Sie wirkt wie ein kleines, zierliches Mädchen, dabei ist Alexandra Eala auf dem Weg zum Weltstar. „Ich stehe hier im Armstrong”, juchzte die 21-Jährige nach ihrem 6:1, 6:2-Auftaktsieg bei den US Open am Dienstagabend gegen die Amerikanerin Mary Stoiana. Ihrer Stimme und ihrer Freude war anzumerken, dass das für die Filipina alles noch ziemlich surreal und unfassbar ist. Ihre Reise, ihr Aufstieg, all der Hype um sie.

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Rund 12000 Fans jubelten Eala zu nach ihrem Sieg im New Yorker Louis Armstrong Stadium, der zweitgrößten Arena dieses Grand-Slam-Turniers. Viele wedelten euphorisch und enthusiastisch mit kleinen und großen philippinischen Fahnen. Sie trugen stolz philippinische Trikots und hielten Schilder in Tagalog hoch, der am meisten verbreiteten Sprache auf den Philippinen. „Die Unterstützung, die ich die vergangenen Tage in New York bekommen habe, ist unglaublich”, sagte Eala, deren Trainingseinheiten bereits tausende Fans anlockten.

Die Linkshänderin gilt als neues Gesicht des Tennis, ist aktuell die wohl aufregendste Spielerin der Welt. Das Wall Street Journal bezeichnet sie als „Tennis-Wunderkind“, Venus Williams spricht von einem „Weltstar” und einer „einfach unglaublichen, imposanten, jungen Frau.”

Kometenhafter Aufstieg in Tennis-Weltrangliste

Eine Frau, die sich innerhalb von 18 Monaten von Platz 140 der Weltrangliste auf Position 18 vorgeschoben hat und deren Strahlkraft selbst zwischen den Wolkenkratzern und Häuserschluchten von New York spürbar ist. Der Preis für die beiden Abendspiele am Dienstag im Armstrong Stadium stieg auf dem Zweitmarkt um 132 Prozent an, als bekannt wurde, dass Eala hier ihr Erstrunden-Match bestreiten würde. Wer sie sehen wollte, musste mindestens 385 US-Dollar zahlen.

Trotzdem war die Arena fast ausverkauft. Denn die Tennis-Anlange der US Open liegt im Stadtteil Queens. Hier sind rund 50.000 Filipinos zu Hause. Viele leben in „Little Manila”, einer Wohngegend nur fünf Kilometer vom Billie Jean King National Tennis Center entfernt. „Vielen Dank euch allen, dass ihr Teil meiner Reise seid und meinen Job so schön macht”, sagte Eala. Inmitten dieser Sätze wechselte sie vom Englischen zu Tagalog, um sicherzustellen, dass alle Landsleute im Publikum ihre Worte verstehen.

Handschlag am Netz: Alexandra Eala mit Mary Stoiana.
Handschlag am Netz: Alexandra Eala mit Mary Stoiana.© AFP | Trillabeau

Eala hat ihr Land auf der Tennis-Landkarte etabliert. Ein Land, das in seiner 80-jährigen Geschichte mit dem ehemaligen Box-Weltmeister Manny Pacquiao erst einen globalen Sportstar hervorgebracht hatte. Ein Land mit rund 120 Millionen Einwohnern, von denen viele längst Eala- und Tennisfans geworden sind.

Tennis-Boom auf den Philippinen

Sie habe gehört, sagt Eala, dass es daheim mittlerweile sehr schwer sei, „Platzzeiten auf den Tenniscourts zu bekommen”. Die Nachfrage für Tennisschläger ist auf den Philippinen nach Angaben des Sportartikelhändlers Decathlon um 66 Prozent gestiegen. „Wir sollten alle den philippinischen Fanzuwachs begrüßen, denn wir profitieren alle davon”, meinte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Coco Gauff aus den USA.

Großvater Roberto hatte Eala daheim im Großraum Manila einst für Tennis begeistert als sie gerade drei Jahre alt war. „Lolo Bob”, wie Eala ihn liebevoll nannte, blieb ein Jahrzehnt lang ihr Trainer, Helfer, Mentor. „Sein Einfluss auf mein Leben war gewaltig. Bei jedem Meilenstein, den ich erreiche, denke ich an ihn”, betont sie.

Mit 13 Jahren zog Eala von Manila nach Mallorca. Eala hatte ein Stipendium an der Rafael-Nadal-Akademie bekommen, rund 11.000 Kilometer entfernt vom Elternhaus. An ihrer Seite, „der beste große Bruder der Welt”, wie sie ihren drei Jahre älteren Bruder Miko Eala nennt. Auch er spielte Tennis am prestigeträchtigen Nachwuchszentrum von Nadal. Ealas Aufstieg und somit die Eala-Euphorie begann im März 2025 beim Hartplatz-Turnier in Miami. Mit einer Wildcard und als Nummer 140 der Welt angereist, besiegte sie nacheinander die drei ehemaligen Grand-Slam-Gewinnerinnen Jelena Ostapenko, Madison Keys und Iga Swiatek – und spielte sich sensationell ins Halbfinale.

Empfang im Präsidenten-Palast

In Wimbledon erreichte sie in diesem Jahr das Achtelfinale, eliminierte auf dem Weg dorthin Titelverteidigerin Swiatek in zwei Sätzen. Anschließend empfing Staatspräsident Ferdinand Marcos Jr. Eala in seinem Palast in Manila zu einer Feierstunde.

Der bisherige Höhepunkt war ihr Triumph vor einem Monat in Washington. Eala setzte sich im Finale gegen die Weltranglisten-Dritte, Jessica Pegula aus den USA durch. Es war der erste Turniersieg einer Filipina auf der Frauen-Profitour WTA. Einer der ersten Gratulanten war Manny Pacquaio. Er schrieb stolz in den sozialen Medien: „Unser neuer Champion.”