Die Entscheidung um den Bewerber aus Deutschland um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele wird ein Zweikampf zwischen München und Köln/Rhein-Ruhr. Die Evaluierungskommission des DOSB sieht die bayrische Metropole sowie die Domstadt als Leading City für Nordrhein-Westfalen in ihrer Bewertung klar vorn. Zwischen den beiden Kontrahenten zeichnet sich allerdings ein Kopf-an-Kopf-Rennen für das Votum bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes am Samstag in Baden-Baden ab. Faktisch raus ist der dritte Anwärter Berlin: Allein schon durch die Wahlergebnisse am zurückliegenden Wochenende, nach denen die Siegerpartei Die Linke sich klar gegen die Gastgeberträume der Bundeshauptstadt geäußert hat, werden der Bundeshauptstadt trotz der höchsten internationalen Strahlkraft vor München und Köln/Rhein-Ruhr keine Chancen zugeschrieben. Dieser Eindruck verstärkt sich nun durch das Resultat der Evaluierungskommission.

Olympia-Bewerbung aus Deutschland: Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen München und Köln

In der Matrix, für die insgesamt fünf Kategorien entweder mit bis zu 100 Punkten oder mit einem einfachen Haken als Zeichen für erfüllte Anforderungen bewertet wurden, liegt München mit 87,03 Punkten knapp vor Köln/Rhein-Ruhr (85,02). Damit liegen sie in dem schulbenoteten Bewertungskorridor im Bereich des „Sehr gut“. Berlin kommt lediglich auf 74,64 Punkte und damit ein „Gut“. Gepunktet haben der bayrische und nordrhein-westfälische Anwärter vor allem in den Kategorien sportfachliche und operative Eignung sowie internationale Strahlkraft und nationale Akzeptanz. „Sportdeutschland kann stolz auf seine Bewerber sein. Uns liegen drei großartige Konzepte vor. Deutschland hat jetzt schon alles, um die Olympischen und Paralympischen Spiele auszurichten“, erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert am Abend.

„Unsere Bewerbung hat die Note sehr gut erhalten, gemeinsam mit der bayrischen Bewerbung sind wir in der bestmöglichen Kategorie Kopf an Kopf“, sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Diese „richtig starke Nachricht“ bedeute für NRW vor allem: „Wir haben auch international die besten Chancen. Wenn es nach den neuen Kriterien des IOC geht, führt an unserer Bewerbung kein Weg vorbei. Genau solche Spiele wünscht sich das IOC unter Präsidentin Kirsty Coventry: modern, kompakt, nachhaltig, weniger kostspielig und weniger komplex.“ Letztes zu klärendes Detail des Konzepts war die Wahl des Segelreviers: Während München sich für den Standort Kiel-Schilksee entschied, legte sich Köln/Rhein-Ruhr auf Rostock-Warnemünde fest.

Eine sechsköpfige Kommission prüfte gemeinsam mit den olympischen Spitzenverbänden die Standorte auf Herz und Nieren, inwiefern sie sich für die Austragung eignen. Die Bewertung umfasste verschiedene Kategorien und Kriterien – zum Beispiel, wie groß die Chancen auf einen Zuschlag im internationalen Wettbewerb sind, oder auch, wie groß die Unterstützung der Bevölkerung oder der jeweiligen Region ist. Auch die sogenannte sportfachliche und operative Eignung wie Reisezeiten, Hotelkapazitäten sowie die Unterbringung von Athletinnen und Athleten wurden bewertet.

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Eine klare Empfehlung an die Wahlberechtigten ist das Ergebnis allerdings nicht: Die 42 olympischen Spitzenverbände (inklusive der Wintersportdisziplinen) dürfen am Samstag mit jeweils drei Stimmen für ihren Favoriten votieren (126), diese allerdings nicht aufteilen: Sie müssen en bloc an einen Bewerber vergeben werden. Nicht stimmberechtigt sind die Landessportbünde und die nichtolympischen Spitzenverbände; ebenso der Behinderten-Sportverband, obwohl mit der Bewerbung um Olympische Spiele ja auch die Austragung der paralympischen Variante verknüpft ist. Zudem haben acht persönliche Mitglieder – darunter Fußballprofi Leon Goretzka und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste – sowie die zehn Präsidiumsmitglieder des DOSB jeweils eine Stimme.

DOSB: Keine Empfehlung, sie wäre ohnehin nicht bindend für Samstag

Olympische Spiele 1972
München war 1972 bisher letzter Olympia-Gastgeber in Deutschland.© dpa

Der DOSB verzichtete darauf, sich klar für München auszusprechen. Selbst wenn er dies getan hätte, wäre der Ratschlag immer noch nicht bindend für die Versammlung. Ähnlich wie das Resultat in der Evaluierung der Konzepte, die alle drei Anwärter bis Anfang Juni einreichen mussten, dürfte auch das Votum am Samstag nah beieinander liegen. Es ist daher mit zwei Wahlgängen zu rechnen: Sollte nämlich im ersten Versuch keiner der Bewerber die absolute Mehrheit hinter sich vereinen können, müssen die Wahlberechtigten ein weiteres Mal geheim abstimmen. Dann allerdings nur noch zwischen zwei Kandidaten, da derjenige mit den zunächst geringsten Punkten vom zweiten Durchgang ausgeschlossen ist. Hamburg war ursprünglich als vierter Interessent im Rennen, dort entschieden sich aber Ende Mai die Bürgerinnen und Bürger gegen eine Olympia-Bewerbung.

Wer macht‘s am Ende? Münchens Internationalität und Strahlkraft oder NRWs nie dagewesenes Angebot von 17,6 Millionen möglichen Tickets? Der Sieger am Samstag (ab 13.45 Uhr in der ARD) vertritt dann Deutschland im internationalen Rennen um die Austragung der Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird verkünden, wer den Olympia-Traum weiterführen darf. Realistisch betrachtet für 2040; Favorit für vier Jahre zuvor ist Katar, sofern im Arabischen Golf wieder Ruhe einkehrt. Wenn Europa wieder dran ist, treten Budapest, Madrid und womöglich London als Widersacher aufs Trapez.