Der Pass war perfekt temperiert: nicht zu stark und nicht zu schwach gespielt, exakt in den Lauf des schnellen Außenstürmers. Und der wusste die Vorlage perfekt zu nutzen, dribbelte noch in höchster Geschwindigkeit vorbei an einem Abwehrspieler, legte den Ball dann ins lange Eck und jubelte ausgelassen mit seinen Mitspielern. Nur der Vorlagengeber wollte so gar nicht mitjubeln. Denn blöderweise hatte Jobe Bellingham, Mittelfeldspieler in Diensten von Borussia Dortmund, den falschen Mann bedient, hatte mit seinem Pass Michael Olise in Szene gesetzt, Flügelspieler des FC Bayern. Und der hatte ganz kurz vor dem Pausenpfiff das letztlich entscheidende 2:0 geschossen.

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Am Ende gewann der amtierende Deutsche Meister vor 81.365 Zuschauern und Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp nach hochüberlegener erster und deutlich engerer zweiter Halbzeit mit 2:1 (2:0), holte damit das erste Titelchen der Saison und sandte eine Woche vor dem Bundesligastart zumindest ein mittelgroßes Zeichen an die Konkurrenz: Macht euch lieber nicht zu große Hoffnungen, auch in dieser Spielzeit bleiben wir Anwärter Nummer eins auf die Deutsche Meisterschaft.
„Auswärts gegen unseren Rivalen in der Liga, den Pokal in deren Heimstadion zu gewinnen, ist natürlich ein toller Start in die Saison“, sagte Bayern-Star Harry Kane. Abwehrchef Jonathan Tah betonte: „Ein Titel bedeutet immer sehr, sehr viel. Wir haben heute als Team alles reingehauen. Aber wir wissen, dass es noch besser geht.“
BVB-Torwart Gregor Kobel erkannte an: „Die Bayern haben einen sehr guten Start gehabt und sind super reingekommen. Am Ende war es schade, weil wir schon die Möglichkeiten haben.“ Auch auch bei seiner Mannschaft habe er „viel Gutes“ gesehen. „Wir haben gute Jungs dabei. Wir werden immer stärker. Am Ende müssen wir aber so ein Spiel auch gewinnen, weil wir das wollen.“

Dabei hatte der BVB im Sommer ordentlich investiert, um an der bajuwarischen Vormachtstellung zu rütteln – die Münchener allerdings auch. Und so standen auf beiden Seiten Zugänge im Wert von rund 50 Millionen Euro auf dem Rasen. Beim BVB verteilte sich die Summe auf 32-Millionen-Mann Kostas Karetsas und 20-Millionen-Mann Joane Gadou, bei den Bayern war es allein Nathaniel Brown. Den hatte Trainer Vincent Kompany überraschend auf die Zehn beordert, weil ihm ja sein nomineller Spielmacher Jamal Musiala nach zuletzt einigen neurologischen Auffälligkeiten fehlte.
Erst ist der BVB auf Augenhöhe, dann dominiert Bayern bis zur Pause
Das aber störte die Bayern nicht groß, weil erstens Harry Kane neben einem Weltklasse-Stürmer nebenbei ja auch einen Weltklasse-Spielmacher zu verkörpern versteht und weil zweitens Brown das viele Geld tatsächlich wert sein könnte. Zumindest war er es, der den FC Bayern nach 28 Minuten in Führung schoss – und zu diesem Zeitpunkt war die Führung längst verdient.
In der Anfangsphase hatte sich noch ein Spiel auf Augenhöhe angedeutet, weil die Dortmunder aggressiv verteidigten, damit den amtierenden Meister geschickt vom eigenen Tor fernhielten – und die erste halbwegs gefährliche Szene heraufbeschworen: Karetsas, der die Fans schon mit einigen schnellen Drehungen und giftigen Zweikämpfen begeistert hatte, flankte aus dem Halbfeld scharf nach innen, wo Samuele Inacio mit dem Kopf verpasste und Serhou Guirassy dahinter derart verdutzt war, dass er den Ball nicht mehr aufs Tor gelenkt bekam (13.).
FC Bayern schlägt mit der ersten gefährlichen Szene zu
Vielleicht war das der Hallo-wach-Effekt für die Bayern, die nun die Regie übernahmen, den Dortmundern kaum noch Ballbesitz und noch weniger Offensivszenen gestatteten. Und ihrerseits mit der ersten wirklich gefährlichen Szene zuschlugen: Michael Olise behauptete sich nach Joshua Kimmichs langem Ball gegen den schlecht postierten Julian Ryerson, Ramy Bensebaini stocherte noch erfolgreich, doch den Abpraller nutzte Brown zur Führung (28.). „Für mich war es ein super Einstand. Wir wollen so weitermachen, Spiele gewinnen und Titel gewinnen“, sagte der Neuzugang später.

Die Spielverhältnisse waren nun klar, und als der Ball wie aus dem Nichts doch einmal im Bayern-Tor zappelte, zählte das nicht: Abseits (42.). Die Bayern blieben spielbestimmend und gefährlich und sie belohnten sich noch vor der Pause mit dem 2:0 durch Olise nach Bellinghams schlimmem Fehlpass (45.+1).
BVB-Joker Giannis Konstantelias glänzt
BVB-Trainer Niko Kovac legte noch einmal knapp 30 Millionen Euro Ablöse in Form von Giannis Konstantelias nach und tatsächlich kamen die Hausherren mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine. Es brauchte eine Glanzparade von Bayern-Torhüter Manuel Neuer, um den Anschlusstreffer durch Karetsas zu verhindern (52.). Und Kovac hatte noch 22 Millionen Euro übrig, brachte noch Joey Veermann, dazu Fabio Silva und Maximilian Beier. (63.).
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Und die vielen Wechsel sollten sich auszahlen: Der technisch starke Konstantelias schickte Daniel Svensson mit feinem Pass, und dessen Hereingabe drückte Silva über die Linie (73.). Und die Bayern? Die hatten sich etwas zu sehr auf ihrer Führung ausgeruht, orientierten sich nun wieder mehr nach vorne. Zwar bekamen sie die zerfahrene Partie gegen deutlich energischere Dortmunder nicht mehr so sehr in den Griff wie vor der Pause – aber es reichte, um den am Ende doch knappen Sieg über die Zeit zu bringen. Denn die finalen Szenen missrieten dem BVB: Erst sah Bensebaini nach rüder Grätsche gegen Ismael Saibari Rot (90.), dann vergab Beier vollkommen frei vor dem Tor den Ausgleich (90.+2).






