt. Die speziellen Schwierigkeiten von Offensivspieler Jamal Musiala, im Sommer wegen Absencen infolge einer neurologischen Dysfunktion wiederholt auf dem Platz kollabiert, vor einem Monat zudem durch einen Muskelfaserriss zurückgeworfen, begleiten den Branchenprimus dauerhaft. Mitte letzter Woche zog sich der kolumbianische Nationalspieler Luis Díaz einen kleinen Muskelbündelriss im Oberschenkel zu. Ehe den Rekordmeister am Freitag schließlich noch das Drama und Vincent Kompany erschütterte.

Kompany im Krankenhaus

Der Cheftrainer des FCB, zuletzt geplagt von Hüftproblemen und einem, wie er selbst sagte, „ziemlich saftigen Virus“, war auf dem Trainingsgelände zusammengebrochen. Der 40-Jährige wurde von einem Notarzt ins Krankenhaus gefahren. Die Vorbereitung auf das Liga-Duell in Freiburg, das die Bajuwaren letztlich souverän 3:1 gewannen, übernahm Kompanys Assistent Aaron Danks. Die erste Nachricht, die der Engländer danach in der Kabine auf seinem Handy fand, war eine WhatsApp seines Chefs. „Darin stand, dass ich das gut gemacht habe – und er war glücklich. Also habe ich zurückgeschrieben: ‚Super, jetzt ruh‘ dich aus.‘“

Die Bayern wollen Kompany alle Zeit der Welt geben, die er für seine Genesung benötigt. Stellvertretend für den Klub erwähnte Eberl in Freiburg, der Belgier sei in einem stabilen Zustand, habe keine Kopfschmerzen mehr. Das Wichtigste sei nun, „lückenlos herauszufinden, was die Ursache ist“.

Ich bin richtig stolz auf den Verein, wie wir diese – gerade für den Kopf – doch sehr schwierige Woche gemeinsam gehandelt haben.

Jonas Urbig, Torwart des FC Bayern

Die Art, wie das Team auch in seiner Abwesenheit die exzellent in die Saison gestarteten, zuletzt aber klar ausgebremsten Südbadener dominierte, dürfte auf den Coach in der Klinik beruhigende Wirkung gehabt haben. Eberl sah ein „80 Minuten lang nahezu perfektes Spiel“ der Gäste, die beste Auswärtspartie des Tabellenführers in dieser Saison war es definitiv. Und die geballten Herausforderungen für die Münchener, abseits des Sportlichen, machten den Erfolg im Breisgau besonders wertvoll.

Eberl: „Wirklich ein großer Sieg“

Vor dem ultimativen Liga-Gipfel gegen die punktgleichen Dortmunder am kommenden Samstag wartet auf die Bayern, ebenfalls zu Hause, die Pokalhürde Magdeburg. Dem Zweitligisten mit Aufstiegsambitionen treten die Münchener am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD und Sky) dabei mit einem frisch gestärkten Wir-Gefühl entgegen. Der Charaktertest in Freiburg? „Ein großer, wirklich ein großer Sieg“, urteilte Sportboss Eberl stolz. „Eine großartige Leistung an einem schwierigen Ort“, lobte Kompanys spürbar erleichterter Stellvertreter Danks.

Zu Wort meldete sich im Bauch der Freiburger Arena auch Jonas Urbig. Die Mannschaft habe für den Trainer gespielt und gewonnen, erklärte der junge Keeper der Bayern. Befragt nach Kompany, erwähnte der 23-Jährige aber sofort auch den familiären Schicksalsschlag für Joshua Kimmich und betonte: „Ich bin richtig stolz auf den Verein, wie wir diese – gerade für den Kopf – doch sehr schwierige Woche gemeinsam gehandelt haben.“

Eine Woche, an deren Ausklang Max Eberl Cheftrainer Kompany samstags im Krankenhaus besuchte. Fußball, die Startelf für Freiburg, die Bundesliga – das alles war dabei kein Thema. „Wir haben“, erzählte Eberl vielmehr, „einfach über das Leben gesprochen.“