Niemand hat in der ersten Turnierwoche der US Open so regelmäßig so spät und so lange gespielt wie Alexander Zverev. Als ein Rückhandschlag seines chilenischen Drittrunden-Kontrahenten Alejandro Tabilo hinter Zverevs Grundlinie landete, hatte der deutsche Spätschicht-Spezialist am Sonntagmorgen um 1:09 Uhr (Ortszeit) 6:2, 7:6, 6:2 gewonnen und das Achtelfinale erreicht.

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„Ich finde, es ist ein besseres Match gewesen, der erste und dritte Satz waren um Welten anders als die letzten paar Tage“, resümierte Zverev zufrieden. Es war zwar erneut spät geworden für ihn, aber diesmal hatte er nur 2:26 Stunden für den Sieg gebraucht. Denn diesmal diktierte der French-Open-Champion oftmals von der Grundlinie mit druckvollen und abwechslungsreichen Schlägen das Geschehen. Diesmal war sein Spiel weitaus geradliniger als noch in den beiden vorangegangenen Partien. Da hatte er wie ein Zickzack-Zverev gewirkt, so sehr glich sein Weg einer Schlangenlinie.

US Open: Steiniger Weg zum Titel – bei Zverev war er besonders steinig zum Start

Wer bei einem Herren-Grand-Slam-Turnier triumphieren will, muss in zwei Wochen sieben Matches und 21 Sätze gewinnen. Der Weg hinauf auf den Thron ist oft steinig, beschwerlich, mitunter gar brutal. Deshalb gilt es, möglichst zu Turnierbeginn gegen die vermeintlich leichteren Gegner Zeit und Kraft zu sparen. Vor allem in New York. Hier ist es, ähnlich wie bei den Australian Open, oft sehr heiß, im Gegensatz zu Melbourne jedoch auch sehr schwül. Die Luftfeuchtigkeit betrug in den vergangenen Tagen mitunter 76 Prozent.

Zverev kam es zwar entgegen, dass seine Spiele jeweils die zweiten der Night Session im Arthur Ashe Stadium waren. Die Sonne war da längst untergegangen, die Temperatur nicht mehr so hoch. Doch die späten Ansetzungen hatten zur Folge, dass der 29-Jährige zum Nachtarbeiter von New York wurde – was allerdings auch an ihm selbst lag.

2026 US Open - Day 7
Alexander Zverev beim Return© AFP | Finney

Sein erstes Match gegen den Italiener Lorenzo Sonego dauerte 4:53 Stunden und endete um 1:55 Uhr. Zwei Tage später stand Zverev gegen Quentin Halys aus Frankreich sogar bis 2:14 Uhr auf dem Platz. Spieldauer: 4:33 Stunden. „Egal, wer du bist, das schlaucht“, meinte ESPN-Kommentator John McEnroe.

Egal, wer du bist, das schlaucht.

John McEnroe, , ehemaliger Tennisprofi

In beiden Partien mühte sich Zverev fünf Sätze lang, machte etliche leichte Fehler, wirkte bisweilen ratlos und sogar verzweifelt. Und das, obwohl er als einer der Favoriten nach New York geflogen war. Weil der italienische Weltranglisten-Primus Jannik Sinner aufgrund einer Knieverletzung fehlt, ist Zverev als Nummer zwei des globalen Rankings erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier topgesetzt.

Doch noch nie hatte eine topgesetzter Spieler bei einem Event dieser Kategorie jeweils Fünf-Satz-Matches in den ersten beiden Runden zum Weiterkommen gebraucht – und auch noch nie eine Gesamtspielzeit von 9:26 Stunden. „Nach drei Stunden bin ich immer erst richtig warm“, scherzte Zverev nach seiner zweiten Partie. Im Anschluss an den Sieg gegen Tabilo meinte er süffisant: „Mein Trainer sagte mir, ein best of five Match bedeute nicht, dass man auch fünf Sätze spielen muss. Das wusste ich bis heute gar nicht.“

US Open: Nächste Zverev-Spätschicht am Montag

Seine Spätschichten haben natürlich Einfluss auf seinen Tagesablauf. Denn wenn New York wach wird, legt sich Zverev erst schlafen. „Wenn ich um 2 Uhr morgens fertig bin, gehe ich um 6 Uhr ins Bett“, betonte er. Auf die Frage, ob er auch mal tagsüber spielen wolle, hatte Zverev deshalb eine kurze, aber klare Antwort: „Nö.“ Der Turnierdirektor gebe ihm zwar die Wahl, so Zverev. Aber wenn er eben erst im Morgengrauen ins Bett komme, dann wolle er „gar nicht um 12 Uhr spielen“.

Das Finale wird am Sonntag um 14 Uhr ausgetragen. Zverev hat also noch einige Tage Zeit, seinen Rhythmus umzustellen. Drei Siege fehlen ihm bis zum Endspiel. Und dieses Endspiel muss sein Ziel sein. Denn die kommenden Gegner sollten für einen Zverev in Normalform alle schlagbar sein. Im Achtelfinale trifft er auf den Italiener Luciano Darderi, die Nummer 22 der Weltrangliste. Die weiteren Kontrahenten werden Arthur Gea (Frankreich), Botic van de Zandschulp (Niederlande), Karen Chatschanow (Russland), Learner Tien (USA), Francisco Cerundolo (Argentinien) oder Alexander Blockx (Belgien) sein. Im Gegensatz zu Zverev hat keiner von ihnen bislang ein Grand-Slam-Finale erreicht.

Der Deutsche spricht trotzdem nicht von einem leichten Weg. Vor allem, weil er noch nicht sein „bestes Tennis gezeigt“ habe. Aber, er mache Fortschritte, das sei für ihn die Hauptsache. Ob seine Formkurve weiter ansteigt, zeigt sich am Montag. Dann hat Zverev seine nächste Spätschicht in New York.