In Madrid war einst sogar ein Maulwurf schuld gewesen – doch diesmal suchte Manuel Neuer nach seinem historischen Mega-Patzer erst gar nicht nach irgendwelchen Ausreden. „Das war ein blöder Fehler von mir, ich musste mir den Ball auf links legen, weil von rechts wurde ich von zwei Leuten angelaufen. Ich hätte einfach eine andere Entscheidung treffen müssen“, sagte der 40 Jahre alte Keeper des FC Bayern nach dem 2:2 (0:1) beim FC Augsburg mit finsterer Miene.

Donnerstag
Eiszeit – der Eisbären-Newsletter
Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Mit seinem haarsträubenden Ballverlust hatte Neuer dem FCA durch Robin Fellhauer nach nur 8,4 Sekunden das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte ermöglicht. Da musste selbst der erfahrene Weltmeister von 2014 „erst einmal in mich gehen und durchatmen. Ich hatte natürlich noch die Hoffnung, dass wir das Spiel drehen können. Die Möglichkeiten hatten wir, haben sie aber leider liegen lassen“, sagte Neuer sichtlich konsterniert.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Routinier beim 1:2 durch Rodrigo Ribeiro (64.) erneut keine gute Figur abgegeben hatte. Einen Schuss von Calvin Brackelmann ließ der Bayern-Keeper auf die Seite abklatschen, Ribeiro staubte ab. „Es war ein strammer Schuss, ein komplizierter Ball, den ich nicht festhalten kann. Ich lenke ihn nach außen ab und dann sind wir auch wieder im Hintertreffen und er schiebt ihn nur ein“, meinte Neuer lapidar dazu.
Bayern-Vorstand Eberl stützt Neuer
Obwohl in Jonas Urbig der Kronprinz längst bereitsteht, kratzt noch niemand beim Rekordmeister am Denkmal der Torwart-Ikone. „Da gibt es jetzt überhaupt nichts an irgendwas zu rütteln, nur weil Manu jetzt einen Fehler gemacht hat“, betonte Sportvorstand Max Eberl. Der 23 Jahre alte Urbig entwickle sich „herausragend. Manu hat einen sehr, sehr großen Anteil daran und ist trotzdem unsere Nummer eins hier“, fügte er bestimmt an.

Kein Vorwurf von Kompany
Vor der Partie hatte bereits Trainer Vincent Kompany eindringlich auf die klare Rangordnung im Tor der Bayern hingewiesen, nachdem Urbig mit zwei starken Auftritten in der Nationalmannschaft einmal mehr auf sich aufmerksam gemacht hatte. „Wir haben uns für einen ganz deutlichen Weg entschieden mit Manu als Nummer eins und Jonas als Jungen, der auf dem Weg ist, auch irgendwann hoffentlich die Nummer eins zu werden für Bayern, aber auch für Deutschland“, sagte Kompany bei Sky/RTL.
Entsprechend gab es an Neuer, der im kommenden Sommer wohl seine beeindruckende Karriere beenden wird, von seinem Coach auch in Augsburg keinerlei Vorwürfe. „Das kann man nicht ändern oder schönreden. Bei einem 20 Jahre alten Torwart hättest du als Trainer jetzt ein bisschen Arbeit. Aber Manu weiß, wie er damit umgehen muss. Es ist schade, aber als Mannschaft stehen wir immer zusammen“, sagte Kompany. „Fehler passieren, weiter geht‘s“, fügte Eberl an.

Weiter geht‘s für die Bayern zunächst in der Champions League am Dienstag (21.00 Uhr/PrimeVideo) bei Viking Stavanger. Auf dem Kunstrasen in Norwegen soll Urbig eine weitere Chance erhalten, schrieb der Kicker schon vor dem Augsburg-Spiel. Er habe „eine Vorahnung“, sagte Neuer auf Nachfrage dazu knapp – und verließ die Interviewzone reichlich betrübt. sid




