Mit einem Blumenstrauß in der Hand, den ihre Freundin ihr ins Stadion hatte liefern lassen, versuchte Lena Oberdorf, ihre Gefühle zu sortieren: „Ich war bei der Einwechslung ein bisschen emotional, ich hatte ein bisschen Tränen in den Augen, ich musste mich kurz straffen.“ 316 Tage, nachdem sie zum zweiten Mal innerhalb von 15 Monaten einen Kreuzbandriss erlitten hatte, war Oberdorf zuvor für den FC Bayern auf den Platz zurückgekehrt – und zeigte sich nach ihrer Einwechslung in der 71. Minute beim 2:0 (1:0)-Sieg in der Bundesliga am Montag über Mainz 05 „einfach nur happy.“

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„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte die 24-Jährige, die sich erstmals im Juli 2024 einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen und daraufhin die Olympischen Spiele verpasst hatte. Es sei „unheimlich schön, wieder bei der Mannschaft zu sein, ein Spiel zu machen, in dem es um etwas geht. Ich habe es echt vermisst.“

Die defensive Mittelfeldspielerin und die ebenfalls nach einer langen Verletzung zurückgekehrte Giulia Gwinn sollen den FC Bayern in dieser Saison noch besser machen. Also Double-Sieger ist klar: Auch in der Champions League rechnet sich der Klub Chancen aus.

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Der Moment der Einwechslung: Lena Oberdorf ist wieder zurück. © imago | Feiner

Doch Königsklasse ist nicht immer große Bühne. Weder das San Siro noch der Prinzenpark öffnen die Tore, wenn für den VfL Wolfsburg bei Inter Mailand und Eintracht Frankfurt bei Paris St. Germain an diesem Mittwoch (18.30 Uhr/DF1) die richtungsweisenden Play-off-Rückspiele zur Women’s Champions League anstehen. Aber auch das eher provinzielle Ambiente soll zwei internationale Aushängeschilder nicht davon abhalten, mit dem FC Bayern die Bundesliga bestenfalls als Trio in der Ligaphase mit 16 Teams zu vertreten.

Vizemeister Wolfsburg geht mit einem 2:0-Vorsprung ins Rückspiel im kleinen Stadio Ernesto Breda, Frankfurt tritt mit einem 1:1 aus dem Hinspiel auf dem PSG-Campus an. Die Adlerträgerinnen sind seit der Fusion 2020 mit dem Vorgänger 1. FFC Frankfurt in vier Anläufen bereits dreimal in der Qualifikation oder den Play-offs gescheitert. „Wir können nur gewinnen. Die Mannschaft weiß, wie sie Paris weh tun muss“, sagte Trainer Niko Arnautis, der den Gegner wie im Hinspiel „aggressiv und mutig“ begegnen möchte.

Frankfurt bangt um Torjägerin

Ungewiss ist der Einsatz der bereits bestens integrierten Bundesliga-Torschützenkönigin Larissa Mühlhaus. Der Neuzugang von Werder Bremen zog sich zuletzt gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) einen Pferdekuss zu. Gerade ihre Körperlichkeit wäre gegen das französische Topteam wichtig. Bei einer Niederlage würden die Hessinnen erneut im Europa Cup antreten. Immerhin ein Trostpflaster.

Die „Wölfinnen“ hingegen sind Stammgast in der Königsklasse und kamen immerhin zuletzt wieder bis ins Viertelfinale. Nach einem erneut großen Umbruch und dem Verlust der Identifikationsfigur Alexandra Popp hat das Team bereits gut zusammengefunden. Gleichwohl warnte VfL-Verteidigerin Camilla Küver: „Das 2:0 ist ein gefährliches Ergebnis. Wir lassen kein Prozent nach im Rückspiel.“ Zuletzt beim Auswärtssieg bei Bayer Leverkusen (2:1) überzeugte vor allem Offensivtalent Cora Zicai, die nach einem Jahr Anlaufzeit aufblüht. Was auch Bundestrainer Christian Wück freut, der vor der WM 2027 in Brasilien natürlich genau hinschaut, wie sich seine Kandidatinnen präsentieren.  

Niko Arnautis
Bangt mit Eintracht Frankfurt ums Weiterkommen: Trainer Niko Arnautis.© Jürgen Kessler/dpa | Jürgen Kessler

Frankfurt und Wolfsburg haben im Sommer erfahren, dass ihre prägenden Gesichter bei lukrativen Angeboten aus dem Ausland kaum noch zu halten sind. Mit Carlotta Wamser von Bayer Leverkusen ist am Montag eine weitere Nationalspielerin von Bayer Leverkusen zu Manchester City gewechselt.

Das entwicklungsfähige Energiebündel war kurioserweise in Frankfurt kaum eingesetzt worden, ehe Wück sie vor der EM 2025 in der Schweiz überraschend in den Kader holte. Als sich seine Kapitänin Giulia Gwinn erneut am Knie verletzte, startete die 22-Jährige durch, die auf beiden Außenbahnen offensiv wie defensiv einsetzbar ist.

13 Deutsche in der Premier League

Die Allrounderin wird die aktuell schon 13. Deutsche, die nun in der besten Liga der Welt gutes Geld verdienen. Nächsten Sommer könnte Klara Bühl folgen, die sich trotz lukrativer Angebote diesmal noch für einen Verbleib bei den Bayern entschied. Auch der deutsche Branchenprimus hatte sich mit der 14-fachen Nationalspielerin Wamser beschäftigt – vor allem für nächsten Sommer, sollten Gwinn und Franziska Kett nicht bleiben. Doch nun grätschte der nächste englische Topklub dazwischen und zahlte offenbar 650.000 Euro Ablöse an die Werkself.

Das Transfergebaren wird auch im Frauenfußball immer „mehr ein Geschäft“, sagte Frankfurts Verteidigerin Paulina Krumbiegel am Dienstag, die gerade erst von Juventus Turin in die Bundesliga zurückkehrte. „Die großen Vereine investieren immer mehr, aber das spornt auch an.“ Man wolle zeigen, dass man dennoch mithalten könne. Doch längst stellt sich die Frage, wie sich Deutschland mit seiner obersten Frauen-Spielklasse mit Blick auf die Heim-EM 2029 dauerhaft gegen den Exodus der Besten stemmen will.