Längst hatte sich die Abenddämmerung über das Stadion am Brentanobad gelegt, als viele Kinder und Jugendliche nach dem Spitzenspiel der Frauen-Bundesliga zwischen Eintracht Frankfurt und Bayern München (0:1) noch immer am Absperrgitter zum Kabineneingang ausharrten. Auf der anderen Seite stand nämlich Klara Bühl bei den Fernsehinterviews. Und wie die TV-Anstalten nach einem Statement der Nummer 17 lechzten, warteten die Fans auf Autogramm und Selfies. Deutschlands beste Stürmerin hatte das chancenarme Duell für den Meister Bayern nach einer Frankfurter Ecke entschieden.

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Vom niederländischen Toptalent Sophie Proost brillant in Szene gesetzt, schmetterte Bühl den Ball aus vollem Lauf mit links „in Weltklassemanier ins Eck – das war der Unterschied“, gab auch Frankfurts Trainer Niko Arnautis zu. Sein Matchplan war bis aufs 0:1 (18.) erste Halbzeit aufgegangen, erfuhr allerdings keine Anpassung in der zweiten Hälfte. Bayern-Coach José Barcala sprach von einem „Sieg der Reife, der Mentalität und des Mindsets“. Sicher richtig, weil die Doublesiegerinnen bis auf einen Kopfball von Eintracht-Kapitänin Laura Freigang (60.) kaum Chancen zuließen. Doch die Münchnerinnen ziehen solch zähe Auseinandersetzungen in diesen anstrengenden Wochen vor allem deshalb auf ihre Seite, weil Bühl trifft. „Es ist ein schönes Gefühl, das gibt Selbstvertrauen“, sagte die 25-Jährige in der ARD, die vor drei Tagen im Champions-League-Auswärtsspiel bei Benfica Lissabon (3:0) ganz ähnlich nach 74 Minuten den Bann gebrochen hatte.
„Ich bin unglaublich froh, wenn ich meine Leistung so auf den Platz kriege. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür tue ich auch einiges.“ Sie wolle sich zur Feier des Tages nun eine Pizza gönnen, verriet die Matchwinnerin breit grinsend. Die Bayern sind in der Bundesliga seit nunmehr 48 Spielen ungeschlagen. Angesichts der weißen Weste nach sechs Spieltagen sieht alles nach dem nächsten Durchmarsch aus.
Sorgen um DFB-Kapitänin Gwinn
Einziger Wermutstropfen, dass Verteidigerin Giulia Gwinn mit bandagiertem Knöchel zum Bus geleitet wurde: Die DFB-Kapitänin war mit dem linken Sprunggelenk umgeknickt, doch Barcala versicherte: alles fein, keine schlimme Verletzung. Trotzdem nicht ganz sicher, ob Deutschlands Fußballerin des Jahres am Montag zum Treffpunkt nach Heidelberg kommt, wenn sich die DFB-Frauen auf die Testspiele gegen Australien in Karlsruhe (9. Oktober) und gegen Japan in Bremen (13. Oktober) versammeln.
Ich bin unglaublich froh, wenn ich meine Leistung so auf den Platz kriege.
Klara Bühl, , Torschützin zum 1:0-Sieg des FC Bayern in Frankfurt
Keine Zweifel bestehen bei Bühl, die von Bundestrainer Christian Wück mit Amtsantritt wegen ihrer Beidfüßigkeit als Weltklassespielerin identifiziert wurde. Doch speziell im EM-Halbfinale 2025 gegen Spanien (0:1 n.V.) und im Nations-League-Finale gegen den Weltmeister (0:0, 0:3) war auch sie torlos geblieben. Wück forderte daraufhin: „Sie muss ihre Quantität in Qualität ummünzen. Die Häufigkeit, mit der sie ins Eins-gegen-eins geht und durchkommt, mit der sie zu Abschlüssen kommt, die ist top: Jetzt brauchen wir noch die richtige Entscheidung.“ Momente wie in Lissabon und Frankfurt belegen diesen Entwicklungsschritt. Und was Barcala gerne noch herausstellt, „wie bescheiden sie ist.“
Die 78-fache Nationalspielerin ist fraglos die wertvollste deutsche Spielerin. Wäre es nach ihrem Berater Jörg Neblung gegangen, hätte Bühl schon diesen Sommer von ihrer Ausstiegsklausel Gebrauch gemacht. Doch der vom Bodensee stammenden Fußballerin ist der Wohlfühlfaktor wichtig; außerdem wollte die beim SC Freiburg ausgebildete Offensivspielerin noch einen Anlauf beim FC Bayern auf den Gewinn der Königsklasse nehmen. Die Indizien sind erdrückend, dass das prägendste Gesicht der Liga nächsten Sommer verloren geht. Im Grunde läuft ihre Abschiedstournee, denn es wird dem Vernehmen nach erst gar keine Verhandlungen mit den Bayern über eine Vertragsverlängerung mehr geben.
Bühl wird die Qual der Wahl haben
Bühl sagte zuletzt im ZDF, dass es keine Deadline gebe: „Es ist noch alles offen. Ich kann mir alles vorstellen. Ich fühle mich in München sehr, sehr wohl.“ Doch ein Verbleib ist unrealistisch. Der FC Barcelona wollte sie bereits 2025 verpflichten, machte dann aber wegen finanzieller Beschränkungen einen Rückzieher. Daher dürften sich aus dem Ausland vor allem die englischen Topklubs mit einem Spitzengehalt überbieten, denn die Spielerin mit dem dritthöchsten Marktwert der Welt (1,65 Millionen Euro laut dem Portal Soccerdonna) ist nach der WM 2027 in Brasilien ablösefrei zu haben. Klara Bühl wird die Qual der Wahl haben, aber Begehrlichkeiten sind ja längst ihr Alltagsbegleiter.




