Beim Fußballklassiker in Manchester zwischen United und City (0:1) am vergangenen Sonntag saß auch Pepijn Lijnders auf der Tribüne. Seine Anwesenheit bei einem Premier-League-Spitzenspiel war an sich keine Überraschung: Der Niederländer arbeitete zunächst als Assistent von Jürgen Klopp beim FC Liverpool, später in gleicher Funktion für Pep Guardiola bei Manchester City. Doch in seiner neuen Rolle als Mitglied von Klopps Trainerstab bei der deutschen Nationalmannsch­a­ft war der konkrete Grund für seinen Besuch im Old Trafford weniger ersichtlich. Allenfalls könnte es um die Beobachtung möglicher Gegner gegangen sein – denn ein deutscher Profi stand bei dieser Partie nicht auf dem Platz. Immerhin war damit nach Julian Nagelsmanns Dauerabsenz überhaupt mal wieder jemand vom DFB vor Ort in England.

Keine neue Made-in-Germany-Generation

Der Umstand steht exemplarisch für den Bedeutungsverlust deutscher Fußballer im internationalen Vergleich. Von ihnen ist derzeit, siehe oben, beinahe nichts zu sehen. Jahrelang war Deutschlands Fußball durch die Leistungsträger Toni Kroos, Marc-André ter Stegen, Ilkay Gündogan und Antonio Rüdiger prominent in den Topligen vertreten. Doch der Einfluss der alten Riege hat inzwischen altersbedingt nachgelassen: Kroos beendete 2024 seine Karriere, Gündogan wechselte vor einem Jahr von Manchester City zu Galatasaray Istanbul, der bereits zuvor zum FC Girona ausgeliehene ter Stegen verabschiedete sich nun endgültig vom FC Barcelona zu Ajax Amsterdam, und Rüdig­er kämpft bei Real Madrid um seinen Stammplatz. Einzige Ausnahme ist Kai Havertz vom FC Arsenal. Ohne ihn wäre aus deutscher Sicht im Ausland kaum etwas los.

Lesen Sie auch

Mit 27 Jahren ist der frühere Leverkusener in den erlauchten Kreis jener Premier-League-Legionäre aufgestiegen, die wiederkehrend Spitzenspiele entscheiden. Der frühere Leverkusener verfügt inzwischen über ausreichend Erfahrung und Reife auf höchstem Niveau, hinzu kommt das Selbstvertrauen durch große Erfolge: Meister mit Arsenal 2026, Champions-League-Sieger mit Chelsea 2021. Ihm ist nicht anzumerken, dass er mit der Nationalelf abermals e­inen enttäuschenden Sommer hinter sich hat. Er präsentiert sich auch in dieser Saison in herausragender Verfassung.

Donnerstag

Eiszeit – der Eisbären-Newsletter

Jeden Donnerstag alles Wichtige von den Eisbären Berlin – Highlights, News und spannende Einblicke.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Dass sich bisher keine neue Made-in-Germany-Generation bei europäischen Eliteklubs etabliert hat, scheint mit dem bescheidenen internationalen Abschneiden des deutschen Fußballs zusammenzuhängen. Auf Klubebene konnte mit Eintracht Frankfurt, das vor vier Jahren die Europa League gewann, zuletzt ein deutscher Vertreter in einem europäischen Wettbewerb triumphieren. Der Nationalelf wiederum gelang seit der EM 2016 nur ein einziger Sieg in einem K.-o.-Spiel bei sämtlichen Welt- und Europameisterschaften.

Formstark: Karim Adeyemi ist beim FC Barcelona angekommen.
Formstark: Karim Adeyemi ist beim FC Barcelona angekommen.© AFP | Gene

So konnte sich kein deutscher Spieler über die eigenen Landesgrenzen hinaus ins Blickfeld spielen. Die Folge: Karim Adeyemis Wechsel von Borussia Dortmund zum FC Barcelona (22 Millionen Euro) war in diesem Jahr der einzige nennenswerte Auslandstransfer eines deutschen Fußballers. Entsprechend plant Klopp beim DFB-Team einen kompletten Neuaufbau. Vor seiner ersten Kadernominierung an diesem Donnerstag für die kommenden Nations-League-Partien kündigte er an, völlig unbekannten Spieler eine Chance zu geben.

Diese Entwicklung unterstreichen ausgerechnet die Großtransfers der deutschen Spieler Florian Wirtz und Nick Woltemade zum FC Liverpool und zu Newcastle United im Sommer 2025. Beide taten sich mit der intensiven Spielweise in der Premier League erschreckend schwer und erlebten in ihrer ersten Saison, gemessen an ihren Fähigkeiten und Ansprüchen, geradezu ein Fiasko.

Schade, Janelt und Stach: Die heimlichen Performer

Während sich Woltemade aufgrund mangelnder sportlicher Perspektiven kurzfristig zu Juventus Turin verleihen ließ, versucht sich Wirtz durchzukämpfen. Allerdings nimmt die Kritik an ihm zu. Trotz bisweilen ansprechender Leistungen fehlt es ihm an Durchschlagskraft. Der Spielmacher kommt in dieser Saison bislang lediglich auf eine Torvorlage – obwohl er in sämtlichen fünf Pflichtspielen in der Startelf stand.

Nottingham Forest FC v Leeds United - Premier League 2026/27
Unter-dem-Radar-Flieger: Anton Stach (r.) ist Dauerperformer für Leeds United, in Deutschland aber bislang wenig bekannt.© Getty | Steele

Immerhin machen andere deu­tsche Profis auf sich aufmerksam: Kevin Schade und Vitaly Janelt liefern beim FC Brentford ebenso konstant gute Leistungen ab wie Leeds Uniteds Anton Stach. Und Adeyemi überzeugt bislang als Einwechselspieler in Barcelona und erzielte bereits drei Tore. Vielleicht können sie bald die Tradition deutscher Spieler bei ausländischen Topklubs fortführen. In Manchester musste sich Pepijn Lijnders derweil mit einem Deutschen auf der Tribüne begnügen: Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel.