Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Manchmal auch in der deutschen Sportpolitik. Unfreiwillig hatte Volker Bouffier das verdeutlicht, als Nordrhein-Westfalen seine Pläne für eine Bewerbung um Olympische Sommerspiele vorstellte. Der frühere hessische Ministerpräsident, Ende Mai vergangenen Jahres noch Vorstand für besondere Aufgaben beim DOSB, wollte Kritikern die Zweifel nehmen und sagte: Deutschland plane ein Konzept, mit dem man nicht anderen gefallen wolle, sondern von dem man selbst überzeugt sei. Gut gemeint, aber leider inhaltlich an der Sache vorbei.
Deutschland muss beim IOC gefallen: Und Berlin hätte dazu die besten Aussichten gehabt
Es stimmt: Die Karten für die Vergabe der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 sind hierzulande besser als lange zuvor. Nur sollten sich alle, die am Samstag über Berlin, München oder Köln/Rhein-Ruhr als nationalen Kandidaten abstimmen, im Klaren sein: Ausschlaggebend für einen internationalen Zuschlag ist immer noch das, was den Mitgliedern im olympischen Kraftzentrum in Lausanne am besten gefällt.

Und da ist nun mal der aussichtsreichste schwarzrotgoldene Vertreter aus dem Rennen. Der Wahlsieg der Linken, die Olympische Spiele kategorisch ablehnen, hätte es zu einer Partie Russisches Roulette im Baden-Badener Kurhaus werden lassen, der Bundeshauptstadt auch nur eine Stimme zu geben. Es ist daher nur konsequent, sich diese Schmach zu ersparen und die Bewerbung zurückzuziehen. Denn der Sportsgeist, noch weiterzumachen, wäre kaum zu ertragen gewesen – erst recht in dem Wissen, dass die deutschen Bemühungen mit Berlin und seiner internationalen Strahlkraft die aussichtsreichsten beim IOC gewesen wären. Ob am Ende an der Isar oder am Rhein die Sektkorken knallen? Unvorhersehbar inzwischen. Für sie ist trotzdem noch nichts in Lausanne gewonnen.


