Kurz vor Transferschluss unternahm Mikel Arteta einen letzten Versuch, das Nachwuchstalent Ethan Nwaneri für diese Saison beim FC Arsenal zu halten. Der Trainer appellierte öffentlich eindringlich an die Premier League, die Kadergröße an Spieltagen auf mehr als die bislang erlaubten 20 Spieler zu erhöhen. Denn nach einer starken Vorbereitung war Nwaneri zum Pflichtspielauftakt der Gunners einer der Leidtragenden des hochkarätig besetzten Kaders des englischen Meisters. Zwar durfte er mit der Mannschaft zum Supercup gegen Manchester City (3:0) nach Cardiff reisen, schaffte es dort aber nicht in den Spieltagskader. Auch zum Premier-League-Auftakt blieb der 19‑Jährige – immerhin als Reservist – ohne Einsatzminute.

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Da Artetas Vorstoß nichts an den bestehenden Regeln änderte, entschied sich Arsenal, Nwaneri im Sinne seiner sportlichen Entwicklung kurz vor Transferende abzugeben: für ein Jahr auf Leihbasis an Borussia Dortmund. Das Paket aus Leihgebühr und Gehalt beträgt stattliche fünf Millionen Euro.
BVB wollte Nwaneri schon vor einem Jahr
Beim BVB soll Nwaneri dringend benötigte Spielpraxis sammeln und den zuvor verpflichteten griechischen Offensivkünstler Giannis Konstantelias ersetzen. Dieser hatte sich beim 2:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV am Samstag das Kreuzband gerissen und wird lange ausfallen. Für Arsenal kommt der flexible Offensivspieler bislang auf zwölf Torbeteiligungen in 51 Pflichtspielen, 20 davon in der Startelf. Dass die Borussia den Zuschlag für ihn erhielt, darf als Auszeichnung verstanden werden.
Arsenal sieht in ihm einen überaus vielversprechenden Spieler aus der eigenen Jugend und traut ihm perspektivisch eine tragende Rolle bei den Profis zu. Nwaneri ist bis dato der jüngste Spieler der Premier-League-Geschichte: Im September 2022 debütierte er für die Gunners im Alter von 15 Jahren und 181 Tagen. Zuletzt wurde er auch als einer von vier Nachwuchshoffnungen für eine Woche ins WM-Vorbereitungscamp der Engländer eingeladen. Entsprechend zurückhaltend hatte sich Arsenal gegenüber Interessenten für Nwaneri grundsätzlich verhalten.

Vor einem Jahr verlängerten die Londoner seinen Vertrag vorzeitig bis 2030, nachdem sich die Borussia kurz zuvor erstmals um den Spieler bemüht hatte. Für Dortmund sprachen neben den damaligen Bemühungen und der Aussicht auf regelmäßige Einsatzzeiten vor allem die große Reputation des Vereins auf der Insel, junge Spieler weiterzuentwickeln. Der Klub wäre damals bereit gewesen, Nwaneri zum Rekordtransfer zu machen und ein Gesamtpaket von 35 Millionen Euro Ablöse zu schnüren. Der BVB sei in der Anbahnung des Deals aber letztendlich zu zögerlich gewesen, meinen einige im Verein. Mit einem Jahr Verspätung ist Nwaneri nun aber Schwarz-Gelber.
Nwaneri ist Arsenal durch und durch
Bei der Eingewöhnung in Dortmund könnte sein Landsmann Jobe Bellingham hilfreich sein, mit dem er gemeinsam in der englischen U21-Nationalmannschaft spielt. Nwaneris erste Auslandsstation bei Olympique Marseille, wohin er in der vergangenen Rückrunde ausgeliehen war, verlief nämlich nicht wie gewünscht. Nach zunächst vier Startelfeinsätzen in Serie trennte sich Marseille von Trainer Roberto De Zerbi, der mittlerweile Tottenham Hotspur betreut und Nwaneri nach Frankreich geholt hatte. Unter dessen Nachfolger Habib Bèye spielte das Toptalent anschließend kaum noch eine Rolle.
Nwaneri ist ein Arsenal-Junge durch und durch. Weniger als zwei Meilen vom Stadion entfernt geboren, wuchs er in der Nachbarschaft des Klubs auf, geriet früh in dessen Blickfeld und wurde direkt aus dem Vorstufenprogramm in die Akademie übernommen. Dort durchlief er sämtliche Jugendmannschaften, ehe ihm der Durchbruch gelang. Sein Werdegang ist auch vom künftigen DFB-Sportchef Per Mertesacker geprägt, der nach seinem aktiven Karriereende beim FC Arsenal von 2018 bis 2026 die Nachwuchsleitung des Klubs übernahm.
Nwaneris Charakter gilt als vorbildlich
Der frühere Verteidiger legte dabei genauso viel Wert auf die menschliche wie die sportliche Ausbildung und strich etwa Taxigutscheine. „Die Spieler müssen eine Busstation finden, statt im verwöhnten Rundumservice nach Hause gefahren zu werden“, erklärte Mertesacker. Davon profitierte Nwaneri, dessen Charakter als vorbildlich gilt: bodenständig, diszipliniert, zielstrebig.
Seine Fähigkeiten auf dem Platz stehen ohnehin außer Frage. Als Granit Xhaka 2022 im Rahmen seiner Trainerausbildung das hauseigene U16-Team der Gunners teilweise anleitete, sagte er über den dort spielenden Nwaneri, man könne einen „großen Unterschied“ zwischen ihm und seinen Teamkollegen erkennen: Er sei „sehr, sehr speziell“. Ähnlich äußerte sich Arteta, der die flinke Ballbehandlung und die Lösungen des Linksfußes in engen Situationen hervorhebt. Dieses Rohpotenzial soll der BVB nun veredeln – und anschließend wieder den Gunners zugutekommen lassen. Eine Kaufoption gewährte der FC Arsenal schriftlich nicht.




