Bei Borussia Mönchengladbach herrschte in diesem Sommer noch Aufbruchstimmung. Sportchef Rouven Schröder verpflichtete elf neue Spieler, Cheftrainer Eugen Polanski bekam zugleich ein neues Assistenzteam zur Seite gestellt. Seine Mannschaft gewann in einer überzeugenden Vorbereitung alle Testspiele, die Fans zeigten sich hoffnungsvoll, dass es in der neuen Bundesliga-Saison wieder bergauf gehen könnte mit ihrem seit Jahren kriselnden Traditionsklub. Sie haben sich damit allerdings getäuscht: Nach nur drei Spieltagen liegt bei dem fünfmaligen Deutschen Meister schon wieder vieles in Trümmern. Dem 0:5-Debakel beim SC Freiburg folgte am Sonntagmorgen die Trennung von Polanski.

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Damit wiederholte sich auch eine Geschichte aus dem Vorjahr. Denn zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, nach dem 0:4 gegen Werder Bremen, hatte der Klub bereits Gerardo Seoane entlassen. Seinem Nachfolger Polanski, einem früheren Gladbacher Profi und U23‑Trainer, trauten die Verantwortlichen damals zu, die Mannschaft aus der Krise führen zu können. Durch eine insgesamt enttäuschende Spielzeit, die das Team auf dem zwölften Platz beendete, trug Polanski eine Hypothek in die neue Saison – wie zuvor Seoane. Beide ereilte also das gleiche Schicksal bei der Borussia.

„Trotz einer guten Vorbereitung und positiver Ansätze ist es der Mannschaft in der Bundesliga nicht gelungen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen“, sagte Sportchef Schröder. „Die zuletzt gezeigten Leistungen haben zu der Entscheidung geführt, Eugen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden.“ Durch die 3:4-Niederlage trotz 3:1-Führung gegen Aufsteiger SV Elversberg in der Vorwoche war Polanski unter hohen Druck geraten. Der Auftritt in Freiburg war letztlich ein Offenbarungseid.

Kleindienst mit Platzverweis

Gladbach spielte dort wie ein Absteiger. Kapitän Tim Kleindienst schwächte die ohnehin schon verletzungsgeplagten Borussen mit einem Platzverweis. Der Routinier sah völlig unnötig Gelb-Rot, wird nun beim Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) fehlen. Der 31-Jährige hatte nach dem Elversberg-Spiel noch mit harscher Kritik an seinen jungen Mitspielern für kontroverse Diskussionen gesorgt. Nun trug aber auch er als Führungsspieler seinen Teil dazu bei, dass die bislang punktlosen Gladbacher wieder tief in der Krise stecken und der Klub mit dem Polanski-Aus die erste Konsequenz zog. Vorerst soll Co-Trainer Jan-Moritz Lichte das Team betreuen. Gladbach ist wieder auf Trainersuche.

SC Freiburg - Bor. Mönchengladbach
Platzverweis: Gladbach-Kapitän Tim Kleindienst fliegt in Freiburg vom Feld.© dpa | von Ditfurth

Wer kann diese Mannschaft wieder dauerhaft in die Spur bringen? Nach Marco Rose, unter dem die Borussia im Jahr 2021 noch Champions League spielte, sind jedenfalls vier Trainer daran gescheitert: Adi Hütter, Daniel Farke, Seoane und nun Polanski. „Borussia Mönchengladbach war und bleibt mein Verein. Deshalb tut es so wahnsinnig weh, dass es nun so gekommen ist“, sagte der 40-Jährige, der in Gladbach eigentlich noch einen Vertrag bis 2028 besaß. „Nach dem gelungenen Klassenerhalt haben wir zu dieser Saison einiges verändert. Wir hatten uns viel vorgenommen, haben es aber nicht umgesetzt bekommen. Das tut mir leid. Ich hoffe sehr, dass die Borussia ganz schnell die Kurve kriegt.“

Steffen und Werner als Kandidaten

Als möglicher Polanski-Nachfolger gilt der frühere Gladbach-Profi Horst Steffen (57), zuletzt Trainer in Bremen. Auch Ole Werner (38), von dem sich RB Leipzig im Sommer trennte, zählt zu den Kandidaten. Wer auch immer den Job in Gladbach übernehmen wird, muss sich auf eine gewaltige Herausforderung einstellen. Durch die Jahre zwischen Mittelmaß und Abstiegskampf musste der Klub erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen. Die Kaderqualität ist deutlich gesunken, die sportlichen Defizite sind mittlerweile schwierig zu beheben.

Die zuletzt gezeigten Leistungen haben zu der Entscheidung geführt, Eugen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden.

Rouven Schröder,, Gladbachs Sportchef, über die Trennung von Trainer Polanski

Zudem besitzen Spieler wie Florian Neuhaus, der in dieser Saison noch keinen Einsatz hatte, noch hochdotierte Verträge. Gladbach nahm in diesem Jahr durch den Verkauf von Rocco Reitz nach Leipzig zwar rund 20 Millionen Euro ein, hat allerdings auch weiter hohe Ausgaben, die der Klub voraussichtlich erst im Sommer 2027 senken kann. Schröder, der seit Mitte Oktober 2025 bei der Borussia die sportlichen Geschicke leitet, wird also vorerst weiter mit den Rahmenbedingungen zurechtkommen müssen. Jetzt muss er aber zunächst einen neuen Trainer finden, der den Klub vor dem erneut drohenden Absturz bewahren kann. Für neue Aufbruchstimmung muss bei Borussia Mönchengladbach noch viel geschehen.