Bremen war bislang erst ein einziges Mal Schauplatz für ein Frauen-Länderspiel. Die Premiere aus dem Mai 2025 ist allen noch in bester Erinnerung: Bei einem furiosen Nations-League-Sieg gegen die Niederlande (4:0) herrschte am Osterdeich eine Prachtstimmung wie bei Heimspielen des SV Werder. Nun wollen die DFB-Frauen beim Härtetest gegen Japan im Weserstadion an diesem Dienstag (17.45 Uhr/ARD) wieder einen schwungvollen Auftritt vor einer ordentlichen Kulisse hinlegen.

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Die Darbietung gegen Australien (4:2) in Karlsruhe war schon mal ein Anfang, wobei vor allem Doppeltorschützin Melissa Kössler mit ihren ersten Länderspieltreffern Werbung in eigener Sache betrieb. Bundestrainer Christian Wück mag für die WM 2027 in Brasilien über ein festes Gerüst im Tor, in der Abwehr und im Mittelfeld verfügen – bei der Besetzung der Mittelstürmerin ist alles offen. Jede Alternative ist da willkommen. Wück: „Das Angebot ist im Moment noch ausbaufähig.“
Doppelpack gegen Australien
Gut, wenn sich jemand so in Szene setzt wie die 26-Jährige, die seit ihrem Wechsel zu Denver Summit FC in die US-Profiliga (NWSL) einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht hat. „Wenn man zwei Tore macht, wenn man so agiert in den Zweikämpfen, Bälle verteidigt und verteilt, dann ist es genau das, was wir in unserem Spielsystem brauchen“, lobte Wück. „Sie wird den anderen gehörig Druck machen.“
Die frühere Angreiferin der TSG Hoffenheim könnte zur Gewinnerin dieser Länderspielmaßnahme werden. Nicole Anyomi (London City Lionesses), Lea Schüller (Manchester United) und Shekiera Martinez (Tottenham Hotspur) kämpfen in England um Fitness, Form oder Spielzeit, Giovanna Hoffmann (VfL Wolfsburg) ist nach ihrem Kreuzbandriss immer noch nicht fit.
Ich war nach dreieinhalb Jahren in Hoffenheim bereit für einen neuen Schritt. Es läuft bislang auch ganz gut.
Melissa Köster,, Spielerin des Denver Summit FC
Ganz im Gegensatz zur 1,78 Meter großen Kössler, die sich seit Jahresbeginn am Fuß der Rocky Mountains im US-Bundesstaat Colorado bestens eingelebt hat. Sie habe schon bei ihrem ersten US-Aufenthalt 2019 nach ihrem Abitur im College-Team in Massachusetts gemerkt, dass ihr das vor allem athletisch viel gebracht habe: „Ich war nach dreieinhalb Jahren in Hoffenheim bereit für einen neuen Schritt. Es läuft bislang auch ganz gut.“
Spielerisch sei der Unterschied zur Bundesliga gar nicht so groß, aber „es ist nicht ganz so taktisch geprägt – es ist ein schnelleres Spiel, intensiver und robuster.“ Was noch auffällt: Insgesamt sei die Wertschätzung für Frauensport enorm hoch: „Die Fanbase ist sehr groß: Wir spielen jedes Heimspiel in einem ausverkauften Stadion. Die Amerikaner sind einfach sehr sportbegeistert.“
In Denver sei beispielsweise in eine neue Trainings- und Spielstätte investiert worden. Unter anderem zählen US-Skistar Mikaela Shiffrin und der frühere NFL-Quarterback Peyton Manning zu den Anteilseignern an der neuen NWSL-Franchise. Offenbar genau das passende Umfeld, um sich Ruhe und Reife im Abschluss zuzulegen. Kecke Töne gibt sie allerdings nicht von sich. „Ich gebe mein Bestes und will mich zeigen.“ Den Rest entscheide der Trainer. Doch natürlich träume sie von der WM: „Es wäre eine Lüge, wenn man das nicht zugeben würde.“
Ausgebildet in Potsdam
Ausgebildet wurde sie bei Turbine Potsdam, einer früheren Hochburg im deutschen Frauenfußball. Deshalb nennt sie nicht nur Thomas Müller als inspirierendes Vorbild, sondern auch Anja Mittag, die in 158 Länderspielen 50 Tore schoss. Eine solche Quote wird die in Potsdam geborene Kössler kaum mehr erreichen; sie sei froh, wenn sie in Bremen auf weitere Einsatzminuten käme.
Besonders freut sie sich, beim spielstarken Gegner ihre japanische Teamkollegin Yuzuki Yamamoto wiederzusehen, die ebenfalls den Schritt in die USA wagte. Dort sei das Interesse am Fußball auch durch die Männer-WM in diesem Sommer gewachsen, erklärte Kössler in einer digitalen Medienrunde. Am Anfang seien die vielen Reisen extrem kräftezehrend gewesen, „da habe ich zwei, drei Monate gebraucht, mich daran zu gewöhnen“. Doch seitdem wirkt sie stärker denn je.




