Mindestens zwei Rätsel blieben nach dieser Gala des FC Bayern, und sie wurden von den Beteiligten nur bedingt aufgeklärt. Das betraf vor allem das erste Rätsel. Was war nur mit Trainer Vincent Kompany passiert, dass er kaum Treppen steigen konnte, den furiosen 6:1 (3:0)-Sieg seiner Mannschaft gegen RB Leipzig fast durchgehend im Sitzen auf der Bank verfolgte und das Coaching seinem Assistenten Aaron Danks überlassen hatte?

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Sogar all seine Termine sagte Kompany ab, von den Interviews bis zur Pressekonferenz. Max Eberl vertrat ihn. Das führte dazu, dass er mal seine gewohnte Gesprächsrolle als Sportvorstand in der Mixedzone einnahm, ehe er in ungewohnter Rolle als Trainerersatz bei der Pressekonferenz auftrat. Doch egal, wer Eberl gerade war, das Rätsel um Kompany lüftete er nur unscharf. Mal sprach er von einem „Infekt“, der den Trainer schon die ganze vergangene Woche geplagt habe, dann von einem „Virus“. Zudem habe sich Kompany auch „noch eine leichte Blessur an der Hüfte geholt“, sagte Eberl und nannte eine „Sportverletzung“ als Grund, ohne den Hergang zu konkretisieren.

Kompany humpelt aus der Allianz Arena

Vor ein paar Wochen wäre bei diesem multiplen Krankheitsbild der Verdacht auf das Oktoberfest gefallen. Aber jetzt? „Ich glaub’, der hat einfach keinen Bock auf euch“, witzelte Joshua Kimmich. Der Kapitän gab sich ahnungslos über die wahren Gründe für die Beschwerden seines Trainers, von denen er nicht einmal etwas mitbekommen haben wollte. Kimmichs weiterer scherzhafter Erklärungsansatz: „Er ist auch nicht mehr der Jüngste.“

Bayern München - RB Leipzig
Der augenscheinlich angeschlagene Trainer Vincent Kompany.© dpa | Hildenbrand

Sein gerade einmal 40 Jahre alter Trainer verließ die Arena zwar humpelnd und offenbar mit Schmerzen, aber erfreut über den sportlichen Verlauf des Samstagabends. Denn seine Mannschaft hatte den drohenden größeren Herbstblues nach den Enttäuschungen in Augsburg (2:2) und Stavanger (3:3) weggefegt wie ein Herbststurm die Blätter. Gerade rechtzeitig vor dem Vergleich in der Champions League mit dem Vorjahresfinalisten FC Arsenal am Mittwoch war es wieder geflutscht wie beim Ketchup-Effekt. Erst reichten rund 50 Torschüsse nur zu den Unentschieden gegen die zwei Außenseiter. Nun kam gegen Leipzig ein ganzer Schwall an Toren heraus.

Vor allem Luis Díaz hatte die jüngsten Zweifel mit seinen drei Treffern vertrieben (12./47./69.). Zuletzt hatte der viel belastete Kolumbianer auf die Länderspiele verzichtet und auf den Malediven Urlaub gemacht. Diese Pause habe ihm gutgetan, sagte Eberl. Gerade mit seinen Tiefenläufen werde Díaz auch gegen Arsenal „ein unglaublich wichtiger Spieler für uns“ sein, zumal der andere Flügelartist Michael Olise dann gesperrt fehlen wird nach seiner gelb-roten Karte in Stavanger.

102 Tore in 100 Bundesligaspielen: Kane nicht zu stoppen

Gegen Leipzig hatten zudem Aleksandar Pavlovic (26.), Olise (34.) und Harry Kane (53.) getroffen. Für Kane war es das 102. Tor in seinem 100. Bundesligaspiel. Entsprechend bestärkt fühlen sich die Bayern nun für das große Kräftemessen mit Arsenal. „Das ist das Level, das wir erreichen wollen“, sagte Kane, „wir müssen das Momentum aus diesem Spiel in den Mittwoch mitnehmen.“

Die herausragende Leistung gegen Leipzig führte zum zweiten Rätsel: Wenn das die gleiche Mannschaft des FC Bayern gewesen sein sollte, die sich beim FCA und bei Viking ungeschickt angestellt hatte, warum war sie nun völlig anders aufgetreten? „Natürlich wollten wir ein bisschen was gutmachen“, sagte Kimmich. Der oft kritische Mittelfeldspieler befand sogar, man sei diesmal „sehr nah“ an der bestmöglichen Leistung gewesen. „Gefühlt hatten wir einen Mann mehr auf dem Platz“, sagte er. In der Tat waren die Bayern fast sieben Kilometer mehr gelaufen als die Leipziger. Dass vieles wirkte wie aus einem Guss, lag auch an den indisponierten Gästen, die häufig verteidigten, als sei ihnen ein Kontaktverbot auferlegt worden. Zugleich verwiesen die Bayern zurecht auf ihren Hauptanteil an ihrer Gala. Leipzig habe es versucht, sei aber nicht weitergekommen, „weil wir in einer unglaublichen Art und Weise das alles erstickt haben“, sagte Eberl. Und dann sei man in einem „Flow“ gekommen.

Eberl hofft, dass die Bayern auch gegen Arsenal Großes vollbringen. Er sagte: „Wenn du eine Phase hattest, wo du zweimal nicht gewonnen hast, und dann zu Hause gegen eine der Topmannschaften in Deutschland spielst und sie so erdrückst, dann ist das einfach ein gutes Gefühl. Und mit diesem guten Gefühl, das ist das Beste, was man haben kann, bereitest du dich auf ein großes Spiel vor.“ Inwieweit Kompany bis dahin wiederhergestellt sein wird, da war sich Eberl noch nicht so sicher.